Das Kraftwerk Heil in Bergkamen gehört zu den Kraftwerken im Kreis, die im Rahmen des Ausstiegs aus der Kohleverstromung stillgelegt werden. © Marcel Drawe
Kreistag

Ersatz für Kraftwerke in Bönen und Schwerte – aber nicht in Bergkamen, Lünen und Werne

Der Kreistag schlägt zwei Projekte für Fördermittel vor, die den vom Kohle-Ausstieg betroffenen Regionen helfen sollen. Aus den Städten Bergkamen, Lünen und Werne, in denen Kraftwerke stillgelegt werden, ist keines.

Der Kreistag in Unna hat zugestimmt, zwei Projekte beim Strukturstärkungsrat für eine Förderung vorzuschlagen. Sie sollen dabei helfen, die Folgen der Stilllegung von Kohlekraftwerken im Kreis zu mildern. Der Beschluss war bei zumindest einem Projekt einstimmig – auch wenn keiner der beiden Vorschläge aus den drei Städten kommt, die von den Stilllegungen direkt betroffen sind: Bergkamen, Lünen und Werne, wo Kraftwerke stillgelegt werden sollen oder schon vom Netz sind.

Bio-Economy-Campus in Bönen, Kunststoffprojekt in Schwerte

Bei den beiden Projekten handelt es sich um das Projekt „Plastic for Planet“ in Schwerte, für das es Gegenstimmen von den Grünen gab, und den „Bio-Economy-Campus Unna/Hamm“ in Bönen. Bei „Plastic for Planet“ geht es um Kunststoffrecycling, aber auch um Umgang mit Mikroplastik und den Ersatz von Erdöl bei der Kunststoffproduktion.

Bei dem Projekt in Schwerte geht es auch um den Umgang mit Mikroplastik, wie es in Kosmetika verwendet wird. © picture alliance / Stefan Sauer/ © picture alliance / Stefan Sauer/

Der Bio-Economy-Campus soll an das schon bestehende Kompetenzzentrum Bio-Security in Bönen andocken. Dabei geht es unter anderem um Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit. Kooperationspartner ist dabei unter anderem die Hochschule Hamm-Lippstadt.

Es sei ausdrücklich geprüft worden, ob sich eines dieser beiden Projekte auch in einer der vom Kohleausstieg direkt betroffenen Städte ansiedeln lasse, sagte Kreis-Dezernent Ludwig Holzbeck. Für Bönen war das schon seit 2006 bestehende Kompetenzzentrum Bio-Security ausschlaggebend gewesen. Der Kreis verspricht sich von dem Campus, dass sich in der Umgebung Firmen aus dem Bereich ansiedeln.

In Schwerte sind die Flächen für das Projekt bereits vorhanden. Dabei sollen Industriebrachen genutzt werden. „Außerdem hat die Stadt Schwerte schon eine finanzielle Beteiligung zugesagt“, sagte Holzbeck.

Kreistag appelliert, schnell eigene Projekte zu entwickeln

Der Kreistag richtete einen Appell an die direkt betroffenen Städte, sich mit eigenen Projekten zu beeilen. Das Geld aus dem Fördertopf wird nach dem „Windhundprinzip“ verteilt. Das heißt: Wer als erster förderfähige Projekte hat, bekommt Geld. „Einen reservierten Anteil für den Kreis Unna gibt es nicht“, erklärte Holzbeck. Das sogenannte „Fünf-Standorte-Programm“ mit einer Gesamtfördersumme von 662 Millionen Euro betrifft Duisburg, Gelsenkirchen, Hamm, Herne und den Kreis Unna. Dort gibt es Steinkohlekraftwerke, die im Rahmen des Ausstiegs aus der Kohleverstromung stilgelegt werden.

