Noch ein Beweisfoto für die Brutalitäten in der Viehsammelstelle an der Lünener Straße in Werne: Zwei Männer treten auf ein Rind ein. © Soko Tierschutz e.V.
Brutale Tierquälerei

Nach dem Tierskandal in Werne – Firma Mecke taucht ab

Im Tierskandal um brutale Tierquälereien in einer Einrichtung der Firma Mecke gehen nun erste Geschäftspartner auf Distanz, Vorwürfe verdichten sich. Die Firma taucht derweil ab.

Im Tierquälerei-Skandal um ihre Viehsammelstelle in Werne ist die Mecke GmbH um Schadensbegrenzung bemüht. Sie spricht von zwei Mitarbeitern, denen sofort nach den Vorwürfen, Tiere brutal misshandelt zu haben, gekündigt worden sei. Man wolle die Behörden „bei der vollständigen Aufklärung der Sachverhalte umfassend unterstützen“. Für die Öffentlichkeit gilt das offenbar nicht. Die Firma geht auf Tauchstation.

Die Homepage ist stillgelegt, es erscheint nur eine Online-Seite mit der bekannten Erklärung zu den Vorwürfen, aus denen auch die oben zitierten Aussagen stammen. Auch die Medien-Anwälte der Firma Mecke, die bisher, wenn auch spärlich, Auskunft gaben, halten sich geschlossen. Auf zwei Anfragen erhielten wir am Donnerstagmittag die Auskunft, dass wir „von weiteren Nachfragen Abstand“ nehmen mögen.

War die Viehsammelstelle zugelassen?

Bei unseren Anfragen an die Mecke-Anwälte handelte es sich um ein brisantes Thema. Denn in einem Exklusiven-Interview dieses Medienhauses mit Firmenchef Marko Mecke sagte er: „Die Tiersammelstelle gehört zu unserem Unternehmen und war behördlich zugelassen.“ Informationen aus dem Landwirtschaftsministerium NRW sprechen dagegen eine andere Sprache.

Ein Lebensmittel-Laster rangiert am Donnerstag, 29. Juli, rückwärts in die Einfahrt der Metzgerei Mecke an der Lippestraße.
Ein Lebensmittel-Laster rangiert am Donnerstag, 29. Juli, rückwärts in die Einfahrt der Metzgerei Mecke an der Lippestraße. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

In einem Interview mit der Redaktion sagte Dr. Sylvia Heesen, Referatsleiterin in dem Ministerium, dass der Betrieb in Werne in zweifacher Hinsicht gar keine Genehmigung hatte. Erstens gibt es grundsätzlich keine Genehmigung, um kranke Tiere an einen anderen Ort, also etwa zu einer Sammelstelle zu transportieren. Die müssen auf den Höfen bleiben, wo sie sind, dort eingeschläfert oder notgeschlachtet werden. Zweitens hat der Betrieb in Werne nur eine EU-Zulassung als Sammelstelle für Pferde, um diese von dort aus ins Ausland zu transportieren.

Zu diesem Widerspruch wollten wir von der Mecke GmbH eine Stellungnahme einholen und stellten diverse Fragen. Antwort der Anwälte: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass unsere Mandanten mit allem Nachdruck daran arbeiten, die auch für sie ungeheuerlichen Vorgänge intern aufzuklären. Wir bitten Sie, bis zum Ende dieser internen Ermittlungen von weiteren Nachfragen Abstand zu nehmen.“

Abstand nehmen ist ein gutes Stichwort. Denn genau das machen die ersten Geschäftskunden von Mecke. So etwa die Großbäckerei Kanne aus Lünen, die unter anderem zwei Filialen in Werne betreibt. In einer Kundeninfo distanziert man sich von Mecke und verurteilt die “Tierschutzverstöße aufs Äußerste“.

Der Party-Service Klimecki aus Werne, der aus einer Fleischerei hervorgegangen ist, bläst ins selbe Horn. In einer Kundeninformation unter der Überschrift „Zusammenarbeit mit der Firma Mecke“ heißt es unter anderem: „Den Umgang mit lebenden Tieren der Firma Mecke verurteilen wir aufs Äußerste! Diese Tierschutzverstöße sind nicht hinnehmbar.“ Man beende mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit mit Mecke.

Protest vor der Mecke-Metzgerei

Am Mittwochabend kam es zu einer Protestkundgebung vor dem Mecke-Ladenlokal an der Lippestraße. Mehr als ein Dutzend Demonstranten der Partei Die Linke in Werne setzten sich für das Tierwohl ein und und forderten härtere Strafen für Tierquälerei.

Rebekka Kämpfe, Direktkandidaten der Linke für die Bundestagswahl, hatte den Protest mitorganisiert. Sie sagt auf Anfrage der Redaktion: „Der Tierschutz steht seit 2002 im Grundgesetz. Aber die bestehende Gesetzgebung kommt da nicht nach. Wir fordern eine umfassende Reformierung der Tierschutz-Gesetzgebung.“

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Jörg Heckenkamp

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