Das Kunstwerk für den neuen Werner Kreisverkehr in Werne blieb lange ein Gehimnis. © Spiller/Püschner
Glosse

Skulpturen in Werne: Stadt macht Kunst zum Staatsgeheimnis

Wernes neuer Kreisverkehr bekommt eine hübsche Skulptur: Ach Mist, jetzt ist es raus. Und das, obwohl die Stadt aus der Kunst ein Staatsgeheimnis gemacht hat. Nicht zum ersten Mal. Eine Glosse.

Vertrauliche Gespräche zwischen den „Großen und Mächtigen“, Krisengipfel, geheime Konferenzen – immer wieder dringt dabei etwas nach außen an die Öffentlichkeit, das die Teilnehmer besagter Zusammenkünfte eigentlich ganz gerne noch eine Weile für sich behalten hätten. „Das ist alles noch nicht offiziell“, heißt es dann häufig. Was den Big Playern auf der großen Bühne oftmals nicht gelingt, hat die kleine Lippestadt Werne nun erneut geschafft: Aus einer Sache ein Staatsgeheimnis zu machen, das bis zur offiziellen Verkündung tatsächlich auch geheim bleibt. Zumindest so ungefähr. Und sei es noch so unbrisant.

Video

Neue Skulptur am Kreisverkehr Münsterstraße

Donnerstag, 6. Mai 2021, 12 Uhr. Schauplatz: Cafeteria des Werner Stadthauses. Die Stadt hat zu einer Pressekonferenz geladen. Eigentlich weiß jeder, worum es geht. Dennoch soll die Sache vorerst geheim bleiben. Wernes Bürgermeister und ein Künstler präsentieren das Modell einer Stahlskulptur, die bald den Kreisverkehr im Bereich Münsterstraße/ Becklohhof/ Burgstraße zieren soll. Schon bei der Eröffnung des Kreisels im vergangenen Jahr hatte Wernes Stadtoberhaupt in einem Nebensatz erwähnt, dass hier noch etwas anderes entstehen soll. Deswegen habe man auch Stromleitungen unter dem Kreisel verlegt. Wofür genau? Geheim!

Ein wohlbehütetes, nicht ganz so geheimes Geheimnis

Am Donnerstagvormittag wird dann endlich Licht ins Dunkel gebracht. Das Kunstprojekt wird vorgestellt. Offiziell? Naja, so halbwegs. Denn für die Berichterstattung durch die Presse gibt es eine Sperrfrist. Erst um 18 Uhr darf die Sache an die Öffentlichkeit gehen. Der Grund: Die Mitglieder des Kulturausschusses, der am späten Nachmittag tagt, müssen noch grünes Licht für die Skulptur geben. Bis dahin gilt: Alles geheim!

Da spielt es auch keine Rolle, dass jeder, der wollte, schon gut zwei Wochen vorher die Verwaltungsvorlage für die Sitzung einsehen konnte – und dementsprechend ohnehin bereits wusste, dass der Kreisel eine Skulptur bekommen soll, die sich die Stadt 25.000 Euro kosten lässt. War also doch nicht ganz so geheim.

Gegen 19 Uhr – eine Stunde nach Ablauf der Sperrfrist – trudelt dann eine Mail von der Verwaltung ein: „Hiermit möchten wir Sie kurz darüber informieren, dass der Kulturausschuss in der heutigen Sondersitzung den einstimmigen Beschluss gefasst hat, die Stadtverwaltung Werne mit der Gestaltung des Kreisverkehrs Becklohhof in Form der heute im Pressetermin vorgestellten Skulptur zu beauftragen.“ Puh, nochmal Glück gehabt.

Oder war das gesamte Prozedere reines Können? Schließlich ist es keine Premiere, dass die Stadt Werne aus einem Kunstprojekt ein Staatsgeheimnis macht. Man erinnert sich: Was es mit der Stehle am Rande des Marktplatzes, auf sich hat, blieb ebenfalls lange geheim. Bis zur letzten Sekunde. Dann hob sich der Schleier des Verborgenen und es erstrahlte ein Bronzemodell der Lippestadt im Miniaturformat.

Und man könnte fast vermuten, die Stadt habe aus ihren vermeintlichen Fehlern der Vergangenheit gelernt. Denn was offensichtlich nicht so lange geheim blieb, wie eigentlich gewünscht, war die Sache mit der Surfworld. Die soll bekanntlich auf dem alten Zechengelände entstehen. Und kurz nachdem die Stadt das Projekt bei einem Pressetermin – ganz offiziell und ohne Sperrfrist – vorgestellt hatte, bekam sie in der folgenden Sitzung des Planungsausschusses einen ordentlichen Rüffel von der Politik.

Es sei doch besprochen worden, dass man die Pläne erst nach der Ausschusssitzung öffentlich machen werde, beklagte eines der Mitglieder in Richtung Verwaltung. Und weiter: „Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass jetzt noch ein Politiker etwas gegen dieses Projekt sagen würde!“ Hat auch niemand. Warum nicht? War halt nicht geheim. Kann bei einem solchen Projekt aber auch keiner verlangen. Hat schließlich nix mit Kunst zu tun.

Über den Autor
Redakteur
Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
Zur Autorenseite
Felix Püschner

Unna am Abend

Täglich um 18 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.