Pfarrdechant Jürgen Schäfer (3. v. l.) präsentiert mit Vertretern der Gemeindeleitung (v. l. Jörg Stengl, Josef Meinke und Marianne Schäper-Mürmann) das Immobilienkonzept St. Christophorus. Das beinhaltet auch den Abriss der umstrittenen Sakristei (hinten l.). © Jörg Heckenkamp
Katholische Christophorus-Gemeinde

Umstrittene Sakristei in Werne wird abgerissen und eine Kirche fällt weg

Der Christophorus-Gemeinde Werne stehen große Änderungen bevor. Zwei markante Immobilien werden wegfallen: einerseits die umstrittene Sakristei der St.-Christophorus-Kirche. Aber auch ein Kirchenbau.

Raketen-Silo oder Pershing-2-Rakete: In der Vergangenheit gab es viel Spott für die Sakristei der St.-Christophorus-Kirche. Schon lange ist vielen Bürgerinnen und Bürger das markante Gebäude auf dem Kirchhof ein Dorn im Auge. Nun soll es abgerissen werden.

Das kündigten Vertreter aus Kirchenvorstand und Pfarreirat gemeinsam mit Pfarrdechant Jürgen Schäfer in einem Gespräch am Freitagmittag (8. Oktober) an. Demnach soll die Sakristei dem Erdboden gleich gemacht werden. An ihre Stelle soll eine neue kommen. Voraussichtlich in den kommenden zwei Jahren sollen Abriss und dann der Neubau erfolgen.

Katholische Gemeinde schrumpft jährlich um 180 Mitglieder

Doch das ist nicht die einzige Veränderung im Immobilien-Bestand der katholischen Gemeinde, die derzeit noch rund 14.000 Gläubige umfasst. Tendenz schon seit Jahren: fallend. Um jährlich etwa 180 Personen schrumpft die Gemeinde. Das hat Auswirkungen auf den Gebäude-Bestand sowie die Nutzung von kirchlichen Räumen.

Zwei Maßnahmen stechen dabei besonders hervor. Da ist zum einem der Abriss und Neubau der ungeliebten Christophorus-Sakristei. „Wir haben die Genehmigung zum Rückbau“, sagt Pfarrdechant Jürgen Schäfer. Nun sei man dabei, Pläne zu schmieden, wie ein Ersatzbau aussehen könnte, der sich gut an die bestehende historische Kirche anpasst. Das alles soll in den nächsten zwei Jahren passieren.

Sogenannter Sommerfrost hinterlässt Risse in der katholischen Kirche St. Johannes im Holtkamp. Langfristig soll sie abgerissen werden.
Sogenannter Sommerfrost hinterlässt Risse in der katholischen Kirche St. Johannes im Holtkamp. Langfristig soll sie abgerissen werden. © Jörg Heckenkamp (A) © Jörg Heckenkamp (A)

Auf einen längeren Zeitraum geplant ist der Wegfall einer ganzen katholischen Kirche in Werne: Die Christophorus-Gemeinde will langfristig die Kirche St. Johannes im Holtkamp aufgeben. Gründe sind einerseits die geringen Besucherzahlen. Doch vor allem macht der bauliche Zustand des Betonbaus aus den frühen 1960er-Jahren der Gemeinde Kopfzerbrechen.

Kirche St. Johannes fällt langfristig weg

„Durch sogenannten Sommerfrost gibt es Bauschäden“, sagt der Pfarrdechant. Eine Sanierung würde wahrscheinlich Millionenkosten verursachen. Das Bistum sei nicht bereit, Gelder für eine Renovierung zur Verfügung zu stellen. „Wir werden St. Johannes nicht sofort abreißen, sondern so lange weiter betreiben, wie es möglich ist“, sagt Schäfer.

Diese beiden drastischen Maßnahmen finden sich in einem 30-seitigen Immobilien-Konzept, das die Gemeinde jetzt der Öffentlichkeit vorstellte. Es zeigt weitere Schritte auf, um den Immobilienbestand an die zurückgehende Zahl der Gemeindemitglieder anzupassen. „Ein Schritt ist die Fremdnutzung zum Beispiel von Pfarrheimen“, sagt Marianne Schäper-Mürmann, Vorsitzende des Pfarreirates.

Man könne sich zum Beispiel vorstellen, das verkehrsgünstig gelegene Pfarrheim Maria Frieden, das über viele Parkplätze verfügt, zu einer Art „Konferenzzentrum“ zu machen. „Dafür müssen wir aber zunächst die technische und digitale Infrastruktur schaffen“, sagt Schäper-Mürmann. Fremdnutzung durch Kooperationspartner könne man sich zudem für das zentral gelegene Pfarrheim St. Christophorus vorstellen.

Mit derartigen Umstrukturierungen hat die Gemeinde bereits Erfahrung. „Ein gutes Beispiel dafür ist St. Konrad“, sagt Jörg Stengl vom Kirchenvorstand. Dort ist bekanntlich das Kirchenschiff zugunsten eines Neubaus der Zentralrendantur abgerissen worden, im Kirchturm ist eine Kapelle entstanden.

Es gibt noch weitere Pläne für diesen Standort an der Stockumer Straße. So könnte kircheneigenes Gelände als Baufläche für junge Familien dienen. Außerdem ist der Neubau eines viergruppigen Kindergartens der Jugendhilfe in der Vorplanung..

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Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Jörg Heckenkamp

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