Der Angeklagte neben seinen Verteidigern und Italienisch-Dolmetscher Lamberto Canal (rechts). © Martin von Braunschweig
Landgericht Dortmund

Betrug mit tonnenweise Fleisch: Bergkamener Großhändler kündigt Geständnis an

Ein Gastro-Großhändler aus Bergkamen soll große Mengen Lebensmittel bestellt und unter der Hand weiterverkauft haben. Die Richter, die nun über seine Zukunft entscheiden, kennen den Fall.

Die Dortmunder Staatsanwaltschaft wirft dem 44-jährigen Italiener Betrug in fast 50 Fällen vor. Zusammen mit einem Komplizen soll er Anfang 2015 viele Tonnen Fleisch, Saucen, Fett und Gewürze bestellt und nach der Anlieferung einfach unter der Hand weiterverkauft haben. Der Schaden beträgt fast 700.000 Euro.

Der mutmaßliche Komplize des Angeklagten saß bereits im Sommer 2020 auf der Anklagebank. Die gleichen Richter, die jetzt über den 44-Jährigen urteilen, haben am Ende auch ihn bestraft. Viereinhalb Jahre Haft hielten sie für angemessen und erforderlich. Auch wegen der vielen Vorstrafen des Mannes.

Mittäter schon verurteilt

Staatsanwalt Ludger Klink brauchte lange, ehe er am Freitag jeden einzelnen Anklagepunkt verlesen hatte. Neben den Lebensmitteln soll der 44-jährige Italiener auch einen 5er-BMW unterschlagen und eine Computeranlage von Dell einfach so weiterverkauft haben. Selbst zwei Gabelstapler, die ihnen aus Dortmund geliefert worden waren und eigentlich geleast werden sollten, verschwanden vom Firmenhof der Bergkamener XL Gastro GmbH auf Nimmerwiedersehen.

Während der mutmaßliche Komplize in seinem Prozess zunächst noch glaubte, dass die Richter ihm ohnehin nichts nachweisen würden, will der Italiener wohl sofort Nägel mit Köpfen machen. Anders als sein Freund kündigte der Angeklagte bereits am Freitag ein umfassendes Geständnis an. Das teilten die beiden Verteidiger Michael Liedtke und Gennaro Festa den Richtern mit.

Schaden: rund 700.000 Euro

Der 44-Jährige war erst zu Beginn der Betrugsserie von dem Firmengründer und langjährigen Geschäftsführer als Chef der XL Gastro eingesetzt worden. Offenbar geschah auch dies schon mit Kalkül. Laut Anklage hatte der Unternehmer längst eingesehen, dass seine Firma vor die Hunde gehen würde. Da habe er kurz vor Schluss noch einmal richtig in die Vollen gehen und wenigstens für sich selbst viel Geld abgreifen wollen.

Während die Lieferanten nämlich zunächst stillhielten, dann aber irgendwann immer dringlicher auf die Bezahlung ihrer Rechnungen pochten, soll der Firmengründer immer nur mit dem Finger auf den Italiener gezeigt und gesagt haben: „Ich habe damit nichts zu tun. Wendet euch an ihn. Er ist jetzt der Geschäftsführer.“

Der Italiener spricht indes kein Wort Deutsch und soll sich dann auch bald in seine Heimat abgesetzt haben, wo er erst vor einigen Monaten ausfindig gemacht wurde. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

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