Sandy Schneider bei der Reparatur eines E-Bikes in der Möllmann-Werkstatt. Manchmal müssen die Experten passen - keine Ersatzteile. © Jörg Heckenkamp
Radfahren in Werne

Mit Video: Lieferprobleme rund ums Rad: Manchmal dauert es Monate

Wer Ersatzteile oder Zubehör fürs Fahrrad benötigt, muss mitunter viel Geduld mitbringen. „Manchmal dauert die Lieferung Monate“, sagt Fahrradhändler Heinrich Möllmann. Manchmal geht gar nichts.

Die Kundin steht am Tresen des Fahrradgeschäftes Möllmann an der Burgstraße in Werne. Sie benötigt einen bestimmten Fahrradträger für die Anhängerkupplung des Autos. Inhaber Heinrich Möllmann macht ihr wenig Hoffnung auf eine schnelle Lieferung. Er schaut an diesem Tag Mitte August im Computer nach, sagt dann: „Das wird wohl die 44. Kalenderwoche werden.“ Also Anfang November. Die Kundin ärgert sich: „Hätten wir den Träger doch damals gleich mitbestellt.“

So geht es derzeit vielen Fahrradfahrern, die bestimmtes Zubehör oder Ersatzteile benötigen. „Wir waren gewohnt, dass alles immer schnell verfügbar und zu kaufen war. Das ist jetzt nicht mehr so“, sagt der 55-jährige Inhaber des Fachgeschäftes Möllmann.

Diese Kundin sucht einen Fahrradträger fürs Auto. Heinrich Möllmann muss sie vertrösten: lange Lieferzeiten.
Diese Kundin sucht einen Fahrradträger fürs Auto. Heinrich Möllmann muss sie vertrösten: lange Lieferzeiten. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Das gilt auch für Reparaturen. Ersatzteile, etwa von der bekannten Marke Shimano, sind oft nicht zu bekommen oder nur mit großer Verzögerung. Ob Teile für Schaltungen, Bremsen, ob Zahnkränze oder Ketten: Oft muss das Werkstatt-Team passen.

So käme es immer wieder mal vor, „dass wir das Fahrrad gar nicht erst zur Reparatur annehmen, wenn wir feststellen, dass wir dazu Ersatzteile benötigen, die nicht zu bekommen sind“, sagt Heinrich Möllmann. Es nütze ja nichts, wenn das Rad auseinandergenommen in der Werkstatt stehe und die Teile nicht lieferbar seien.

Arno Lißner bringt ein altes Schätzchen auf Vordermann.
Arno Lißner bringt ein altes Schätzchen auf Vordermann. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Dennoch versucht er, das Unmögliche möglich zu machen. „Wir suchen im Netz, wir telefonieren und schauen, ob wir das benötigte Teil nicht doch irgendwo her bekommen“, sagt der Experte. Manchmal klappt‘s, manchmal nicht. Manchmal könne man zudem gebrauchte Teile verwenden. „Aber wenn Sie eine neue Kette und einen Zahnkranz brauchen, machen gebrauchte Teile keinen Sinn.“

Worauf lassen sich diese Lieferprobleme zurückführen? „Das hat viel mit Corona zu tun“, sagt Möllmann. So sei beispielsweise ein Shimano-Werk in Malaysia wochenlang im Lockdown gewesen. Die Folge: eine stockende Ersatzteilversorgung. Ein Fahrradlieferant aus Vietnam muss wegen Corona schon Monate die Produktion einstellen.

Tristan Engler bereitet eine Kette auf ihren Einsatz am reparierten Rad vor.
Tristan Engler bereitet eine Kette auf ihren Einsatz am reparierten Rad vor. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Die Folge: „Wenn Sie ein bestimmtes Fahrrad möchten, etwa eine bestimmte Rahmenhöhe mit einer bestimmten Ausstattung, dann können Sie momentan Schwierigkeiten haben, das zu bekommen.“ Also nicht nur bei der Ersatzteilversorgung, sondern auch bei der Versorgung mit neuen Rädern ruckelt es gerade.

Heinrich Möllmann arbeitet also in einem Bereich, der gerade stark nachgefragt ist. Eigentlich ganz schön für einen Kaufmann. Das hält doch die Preise stabil, oder? „Naja“, sagt er, „ich muss andererseits immer wieder Leute enttäuschen.“

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