Zunächst wurden die Termine für die Zweitimpfung des Pflegedienstes Julia abgesagt. Nach einigem hin und Her kann Chef Frank Löbbert aber dann doch noch die gute Nachricht verkünden: Alle sind geimpft. © Pflegedienst Julia (Archiv)
Coronavirus in Werne

Pflegedienst aus Werne: „Das ganze Impftheater hat bestimmt 100 Stunden gekostet”

Es ist geschafft. Am Freitag bekamen auch die letzten Mitarbeiter des Pflegedienstes Julia ihre letzte Corona-Impfung. Doch beim Chef herrscht Unverständnis. Nicht nur zum Organisatorischen.

Für die ersten Mitarbeiter des Pflegedienstes Julia aus Werne, Hamm und Münster gab es am Mittwoch (14. April) die Zweitimpfungen gegen Corona. „Aber es gab bei den Impfungen am Donnerstag nochmal richtig Theater”, erzählt Chef Frank Löbbert am Donnerstagnachmittag.

Doch der Reihe nach. Anfang Februar hatte man nach wochenlanger Unklarheit endlich die befreiende Nachricht bekommen, dass die Mitarbeiter ihre erste Impfung bekommen sollen. Fast alle wurden damals mit Astrazeneca geimpft.

Termine für Zweitimpfung abgesagt

Eigentlich war schon alles in trockenen Tüchern: Am 14., 15. und 16. April sollten die Zweitimpfungen stattfinden. Dann die Nachricht vom Impfzentrum Münster, dass alle Termine für den Pflegedienst storniert wurden. Löbbert sollte für alle Mitarbeiter einzeln neue buchen.

Nach einigem Hin und Her dann neue Termine für dieselbe Zeit. „Das wird schief gehen, dass wir unsere zweite Impfung bekommen”, äußerte sich der Pflegedienstleiter im Februar skeptisch.

Am 6. April habe er auf Anfrage eine Mail vom Impfzentrum bekommen, dass man an den Terminen festhalte, obwohl unklar sei, wie es mit dem Impfstoff Astrazeneca weitergeht. „Wir sollten auf die lokale Presse achten, hieß es”, so Löbbert. Am nächsten Tag habe er versucht, das Impfzentrum telefonisch zu erreichen. „Zweieinhalb Stunden hing ich in der Warteschleife, nur um dann weggedrückt zu werden”, ärgert er sich. Also hat er eine Mail an das Impfzentrum in Münster geschrieben und gefragt, was denn nun aus den Impfterminen wird, denn: „Wir hatten ja den Dienstplan so geplant, dass, falls es den Kolleginnen schlecht geht, sie am nächsten Tag frei haben.”

Am 8. April dann die Antwort. „Dort hieß es, sollten Termine verlegt werden, würden wir informiert. Gut. Danach war ich aber trotzdem noch nicht schlauer”, so der Pflegedienst-Chef.

Einen Tag später hieß es dann: „Alle Termine bleiben bestehen.” Am 13. April dann nochmal die Bestätigung und ein Hinweis zu den verwendeten Impfstoffen. „Es sollte mit einem mRNA-Impfstoff geimpft werden. Wenn man mit Astarzeneca geimpft werden möchte, sollte man das direkt vor Ort mitteilen”, so Löbbert. Und damit begann der letzte Akt des „Impftheaters”.

Biontech oder Astrazeneca?

„Am Mittwoch (14. April) waren dann die Ersten da. Sie sollten eigentlich mit Biontech oder Moderna geimpft werden und wollten das auch. Als sie dort waren, hieß es dann aber plötzlich, sie werden doch mit Astrazeneca geimpft.” Am Ende bekamen sie dann aber doch – wie ursprünglich geplant – Biontech.

Am Donnerstag dann der umgekehrte Fall. Die Kolleginnen wollten mit Astrazeneca geimpft werden und hätten das auch so mitgeteilt. Daraufhin habe es „ein riesen Theater” gegeben. „Astrazeneca musste wohl extra noch aufgezogen werden”, so der Pflegedienstleiter genervt. Am Freitag (16. April) wurden dann auch noch die letzten Mitarbeiter des Pflegedienstes geimpft.

Löbbert: „Hat mich hundert Stunden gekostet“

Insgesamt gehe es denen, die ein zweites Mal mit Astarazeneca geimpft wurden, besser als denen, die eine Impfung mit Biontech bekommen haben. „Die hängen ein bisschen daneben, sind schlapp und der Arm tut ihnen weh. Die mit Astrazeneca geimpft wurden, denen geht es gut.”

Frank Löbbert selbst ließ sich übrigens ebenfalls mit Astrazeneca impfen. „Es gibt noch keine Studie zu den Auswirkungen, wenn mit verschiedenen Impfstoffen geimpft wird. Eine Studie wird erst im Juni veröffentlicht. Deswegen verstehe ich nicht, warum die sagen ‚Nee, das ist gut, das kann man machen'”, wundert er sich.

Doch nun sind alle 30 Mitarbeiter geimpft und die Erleichterung ist Löbbert deutlich anzumerken. „Das ganze Impftheater hat mich bestimmt hundert Stunden gekostet. Der Aufwand war wirklich heftig.”

Über die Autorin
Lesen Sie jetzt