Eva Liss aus Werne bereitet die Corona-Pandemie als Schwangere einige Sorgen. © Privat
Corona-Virus im Kreis Unna

Schwanger im Corona-Lockdown: „Es ist kein gutes Gefühl“

Eva Liss (35) aus Werne ist in der 20. Woche schwanger und leidet an einer Vorerkrankung. Durch die Corona-Pandemie und die zweite Welle musste die Wernerin ihren Tagesablauf umstellen.

Seit Frühjahr 2020 stellt die Corona-Pandemie das öffentliche Leben auf den Kopf. Kontakte soll jede Person soweit wie möglich vermeiden, Veranstaltungen sind abgesagt. Was aber macht so eine Pandemie eigentlich mit jemandem, der ein Kind erwartet? So wie Eva Liss (35) aus Werne.

Eva Liss, gebürtig aus Rünthe, lebt mit ihrem Lebensgefährten aus Dortmund seit rund zwei Jahren in Werne. Liss ist derzeit in der 20. Schwangerschaftswoche mit ihrem zweiten Kind. Dass sie schwanger ist, weiß die 35-Jährige seit September. Damals war sie in einer Reha – denn sie leidet an einer Vorerkrankung, der sogenannten Fibromyalgie: Dabei haben die Betroffenen chronische Muskel- und Gliederschmerzen.

Vorerkrankung macht Schwangere zur Risikopatientin

Ihre Vorerkrankung macht sie zur Risikopatientin mit Blick auf die Corona-Pandemie. Schon deshalb hatte sich die Wernerin bis zum Herbst Sorgen wegen des Infektionsgeschehens gemacht. Durch die hinzugekommene Schwangerschaft, „da macht man sich noch mehr Gedanken“, sagt die 35-Jährige. „Da gibt es ein Problem mit der Transparenz von Informationen. Studien konnten nicht belegen, was da passiert“, sagt die 35-Jährige. „Das sind Sachen, da muss man nicht nur sich selbst, sondern auch das Ungeborene schützen.“

Schon während der ersten Coronawelle im Frühjahr 2020 hatte Eva Liss den Kontakt zu anderen Menschen massiv heruntergefahren. Damals war ihre Mutter oft für sie und ihre Familie einkaufen. Wenn diese die Einkäufe vorbeibrachte, dann nur in voller Schutzmontur, sagt Eva Liss. Die Einkäufe stellte die Mutter vor der Tür ab, gewunken wurde dann durchs Fenster. „Es ist kein gutes Gefühl.“

Über den Sommer dann mit den fallenden Infektionszahlen habe sich die Situation auch bei ihr etwas entspannt, sagt Liss. „Da hat man sich schon wieder erleichterter gefühlt, zumal die Info kam, dass der Mundschutz wirkt.“

Als die Information ankam, dass ihr Lebensgefährte Kontakt zu einem Coronainfizierten gehabt habe, da sei dann die Sorge wieder dagewesen. Aber auch dieser Angstfaktor habe dann erstmal wieder nachgelassen.

Fahrt aufgenommen habe die Situation für sie und ihre Familie erst wieder mit Bekanntwerden der Schwangerschaft im zurückliegenden Herbst. Und mit den seit Wochen wieder hohen Infektionszahlen. Hinzugekommen ist damit die Sorge, was die Situation mit der Schwangerschaft macht, erklärt die 35-Jährige. „Man bekommt da so einen Tunnelblick.“

Einkaufen um 7 Uhr morgens, Arzttermine per Telefon

Ihre Medikation hat die 35-Jährige mit ihrer Schwangerschaft eingestellt, ihre Gruppentherapie musste die Wernerin abbrechen. Körperliche Untersuchungen seien derzeit nicht möglich, so Liss. Um den Kontakt zu anderen Menschen zu vermeiden, hat Eva Liss mit dem Start der zweiten Welle ihre täglichen Routinen angepasst: Ihre Einkaufszeit hat sie auf 7 Uhr morgens vorverlegt. „Um wirklich jeglichen Kontakt zu vermeiden“, sagt die 35-Jährige.

„Ich habe das große Glück, dass ich aufgrund meiner Vorerkrankung alle zwei Wochen zur Hausärztin kann“, sagt Liss. Die Sprechstunde nimmt Eva Liss telefonisch wahr, weil sie wegen der Kontaktreduzierung auf keinen Fall in die Praxis gehen wolle. Krankschreibungen etwa hole ihre Mutter von der Ärztin ab, und werfe diese dann in den Briefkasten ihrer Tochter. Seit Wochen feiert die Familie keine Feste mehr. Geschenke hat die 35-Jährige nur noch per Post auf den Weg gegeben – wie jetzt zu Weihnachten.

Auch ihr Sohn, der 10 Jahre alt ist, achte wegen ihrer Vorerkrankung und der Schwangerschaft sehr genau auf die Coronaregeln. „Der passt auch auf, dass er sich nicht mit sämtlichen Freunden trifft“, erklärt Eva Liss. Wie sich ihre Familie verhalte, sei schon sehr nah an den Empfehlungen, die das Land NRW und das Robert-Koch-Institut (RKI) hochhielten. Und man denke zwei Mal darüber nach, was man tue, sagt Liss.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller
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