Lünen hat vier Projekte in Vorbereitung

Der Streit über das Tempo bei den Projekten ist zumindest in Bergkamen schon entbrannt. Die CDU warf der Stadt in der jüngsten Ratssitzung vor, sich zu mit den Projektvorschlägen zu viel Zeit zu lassen. Die Fördermittel sollen zwar bis 2041 fließen. Die erste und größte Tranche wird aber bis 2026 vergeben.

Wasserstofferzeugung ist ein Projekt, bei dem Lünen und Bergkamen einsteigen wollen. © dpa © dpa

Am weitesten mit der Entwicklung solcher Projekte scheint Lünen zu sein. Wie Dr. Benedikt Spangardt, der Sprecher der Stadt Lünen mitteilte, ist die städtische Wirtschaftsförderung dabei, vier Projekte zu entwickeln, die sich gegenseitig ergänzen.

Bei einem Projekt geht es um Wasserstoff und darum, im Nordkreis Standorte dafür zu schaffen. Beim zweiten Projekt geht es um die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften für die Energiewende. Das dritte Projekt will die Region zum Standort für Zukunftsbranchen machen, zum Beispiel für Kreislaufwirtschaft, Gesundheitswesen, Regenerative Energien und Künstliche Intelligenz. Beim vierten Projekt geht es um die Vernetzung von Unternehmen aus diesen Bereich untereinander.

Die Fassadenansicht der Surfwelt, die mit nachhaltigen Materialen gestaltet werden soll.
Die Fassadenansicht der Surfwelt, die mit nachhaltigen Materialen gestaltet werden soll. © SW GmbH & CO. KG © SW GmbH & CO. KG

Werne hat zumindest bei einem Projekt schon klare Vorstellungen: Die Stadt will die Wellen-Surfanlage „Science Wave Surf World“ förderreif machen, wie Bürgermeister Lothar Christ (parteilos) sagte. Die Anlage, die auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Werne geplant ist, soll wissenschaftliche Wellenforschung mit Freizeit-Surfen vereinen. Werne habe noch zwei weitere Projekte in Vorbereitung. teilte Christ mit. Die seien aber noch nicht öffentlich.

Bergkamen ist noch bei der Potenzialanalyse

Bergkamen ist noch dabei, eine umfangreiche Potenzialanalyse durchzuführen, wie Bürgermeister Bernd Schäfer auf Anfrage sagte. Trotzdem deuten sich schon allein wegen des Mangels an Gewerbeflächen zwei mögliche Projektschwerpunkte an. Ein Projekt könnte eine Wasserstoffproduktion auf dem Gelände des Kraftwerks Heil sein. Die Stadt hat darüber erste Gespräche mit Kraftwerksbetreiber Steag geführt.

Das Problem ist, dass die Steag noch keinen Markt für Wasserstoff sieht.

Dabei könnte neben der VKU und anderen Verkehrsbetrieben mit ihren Bussen auch der zweite mögliche Projektschwerpunkt in Bergkamen ins Spiel kommen.

Denkbar wäre, dass der Chemiepark Bergkamen mit Bayer mit Wasserstoff statt Gas als Energieträger versorgt wird.

Bergkamen hofft, das Bayer-Nordgelände (links oben) für Gewerbe- und Industrieansiedlungen aktivieren zu können. © Stefan Milk © Stefan Milk

Ein zweites Projekt soll in Zusammenhang mit der Laborfläche entstehen, die in der Nähe des Chemieparks schon seit Jahren ausgewiesen, aber nie genutzt worden ist. Die Stadt hofft, auf diesem Wege auch das riesige Bayer-Nordgelände für die Ansiedlung von Arbeitsplätzen aktivieren zu können, das seit Jahrzehnten brach liegt.

Die Förderung für die beiden Projekte, die der Kreistag auf den Weg gebracht hat, ist damit übrigens noch nicht beschlossene Sache. Sie müssen einen komplizierten Prüfungsprozess bei verschiedenen Gremien durchlaufen, die noch Nachbesserungen verlangen können. Der Prozess dauert nach Holzbecks Schätzung mindestens ein Jahr.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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Michael Dörlemann
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