Die Bombe weist einen großen Riss auf und der Zünder fehlte, sie war daher nicht mehr gefährlich. © B. u. R. Ostrop
Neubau der Lippebrücke

Weltkriegs-Bombe an Lippebrücke gefunden – sie diente besonderem Zweck

Schon vor den Sanierungsarbeiten an der Lippebrücke nach Rünthe gab es den Verdacht auf Weltkriegsbomben. Nun wurde eine gefunden. Die hatte aber wohl eine ganz andere Funktion.

Bevor die aufwändigen Arbeiten zur Erneuerung der Lippebrücke zwischen Werne und Rünthe starteten, galt es, die Umgebung auf mögliche Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg zu untersuchen. Schließlich waren Brücken strategische Ziele und wurden von den Alliierten unter Beschuss genommen.

Tatsächlich hatten sich bei der Auswertung alter Luftaufnahmen und Karten Verdachtsmomente für Blindgänger im Bereich der Brückenarbeiten ergeben. Freitag fand sich tatsächlich eine Weltkriegsbombe. Allerdings war sie offenbar für einen ganz bestimmten Zweck eingesetzt, wie der bekannte Werner Heimatforscher Berthold Ostrop jetzt erfuhr.

Die Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg wird verpackt und abtransportiert.
Die Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg wird verpackt und abtransportiert. © B. u. R. Ostrop © B. u. R. Ostrop

Er war mit seiner Frau zufällig am Freitag, 8. Januar 2021, vor Ort an der Baustelle Kamener Straße. Er schildert, was er erfahren hat. „Zufällig beobachteten meine Frau und ich am Freitagnachmittag die Abbrucharbeiten des bisherigen Widerlagers auf der Rünther Seite der Lippebrücke.“

Ein Wagen des Kampfmittelbeseitigungsdienstes der Bezirksregierung in Arnsberg war direkt an der Baustelle und erregte die Aufmerksamkeit des Werner Heimatexperten. „Man hantierte mit einem Blindgänger, der nach Auskunft eines Herrn Brümmer der genannten Dienststelle wohl eine amerikanische 5-Zentner-Bombe sei.“

Luftbilder geben Hinweise auf Blindgänger

Soweit, so unspektakulär. Denn britische oder amerikanische 250-Kilogramm-Blindgänger werden auch heute noch im Zuge von Tiefbauarbeiten gefunden. Da den deutschen Behörden mittlerweile zahlreiche, detaillierte Luftaufnahmen der damaligen Bombardierungen vorliegen, lässt sich gezielt nach solchen nicht explodierten Bomben suchen.

Aber das aktuelle Fundstück an der Lippebrücke auf Rünther Seite war kein klassischer Blindgänger. Denn Berthold Ostrop hat am Montag, 11. Januar, noch einmal mit dem Kampfmittelexperten der Bezirksregierung, Andreas Brümmer, telefoniert und die Auskunft bekommen: Es handele sich tatsächlich um eine 5-Zentner Bombe, die allerdings keinen Zünder mehr besaß.

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst war an der Lippebrücke im Einsatz.
Der Kampfmittelbeseitigungsdienst war an der Lippebrücke im Einsatz. © B. u. R. Ostrop © B. u. R. Ostrop

Geschichtsexperte Ostrop schreibt: „Da sie direkt an dem Brückenpfeiler gefunden wurde, läge laut Kampfmittelbeseitigungsdienst die Vermutung nahe, dass die Bombe beim Rückzug der deutschen Truppen für die Sprengung der Brücke vorgesehen war, die dann aber nicht durchgeführt wurde.“

Mit anderen Worten: Die deutschen Truppen hatten vor, einen Blindgänger des Feindes zu benutzen, um ihn am Übergang der Lippe zu hindern. Doch aus irgendeinem Grund kam es nicht zur Explosion.

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Jörg Heckenkamp
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