Stadtwerke retten Schwäne, die im Schwanenweiher auf dem Trockenen sitzen

dzTierschutz

Trockenheit und Hitze hätten fast Opfer unter den Tieren in Bergkamen gefordert. Im Schwanenweiher an der Erich-Ollenhauer-Straße saßen Jungschwäne auf dem Trockenen – bis die Stadtwerke eingegriffen haben.

Bergkamen

, 06.08.2020, 15:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als eine Oberadenerin an diesem Mittwochmorgen ihre übliche Runde zum Schwanenweiher an der Erich-Ollenhauer-Straße ging, traute sie ihre Augen kaum. Der kleine See bestand fast nur noch aus trockener Erde und Schlamm, die Reiher standen gerade noch einmal mit den Füßen in der letzten kleinen Pfütze – und mittendrin mehrere Jungschwäne. Die Vögel mit den noch grauen Federn sind offenbar von ihren Eltern verlassen worden und hatten sich im letzten Rest Wasser versammelt. Dort machten sie schon einen etwas apathischen Eindruck.

Ein großer Teil des Weihers bestand nur noch aus rissigem Boden und Schlamm. Für den Lippeverband ist das ein Zeichen, wie stark das Grundwasser gefallen ist. Es speist das Gewässer, das durch eine Bergsenkung entstanden ist.

Ein großer Teil des Weihers bestand nur noch aus rissigem Boden und Schlamm. Für den Lippeverband ist das ein Zeichen, wie stark das Grundwasser gefallen ist. Es speist das Gewässer, das durch eine Bergsenkung entstanden ist. © Michael Dörlemann

Hilfe von einer ungewöhnlichen Stelle

Die Oberadenerin holte Freunde zur Hilfe, unter anderem einige Naturschützer. Die machten sich vor Ort ein Bild und versuchten, Unterstützung für die Schwäne zu bekommen. Dabei war es zunächst etwas schwierig, herauszubekommen, wer für das Gewässer zuständig ist. Nach einigen Telefonaten stellte sich heraus, dass die zuständige Stelle der Lippeverband ist.

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Hilfe aber fanden sie an einer eher ungewöhnlichen Stelle: den Gemeinschaftsstadtwerke (GSW). Als die von der Not der Schwäne hörten, setzten sie am frühen Nachmittag einen Trupp der GSW Wasser-plus in Marsch – einer Tochter von GSW und Gelsenwasser, die für die Wasserversorgung in Bergkamen zuständig ist.

Mitarbeiter der GSW Wasser-plus verlegten eine Schlauchleitung, um den Weiher wieder aufzufüllen. Biologen gehen davon aus, dass dann auch die Schwäne überleben.

Mitarbeiter der GSW Wasser-plus verlegten eine Schlauchleitung, um den Weiher wieder aufzufüllen. Biologen gehen davon aus, dass dann auch die Schwäne überleben. © Michael Dörlemann

Techniker von GSW Wasser-plus verlegen eine Schlauchleitung

Die Techniker verlegten eine etwa 300 Meter lange Schlauchleitung von der Schlenke bis zum Schwanenweiher, um ihn wieder mit ausreichend Wasser zu versorgen. „Über die erforderliche Wassermenge, die Dauer des Einsatzes und die Kosten kann ich noch nichts sagen“, teilte GSW-Sprecher Timm Jonas am Mittag mit. Die GSW werde das Wasser auf jeden Fall so lange laufen lassen, bis der Schwanenweiher wieder ausreichend befüllt ist, sagte er.

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Das dürfte für die Jungschwäne die Rettung sein. Anke Bienengräber von der Biologischen Station geht davon aus, dass die Tiere an Land schwimmen, sobald wieder genug Wasser im Weiher ist. Dort würden sie ausreichend Nahrung finden. Sie hält die Tiere für alt genug, dass sie ohne die Eltern überleben. Die Biologische Station selbst ist jedoch nicht zuständig, weil der Schwanenweiher kein Naturschutzgebiet ist.

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Ein Vertreter des Lippeverbandes, der vor Ort war, machte deutlich, dass der Verband nicht alle Gewässer befüllen kann, die in diesen Tagen trocken fallen. Für die Naturschützer war die Situation ein schlechtes Zeichen. „Man sieht deutlich, dass der Klimawandel bei uns angekommen ist“, sagte eine von ihnen.

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