Mindestens zwei Wochen länger als bisher geplant gilt an den Schulen in NRW Distanzunterricht. Das bereitet vor allem einem Schulleiter in Werne Sorgen. © dpa
Schulen in Corona-Krise

Verlängerung des Distanzunterrichts bereitet Schulleiter in Werne Sorgen

Der Distanzunterricht wird um mindestens zwei Wochen verlängert. Somit bleiben Schüler bis zum 14. Februar im Homeschooling. Das bereitet insbesondere an einer Schule in Werne große Sorgen.

Nach den Beratungen der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin hat das Land NRW erklärt, bei den Regeln im Bildungsbereich zu bleiben. Die damit verbundene Verlängerung des Distanzunterrichts bis mindestens zum 14. Februar haben Schulleiter in Werne mit Verständnis zur Kenntnis genommen. Aber insbesondere an einer Schule sorgt das auch für große Sorgen.

„Wir kriegen das hin. Aber niemand ist so richtig glücklich damit. Denn wir können im Distanzunterricht nicht das erreichen, was wir hier im Präsenzunterricht erreichen“, sagt Helmut Gravert. Der Schulleiter des Freiherr-vom-Stein-Berufskollegs in Werne erklärt, dass das Hauptproblem darin liegt, die Schüler auf dem digitalen Wege zu erreichen.

Nicht jeder Schüler wird im Homeschooling erreicht

Dabei spricht er nicht von fehlender Technik, sondern der Bereitschaft einiger Schüler am Distanzunterricht. „Sie beteiligen sich weniger. Diese Schüler kann man viel besser vor Ort ansprechen. Da ist auch das persönliche Verhältnis wichtig, das digital fehlt“, sagt Gravert. Dass man im Homeschooling nicht jeden Schüler erreicht, sei für die Lehrer sehr belastend.

„Das geht nicht spurlos an einem vorbei. Denn jeden Schüler zu erreichen, zu motivieren und zu fördern, ist das, was die Passion eines Pädagogen ausmacht.“ Dies sei eine zusätzliche Belastung für die Kollegen – neben der zeitlichen und arbeitsintensiven Aufgabe, die Schüler auf Distanz zu unterrichten.

Helmut Gravert hätte sich gewünscht, dass es für sein Berufskolleg, an dem viele Schüler selbstständig von daheim und in der Schule arbeiten können, eine Mischform zwischen Distanz- und Präsenzunterricht gegeben hätte. Doch nun müsse man die Entscheidung aus Düsseldorf zur Verlängerung des Distanzunterrichts hinnehmen.

„Die Zahl an Schülern, die uns dadurch verloren geht, die wir also nicht fördern können, wird größer. Unser Anspruch ist natürlich, dass wir jeden Schüler da abholen, wo er gerade steht und ihm die Chance geben, sich weiter zu qualifizieren“, erklärt Helmut Gravert.

Helmut Gravert, hier auf einem Archivbild, sorgt sich davor, dass seine Kollegen am Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg in Werne immer mehr Schüler nicht im Distanzunterricht erreichen können.
Helmut Gravert, hier auf einem Archivbild, sorgt sich davor, dass seine Kollegen am Freiherr-vom-Stein-Berufskolleg in Werne immer mehr Schüler nicht im Distanzunterricht erreichen können. © Wilco Ruhland (A) © Wilco Ruhland (A)

„Verlängerung des Distanzunterrichts war zu erwarten“

Dass der Distanzunterricht auch über den 31. Januar hinaus bestehen bleiben würde, damit hatten einige Schulleiter in Werne gerechnet. Für sie heißt es weiterhin: Homeschooling statt Präsenzunterricht für mindestens zwei weitere Wochen.

„Das war erwartbar, wenn man sich die Entwicklung der Infektionszahlen anschaut“, erklärt Hubertus Steiner, Schulleiter der Marga-Spiegel-Sekundarschule. Er wolle nun aber erst einmal auf weitere Informationen von der Landesregierung warten, bevor er weitere Schlüsse zieht. Zunächst einmal werde man weiter wie bisher im Distanzunterricht arbeiten. „Da sind wir gut aufgestellt und es läuft gut“, erzählt Steiner.

Weiterhin Distanzunterricht an der Uhlandschule in Werne

Gute Erfahrungen mit dem Distanzunterricht hat man mittlerweile auch an der Uhlandschule in Werne gemacht, berichtet Schulleiterin Eleonore Neumann. Die Kollegen würden Mittel und Wege finden, wie sie ihre Schüler im Homeschooling erreichen: per Videokonferenz, E-Mail oder Telefon. Einmal in der Woche können die Schüler zeitlich versetzt in die Schule kommen, um sich die Aufgaben abzuholen. In der Regel drucken die Eltern aber daheim die Aufgaben aus. Im Wochen-Rhythmus werden die bearbeiteten Aufgaben dann auch wieder vor Ort abgegeben, erzählt Neumann.

Die Schulleiterin wollte sich am Mittwochmorgen (20. Januar) noch nicht zu den Beschlüssen der Landesregierung äußern. „Es ist noch undurchsichtig. Deshalb warten wir erst einmal ab, was da kommt“, sagt Neumann.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek
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