Der Werner Marktplatz bei einem Aufmarsch der SA. Tatsächlich wählten nahezu 50 Prozent der Werner Bürger noch kurz vor der Machtübernahme von Hitler die Zentrumspartei. © Archiv von Christel Evelt
Politik

Wahlen in Werne: Zwischen NSDAP und Zentrumspartei

Die Sondierungsgespräche der Parteien auf Bundesebene laufen. Einfach ist das bei den Wahlergebnissen des vergangenen Wochenendes nicht. Aber wie wählte Werne eigentlich früher - vor fast 90 Jahren?

Springen wir einmal zurück ins Jahr 1933, kurz vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Werne gehörte damals – und noch bis ins Jahr 1975 – zum früheren Kreis Lüdinghausen. Am 5. März 1933 fanden die letzten einigermaßen freien Reichstagswahlen im Deutschen Reich statt. Hitler und seine NSDAP etablierten sich dabei als stärkste Partei mit 288 Sitzen von 647 Abgeordneten im 8. Deutschen Reichstag, eine Steigerung um ein ganzes Drittel innerhalb von nur wenigen Monaten, denn die Reichstagswahl davor war im November 1932 abgehalten worden.

Die Zentrumspartei als Vertreterin der überwiegend katholischen Bevölkerung im Kreis Lüdinghausen verzeichnete während der Weimarer Republik zunächst 74 Prozent.

Zentrumspartei lag lange an der Spitze

Im Jahre 1928 konnte sie nur noch 49 Prozent der abgegebenen Stimmen bekommen. Danach erhielt sie wieder etwas mehr, nämlich 56 Prozent bei den Wahlen zum 6. und 7. Reichstag am 31. Juli und 6. November 1932, im Gegensatz zum übrigen Reichsgebiet. Bei der letzten freien Wahl am 5. März 1933 sank sie auf einen neuen Tiefpunkt von 45 Prozent ab.

Sie behielt aber trotzdem ihre insgesamt dominierende Stellung als bei weitem stärkste Partei im Landkreis Lüdinghausen. In Werne selbst, so kann man in den Unterlagen des Werner Stadtarchivs nachlesen, wählten im Jahr 1932 56,7 und im November 1932 58,9 Prozent der Bevölkerung die Zentrumspartei, bei der letzten Wahl 1933 immerhin noch 48,6 Prozent.

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands verlor im Reichsgebiet bei der Wahl zum 6. Reichstag am 31. Juli 1932 bis zur Wahl am 5. März 1933 insgesamt 13 Abgeordnete, von 133 auf 120 – im Kreisgebiet Lüdinghausen war die Tendenz die gleiche. 1919 lag die SPD in Werne noch bei 25,7 Prozent, im gesamten Kreisgebiet bei 21,9 Prozent. Danach fielen die Sozialdemokraten 1930 auf 9 Prozent zurück – bei der letzten Wahl am 5. März 1933 waren es in Werne nur noch 5,4 Prozent, die die SPD wählten, im Kreis immerhin 8,7 Prozent.

Die Kommunistische Partei Deutschlands konnte sich dagegen von 1919, als sie noch über kein nennenswertes Wählerpotential in Werne und im gesamten Landkreis Lüdinghausen verfügte, auf 14,5 Prozent und 1933 auf 13,9 Prozent in Werne steigern – im Kreis Lüdinghausen blieb es 1930 und 1933 bei ca. 13 Prozent.

NSDAP galt im Münsterland noch als Splitterpartei

Die DDP/ DSP – DVP (Deutsche Volkspartei) als liberale Parteien besaßen im Kreis Lüdinghausen bei keiner Wahl während der Weimarer Republik mehr als 5 Prozent der Wählerstimmen. Die DNVP (Deutsch-Nationale Volkspartei) konnte in einigen Orten des Kreises Lüdinghausen erhebliche Gewinne verzeichnen und lag dort bei ca. 11 Prozent.

Die NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) galt im Münsterland bei den Reichstags- und Landtagswahlen 1928 noch als Splitterpartei. Erst bei der Reichstagswahl 1930 gelang ihr mit 5 Prozent eine Steigerung, die aber mit den Erfolgen der NSDAP im gesamten Reichsgebiet, als sie von 12 auf 107 Abgeordnete im 5. Reichstag hochschnellte, bei weitem nicht mithielt.

Im Jahre 1932 stiegen die Stimmanteile im Kreis Lüdinghausen auf 14 Prozent an, sanken aber 1932 auf 11 Prozent wieder ab. Erst bei der Ausnahmewahl, der letzten Wahl mit mehreren Parteien, am 5. März 1933 errang die NSDAP im Kreisgebiet 25 Prozent und stieg damit zur zweitstärksten Partei auf. In Werne errang sie 1932 9,9 Prozent und 12,2 Prozent der Stimmen und am 5. März 1933 bekam sie 25,3 Prozent, lag damit also im Kreisdurchschnitt, aber erheblich unter dem Ergebnis im gesamten Reichsgebiet, als die NSDAP unter Hitler fast 44 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen konnte.

Man kann daran erkennen, dass im ländlich geprägten Münsterland, auch in Werne, die Zentrumspartei die weitaus meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte und damit keine Hochburg der NSDAP war, denn nahezu 50 Prozent der Wähler in Werne wählten noch kurz vor der Machtübernahme von Hitler das Zentrum.

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