Britta Garand macht Monika Knappert die Dauerwelle neu. Ihr Salon war am ersten Tag nach der coronabedingten Schließung schon seit Tagen ausgebucht. © Michael Dörlemann
Corona-Pandemie

Nach fast drei Monaten wieder beim Friseur: „Ich fühle mich zehn Jahre jünger!“

Am ersten Tag herrscht bei den Friseuren nur deshalb kein Andrang, weil die Kunden nur mit Termin kommen dürfen. Die Friseurinnen haben viel Arbeit mit langen Haaren – und die eine oder andere Reparatur.

Im Schaufenster des Bergkamener Friseursalon Mecklenbrauck hängt ein Plakat der Friseurinnung Unna. Darauf zu sehen ist angeblich Lars (32), dem die dicken, dunklen Haare nach allen Seiten vom Kopf wegsprießen. Lars will warten, bis die Friseure wieder öffnen, verrät das Plakat, und sich den Profis anvertrauen.

Drinnen sind Inhaberin Britta Garand und Friseurin Michaela Brüggemann dabei, die Haare der Kundschaft nach gut zweieinhalb Monaten Corona-bedingter Zwangspause entweder in Form zu bringen oder bei der Frisur zu retten was noch zu retten ist. Mancher hat die Geduld verloren und inzwischen selbst Hand angelegt – oder ein Familienmitglied schneiden lassen.

Die Friseur-Innung Unna wirbt mit diesem Plakat, auf den Friseur zu warten, statt selbst Hand an die Haare zu legen. © Michael Dörlemann © Michael Dörlemann

Bei vielen ist das schief gegangen, wie Brüggemann schon in den ersten Stunden am Morgen festgestellt hat. Zum Glück sei bei den meisten seit dem Selbstversuch schon einige Zeit vergangen. „Dann ist schon etwas nachgewachsen. Das macht die Reparatur leichter“, sagt sie lachend.

Bei den Tönungen offenbaren sich die größten Fehler

Bis jetzt waren auch nur die Kunden da, die sich selbst die Haare geschnitten haben. „Die Tönungen kommen erst im Lauf der Woche“, sagt Britta Garand. Sie fürchtet, dass sie dann auch den einen oder anderen misslungenen Versuch zu sehen bekommt, sich die Haare selbst zu färben.

Ilona Faralich ist glücklich, dass sie sofort einen Termin bekommen hat. © Michael Dörlemann © Michael Dörlemann

Ilona Faralich hat als Beweisstück das Gerät mitgebracht, das ihr Mann Norbert verwendet hat, um ihre Haare zumindest ein wenig zu kürzen. Sie ist froh, dass sie jetzt wieder einen richtigen Haarschnitt bekommt und sich schon sehr früh für einen Termin angemeldet hat, sodass sie gleich am ersten Tag an der Reihe ist.

Gleich nebenan sitzt Monika Kappert und hat die Haare schon für die Dauerwelle aufgedreht. Sie hat eisern gewartet, bis der Friseur wider aufmacht. „Ich habe keinen an die Haare gelassen, auch wenn es zum Schluss schon etwas blöd ausgesehen hat“, verrät sie.

Im Gegensatz zu ihrem Mann, der sich schon selbst bei sich als Friseur versucht hat – offenbar nicht ganz so erfolgreich. „Das war der Reparaturfall, der heute Morgen schon da war“, sagt sie lachend.

Christa Neumann ist sogar schon dabei, zu bezahlen. Die Frisur sitzt und es ist ihr anzusehen, wie glücklich sie ist, dass die Haare geschnitten sind und sie wieder richtig frisiert ist – trotz der Maske, die sie wie alle anderen im Salon trägt. „Ich fühle mich zehn Jahre jünger“, sagt sie und freut sich noch einmal, dass sie gleich am ersten Tag einen Termin ergattern konnte.

Freie Friseurtermine gibt es in den nächsten Tagen nicht mehr

Mittlerweile dauert es einige Zeit, bis wieder ein Termin frei ist. Britta Garand muss zwischendurch immer wieder zum Telefon und Kunden auf einen späteren Termin vertrösten. Mittlerweile ist sie schon beim 19. März angekommen.

Vorher geht nichts mehr, obwohl sie ihren Salon in den ersten beiden Wochen auch montags öffnet. „Das ist ja fast so, wie einen Termin beim Facharzt zu bekommen“, staunt eine Kundin.

Ununterbrochen rufen Kunden an, die einen Termin möchten. Die nächsten freien gibt es erst in knapp drei Wochen. © Michael Dörlemann © Michael Dörlemann

Bei den Terminen sieht die Inhaberin des Salons auch schon etwas mehr Zeit vor als sonst. Es sei einfach mehr Arbeit, die Harre nach so einer langen Zeit wieder in Form zu bringen, sagt sie. „Außerdem muss ich mehr Pausen einplanen, damit wir auch mal die Maske abnehmen können.“

Und die Friseurmeisterin selbst benötigt auch einen Friseurtermin, wie sie sagt. Sie hatte zwar während des Lockdowns auch zuhause zur Schere gegriffen. Aber mehr als den Pony und die Haare ums Gesicht herum schneiden ging bei ihr auch nicht. „Hinten konnte ich mir die Haare genau so wenig selbst schneiden wie alle anderen“, erklärt sie.

Sie hat nur einen Vorteil gegenüber ihren Kunden: Bei ihr kann eine ihrer Angestellten jetzt die Haare machen – zur Not nach Feierabend, wenn der Salon schon geschlossen ist.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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