Olaf Füllner (M.) und seine Nachbarn haben Angst um ihre Kinder. Der Buchweizenkamp ist zwar als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen. Viele Autofahrer sind trotzdem zu schnell unterwegs. © Marcel Drawe
Buchweizenkamp

Mit Video: Bergkamener fürchtet auf Spielstraße um seine Kinder

Eigentlich könnte der Buchweizenkamp ein Paradies für Kinder sein. Er ist „Spielstraße“, in der Autos nur Schritttempo fahren dürfen. Die Realität sieht jedoch anders aus, kritisiert ein Vater.

Das Problem auf dem Buchweizenkamp offenbart sich auf den ersten Blick: Zwar steht an den Einfahrten zur Straße an der Erich-Ollenhauer-Straße und an der Jahnstraße ein Schild „verkehrsberuhigter Bereich“ – von den meisten als „Spielstraße“ bezeichnet. Wer das Schild übersieht, merkt aber nicht unbedingt, dass er sich in einem Bereich befindet, in dem Autos, Fahrradfahrer, Fußgänger und spielende Kinder gleichberechtigt sind. Autos sollen deshalb eigentlich nur Schritttempo fahren.

Der Buchweizenkamp besteht jedoch aus Pflasterstreifen links und rechts, die durch die Regenrinne von der asphaltierten Fahrbahn in der Mitte abgetrennt sind. Das wirkt eher wie eine Straße mit Gehwegen. „Viele Autofahrer meinen, dass es sich um eine Tempo-30-Zone handelt“, sagt Anwohner Olaf Füllner, „und so fahren sie auch.“

Fast kein Autofahrer hält sich an die Schrittgeschwindigkeit

Kaum jemand halte sich an die Schrittgeschwindigkeit, die Autofahrer eigentlich in der verkehrsberuhigten Straße einhalten müsse. Wenn er jemanden darauf anspreche, ernte er oft nur Kopfschütteln, schildert der Bergkamener. In den vergangenen Wochen war es besonders schlimm. Die Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) hatten am Kreisverkehr Jahnstraße/Erich-Ollenhauer-Straße wegen Bauarbeiten an einer Erdgasleitung den Abzweig Richtung Heil gesperrt. Viele Autofahrer hätten den Buchweizenkamp als Abkürzung genutzt, berichtet er.

Klara und Meja haben mit Kreide in großen Buchstaben “Spielstraße!” auf den Asphalt geschrieben, um Autofahrer auf die spielenden Kinder aufmerksam zu machen. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Jetzt ist der Abzweig wieder frei und zumindest der Verkehr hat nachgelassen. Diejenigen, die immer noch durch die Straße fahren, sind aber immer noch oft zu schnell unterwegs. „Besonders die Paketfahrer fahren oft schnell“, sagt Füllners Nachbar Alexandros Alexiou.

Für viele in der Siedlung ist das ein Problem, denn hier leben viele Familien mit kleineren Kindern. Auch Olaf Füllner macht sich Sorgen um seine Kinder Klara (10) Und Jakob (3). Viele Anwohner haben deshalb schon auf ihren Grundstücken Schilder aufgestellt, die auf die spielenden Kinder aufmerksam machen.

Anwohner macht auf die Vorschriften aufmerksam

Das nützt jedoch nicht viel. Füllner hat sich deshalb vor einigen Tagen in einer Bergkamener Facebook-Gruppe an die Öffentlichkeit gewandt, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Seiner Meinung nach ist die Straße wegen ihrer Gestaltung nur unzureichend als verkehrsberuhigter Bereich zu erkennen – und die Beschilderung am Anfang der Straße werde zu leicht übersehen.

Die Gestaltung der Straße legt nach Füllners Ansicht nahe, dass es sich um eine Tempo-30-Zone handelt. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Die „Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung“ (VwV-StVO) gibt ihm recht: In den Bestimmungen zum Verkehrszeichen „Verkehrsberuhigter Bereich“ ist klar geregelt, dass Straßen, die so ausgewiesen werden, „durch ihre besondere Gestaltung den Eindruck vermitteln (müssen), dass die Aufenthaltsfunktion überwiegt und der Fahrzeugverkehr eine untergeordnete Bedeutung hat“. Der asphaltierte Mittelteil der Straße erwecke jedoch einen anderen Eindruck, meint Füllner.

Er kritisiert außerdem, dass die Schilder an den beiden Zufahrten zum Buchweizenkamp zu leicht übersehen werden. Auch dabei regelt die VwV-StVO, dass die Schilder gut wahrgenommen werden müssen. Notfalls sei ein zweites Schild aufzustellen.

Viele Anwohner haben schon selbst Schilder im Vorgarten angebracht, um den Autoverkehr zu bremsen. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Mittlerweile hat neben den politischen Parteien auch die Straßenverkehrsbehörde der Stadt reagiert. Sie habe sich die Situation vor Ort angeschaut und befunden, dass alles in Ordnung ist, berichtet der 45-Jährige. Das findet Füllner nicht: Er fordert, Einbauten in die Straße, die Autos ausbremsen und besser sichtbare Schilder. „Mir reicht es langsam, muss denn erst Schlimmeres passieren?“, meint er in seinem Facebook-Eintrag.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann
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