Dafür, dass die vier Bürgermeister-Kandidaten für Bergkamen politische Konkurrenten sind, verlief der Live-Talk ungewöhnlich harmonisch. Ein paar Punkte gab es aber doch, über die die Bewerber stritten.

Bergkamen

, 08.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ohne die L 821n hätte es beim Live-Talk der vier Bergkamener Bürgermeister-Kandidaten gar keine richtige Kontroverse gegeben. Wobei die Positionen zu der Umgehungsstraße ja schon vorher klar waren. Thomas Grziwotz von den Grünen und Werner Engelhardt von BergAUF würden als Bürgermeister versuchen, den Bau der Umgehungsstraße zu stoppen – auch wenn die Macht des neu gewählten Stadtoberhauptes dafür vermutlich nicht ausreicht. Thomas Heinzel (CDU) schreibt sich die Straße als Erfolg auf die Fahne und Bernd Schäfer (SPD) will sie weiterbauen – auch wenn er weiß, dass sie in seiner Fraktion genauso umstritten ist wie im Rest von Bergkamen.

Video
Livetalk mit den Bürgermeisterkandidaten für Bergkamen

Ansonsten bekamen sich die vier Bewerber kaum in die Haare. Sie diskutierten sachlich miteinander, teilweise sogar so friedfertig, dass die Zuschauer nicht wirklich den Eindruck bekamen, hier träfen vier politische Konkurrenten aus unterschiedlichen politischen Lagern aufeinander. Vielleicht liegt das daran, dass sich die vier schon ziemlich lange in der Bergkamener Kommunalpolitik tummeln und entsprechend gut kennen.

Bernd Schäfer (SPD)

Bernd Schäfer (SPD) © Udo Hennes

Das ein oder andere Ritual kennt man aus dem Stadtrat

So gab es auch in der Kandidatendebatte das ein oder andere Ritual, das man schon aus vielen Ratssitzungen kennt. Zum Beispiel stellte BergAUF-Mann Engelhardt, der sich selbst als Sozialist bezeichnet, wohlklingende Forderungen auf und antwortete auf die Frage, wie er die denn finanzieren wolle: Geld sei genug da, man müsse es nur anders verteilen. Über die komplizierte Finanzverfassung zwischen Bund, Länder und Kommunen wird zwar nicht im Bergkamener Rathaus entschieden, doch das spielt bei dieser Argumentation keine Rolle.

Thomas Heinzel (CDU)

Thomas Heinzel (CDU) © Udo Hennes

Ansonsten streben die vier Kandidaten in vielen Punkten gleiche oder ähnliche Ziele an – sagen sie zumindest. Sie wollen das Klima schützen und den Rad- und den öffentlichen Personennahverkehr stärken. Dafür dürfe die Stadt auch ruhig etwas mehr Geld ausgeben als bisher, meinte Schäfer. Der als Radfahrer bekannte Heinzel, forderte bessere Beläge für die Alltagsradwege. Grziwotz will auch die Fußgänger nicht vergessen und die Ergebnisse aus dem Fußverkehrscheck umsetzen.

Die Kandidaten wollen seniorengerechte Wohnungen fördern

Zudem wollen die Bürgermeister-Bewerber, dass die Bergkamener in bezahlbaren Wohnungen wohnen und die Stadt die steigende Nachfrage nach seniorengerechten Wohnungen berücksichtigt.

Thomas Grziwotz (Bündnis 90/Grüne)

Thomas Grziwotz (Bündnis 90/Grüne) © Udo Hennes

Schäfer will dafür mit der kommunalen Wohnungsgesellschaft UKBS sowie mit Baugenossenschaften kooperieren. Heinzel will Härte gegen Investoren zeigen, die erst ambitionierte Pläne präsentieren und dann doch Einfamilienhäuser bauen, weil die sich besser vermarkten lassen. Grziwotz will nicht alles dem Markt überlassen und den Sozialen Wohnungsbau stärken. Die Stadt könne in Bebauungsplänen festlegen, wo Mietwohnungen errichtet werden müssen.

Hohe Abwassergebühren in Bergkamen

Zum Wohnen gehören die Nebenkosten. In Bergkamen sind vor allem die Abwassergebühren sehr hoch. Laut Engelhardt liegt das daran, dass sie Stadt zu nachgiebig mit der RAG ist, deren Bergbau die Kanalschäden verursacht habe.

Werner Engelhardt (BergAUF)

Werner Engelhardt (BergAUF) © Udo Hennes

Heinzel will den so genannten kalkulatorischen Zins des Stadtbetriebes Entwässerung senken, damit der nicht so viel Geld in den allgemeinen Haushalt abführen muss. Die CDU mache aber keine Vorschläge, wie sie dann die fehlenden Einnahmen ausgleichen werde, konterte Schäfer. Außerdem liege Bergkamen bei anderen Abgaben, etwa der Grundsteuer, viel niedriger als andere Kommunen im Kreis.

Neue Treffpunkte für die Jugend

Ein Herz für die Jugend zeigten die Kandidaten auch. Engelhardt macht sich Sorgen, dass zu viele junge Leute Bergkamen verlassen. Heinzel forderte neue Treffpunkte für die Jugendlichen. Und zwar drinnen und draußen.

HA-Redakteur Michael Dörlemann moderierte die Runde.

HA-Redakteur Michael Dörlemann moderierte die Runde. © Udo Hennes

Dann könne es zwar zu Konflikten mit Anwohnern kommen, warnte Grziwotz, aber es sei ein guter Weg, Treffmöglichkeiten wie in der Nähe des Wellenbad-Parkplatzes zu schaffen.

Unhaltbare Versprechen wollten die Politiker der Jugend allerdings nicht machen. Weder Schäfer noch die anderen Kandidaten können sich vorstellen, dass sich der häufig geäußerte Wunsch nach einem Kino in Bergkamen realisieren lässt.

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