Wie werden die Bewohner der Seniorenwohnanlage am Schwanenplatz geimpft? Das weiß zum jetzigen Standpunkt keiner der Beteiligten so genau. © Marcel Mund
Betreutes Wohnen

Verwirrung um Impfung von Senioren im betreuten Wohnen – Ministerium gibt Antwort

Werden Senioren im betreuten Wohnen auch durch mobile Teams geimpft? Eine Anfrage beim Gesundministerium NRW verschafft Klarheit. Ein Werner kritisiert die geplante Vorgehensweise.

In den ersten Pflegeeinrichtungen im Kreis Unna wurde bereits mit dem Impfen begonnen. In Werne soll es diese Woche losgehen. Bereits fest steht der Termin des St.-Katharina-Seniorenheimes: Am 9. Januar soll dort das Vakzin verabreicht werden.

Aber was ist mit Senioren, die ambulant gepflegt werden und etwa in einer betreuten Wohnanlage leben? Diese Frage stellt sich auch der Werner Bürger Paul Miller, dessen 92-jähriger Schwiegervater allein in einer solchen Anlage lebt.

„Mein Schwiegervater wohnt im betreuten Wohnen am Schwanenplatz. Ich schätze, dort gibt es etwa 80 Wohnungen, in denen vor allem Menschen wohnen, die 70 oder älter sind“, erzählt Paul Miller.

Er finde es problematisch, falls diese Personen anders behandelt werden als Bewohner von Pflegeheimen. Jede dieser Personen müsse dann schließlich, wenn es möglich ist, einzeln ins Impfzentrum gebracht werden, wo sie einem Risiko ausgesetzt seien. „Ich möchte niemanden anprangern, aber auf diese Situation aufmerksam machen.“

Pflegedienst selbst im Unklaren

Daniel Weigert vom Pflegedienst Constanze Jakubke, der die Anlange am Schwanenplatz betreibt, erklärt auf Nachfrage: „Wir sind selbst nicht klar im Bild Weder wir als Pflegedienst, noch die niedergelassenen Ärzte. Wir haben Anfragen von den zuständigen Behörden, dass wir die Einwilligungserklärungen unserer Bewohner und der Mitarbeiter sammeln sollen.“

Der Pflegedienst befinde sich also gerade in der Vorbereitung. Wann und wie genau es weitergeht, sei aber nicht klar. Immerhin mündliche Verabredungen mit Ärzten, die sich zum Impfen bereit erklären, wolle man treffen.

Weigert fordert, die im betreuten Wohnen lebenden Senioren nicht zu vernachlässigen: „Ich glaube die Impf-Notwendigkeit ist im betreuten Wohnen noch größer, weil die Bewohner noch selbstständiger sind. Sie gehören zur Risikogruppe, sind hochbetagt, aber wollen noch selbstständig einkaufen oder spazieren. Wenn sie sich durch fehlende Impfungen in den Wohnungen aufhalten müssen, fördert das ihre Immobilität.“

Impf-Verordnung ohne explizite Erwähnung

In der bundesweit geltenden Corona-Impfverordnung kommt betreutes Wohnen im Wortlaut nicht vor. Folgende Personengruppen (und weitere) haben mit höchster Priorität Anspruch auf Schutzimpfung:

  • Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben
  • Personen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind
  • Personen, die im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig ältere oder pflegebedürftige Menschen behandeln, betreuen oder pflegen
Am Mittwoch, 6. Januar, wurde ein zweiter Impfstoff in der Europäischen Union zugelassen: das Vakzin des US-Unternehmens Moderna.
Am Mittwoch, 6. Januar, wurde ein zweiter Impfstoff in der Europäischen Union zugelassen: das Vakzin des US-Unternehmens Moderna. © dpa © dpa

Die Menschen, die ambulant im betreuten Wohnen gepflegt werden, sind nicht explizit erwähnt. Werden diese Menschen nun behandelt wie die Bewohner von Pflegeheimen, also mit einer Impfung durch mobile Teams, oder wie Personen über 80, die zuhause leben und ins Impfzentrum müssen?

Auch beim Kreis Unna ist man zunächst überfragt, wie Pressesprecher Max Rolke erklärt. „Viele Fragen sind noch offen, auch was die anderen hochbetagten Senioren angeht, die nicht so mobil sind. Da fallen sicher einige Menschen im betreuten Wohnen drunter. Wahrscheinlich gibt es noch keine Lösung, wie dann im Endeffekt geimpft wird.“

Auf Anfrage unserer Redaktion schreibt das Gesundheitsministerium am Donnerstag, 7. Januar, dass Bewohner im betreuten Wohnen keiner gesonderten Impfpriorisierung zugeordnet sind. Sie werden dadurch priorisiert, dass sie Senioren seien. „Es ist vorgesehen, dass diese Personen nach Möglichkeit einen Termin im Impfzentrum wahrnehmen“, heißt es seitens der Landesbehörde.

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