Grundschüler verabschieden beliebten Hausmeister mit Klatsch-Chören und La Ola

dzJahnschule

Eine große Abschiedsfeier erlaubte Corona nicht; ein Ständchen auf dem Schulhof auch nicht. Doch laut sein, das durften die Jahnschulkinder - und schickten Jürgen Burghardt so in die Rente.

Bergkamen

, 18.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er war ein Hausmeister wie aus dem Bilderbuch, und selbst die Geschichte im Lesebuch über Kaugummi auf dem Schulhof war Jürgen Burghardt auf den Leib geschrieben, bis auf eine Stelle: „Gebrüllt hat Herr Burghardt nie“, stellten Kinder und Lehrerkollegium bei der Abschiedsfeier fest, auf der die Geschichte vorgelesen wurde.

In Corona-Zeiten heißt es Abschied auf Abstand

Die Abschiedsfeier fiel Corona-bedingt anders aus als in früheren Zeiten, aber sie war nicht minder herzlich. Im Gegenteil: Wo Umarmungen tabu waren, mussten Worte gefunden werden - und so war Jürgen Burkhardt oftmals sichtlich gerührt über das, was ihm entgegengebracht wurde. „Ich bin sowieso nah am Wasser gebaut“, gab er zu, das lachende und das weinende Auge nicht nur im übertragenen Sinne zu haben. Singen durften die Schülerinnen und Schüler nicht, eine große Feier auf dem Schulhof ging auch nicht wirklich, aber laut durften die Kinder dort sein: So wurde mit Abstand eifrig geklatscht und getrampelt - und La Ola gab es am Ende auch.

Jetzt lesen

Seit vier Jahren an der Jahnschule

In der derzeit zum Lehrerzimmer umfunktionierten Aula der Schule plauderte Jürgen Burghard dann im Kollegenkreis ein wenig aus seinem Leben: Im Jahr 1978 hatte er bei der Stadt angefangen und war 1983 Hausmeister geworden. Am Schulzentrum im Sundern mit Albert-Schweitzer-und Aliso-Schule wurde er zu einer Institution, doch als der Schulstandort aufgegeben wurde, kam er 2016 an die Jahnschule.

Sofort fühlte er sich heimisch - und bei der Arbeit mit den Kindern hier wie dort ging ihm das Herz auf: „Das machte richtig Spaß, das war eine richtig schöne Zeit. Das war echt Spitze - und hier an der Jahnschule, mit diesen Kollegen, das war schon eine super Truppe, wie wir Schalker sagen“, brachte er augenzwinkernd seinen Fußballfaible zur Sprache und schob nach: „Es war schon eine große Ehre, Teil dieses Kollegiums sein zu dürfen.“

Jetzt lesen

Lehrern wie Kindern ans Herz gewachsen

Und nicht nur die Kinder, deren Schätze er aus Lichtschächten holte oder deren Fahrräder er reparierte, auch die Lehrer hatten ihren Hausmeister ins Herz geschlossen: „Soviel Wertschätzung, wie er den Kindern entgegenbrachte, nie ein böses Wort. Alleinfalls ein ‚Ach Kinder‘: Das war schon bemerkenswert“, lobte Schulleiterin Susanne Fahrner.

Pläne für die Zukunft hat der 62-jährige Altersteilzeitler große: Zunächst möchte er Zeit mit Familie und Enkeln verbringen, dann will er sich einen alten Krabbenkutter kaufen. Das Wohnmobil, mit dem er bislang vom Nordcap bis nach Portugal reiste, wird dann wohl ausgedient haben.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Turmarkaden-Areal
Eigentümer des Kaufland-Hauses will neuen Supermarkt in Bergkamen verhindern
Hellweger Anzeiger Coronavirus in Bergkamen
Leise Hoffnung in der Corona-Pandemie – Infektionszahlen auf etwas niedrigerem Niveau
Hellweger Anzeiger Innenstadtentwicklung
Turmarkaden-Investoren suchen nach neuen Ärzten für ihr geplantes Ärztehaus