Sandy Schneider (24) mit seinem Beach-Cruiser, den er immer weiter um- und ausbaut. © Jörg Heckenkamp
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Mit Video: 24-Jähriger montiert wunderbare Fahrrad-Exoten

Viele radelnde Werner schrauben selbst an ihren Gefährten. Aber bestimmt kann sich keiner mit den Werkstatt-Künsten von Sandy Schneider messen. Der gestaltet Exoten-Räder nach eigenen Ideen.

Kette nachziehen, Plattfuß reparieren – das sind Arbeiten, die viele radelnde Werner selbst erledigen. Doch die Schrauber-Künste von Sandy Schneider rangieren in einer ganz anderen Liga. Der 24-Jährige gestaltet Räder nach seinen eigenen Ideen und Vorstellungen. Da verwandelt sich schon mal ein Zwei- in ein Dreirad.

Besuch bei Sandy Schneider auf dem Garagenhof an der Stockumer Straße. Hier, hinter einem Stahltor, hat er seine Werkstatt. Hier entstehen seine fantasievollen Fahrrad-Kreationen. Der 24-Jährige öffnet das Garagentor und schiebt seine neueste Kreation ins Tageslicht: Big Baby Beast steht in silberner Farbe auf dem grünen Rahmen geschrieben. „Die Idee zum Namen kam mir bei einem Bier“, sagt er. Wahrscheinlich waren es zwei oder mehr.

Schneider schiebt das rund 60 Kilogramm schwere Gefährt mit den auffälligen breiten Hinterreifen weiter nach vorne, nimmt Platz und dreht eine Runde über den Hof. Die Beine weit nach vorne Richtung überlanger Gabel, kommt so etwas wie Chopper-Feeling auf. Schneider lächelt beim Fahren. Beach-Cruiser „Big Baby Beast“ – das ist sein Ding.

Wann ging‘s los mit seiner Fahrrad-Leidenschaft? „Ach“, sagt der gebürtige Werner, „da war ich noch ein kleines Kind.“ Schon in jungen Jahren, Klein-Sandy war gerade sieben oder acht Jahre alt, reichte ihm das Original nicht mehr. „Damals habe ich angefangen, mein Puky-Kinderrad umzubauen.“ Aus dem 18-Zoll-Rädchen macht er ein 28 Zoll Rad, designt „in Richtung Chopper“. Was sagten die Eltern? „Die haben mich unterstützt. Ich durfte immer im Keller schrauben.“

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Sandy Schneider baut Fahrrad-Exoten

Klein-Sandy wuchs heran, ebenso wuchsen seine Fahrradprojekte. „Je älter ich wurde, des bekloppter wurde ich“, sagt er. Ja, das dürfe der Reporter gerne so schreiben, sagt er und lächelt aus seinem Vollbart. Zu seinen Spitzenzeiten besaß er 13 Räder, die alle seine Handschrift trugen.

Aktuell sind es noch acht. Für ihn, Lebensgefährtin Lisa Gassmann (28) und deren Sohn Leon (5). „Der fährt auch schon Rad“, sagt Schneider. Freundin Lisa fährt nicht nur selbst gerne Fahrrad, sondern unterstützt Sandy handfest bei seinen Projekten. „Ich schraube auch ganz gerne mal“, sagt sie.

Schneider hat Hobby zum Beruf gemacht

Schneider hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Wer so viel Spaß an Rädern hat, was wird der? Klar, Zweirad-Mechaniker. „2015 habe ich meine Lehre bei Möllmann in Werne begonnen“, sagt er. Seitdem ist er dort beschäftigt. Ein Job, der eher Berufung ist. „Wir sind dort wie eine große Familie“, stimmt er ein Loblied auf seinen Arbeitgeber an.

Ist die Schicht geschafft, geht‘s an die eigenen Räder. Aktuelles Lieblingsprojekt des verrückten Fahrrad-Freaks ist sein Beach-Cruiser. „Der wird wahrscheinlich nie endgültig fertig“, sagt er. Die Stunden, die er in diverse Umbauten investiert hat, könne er gar nicht mehr zählen. Allein der Materialpreis von Big Baby Beast „dürfte bei rund 3500 Euro liegen“.

Übrigens war das chopper-artige Dreirad noch vor rund einem Jahr auf den üblichen zwei Rädern unterwegs. Irgendwie hatte Schneider die Idee, daraus ein Dreirad zu schneidern. „Allein die Hinterachse für die zwei Räder hat 400 Euro gekostet“, sagt er. Die überbreiten Felgen in der Farbe Kupfer besorgte er aus den USA. Tatsächlich stammen viele solcher Aus- und Anbauteile von jenseits des Atlantiks.

Dem Schrauber-König kommt es auf jedes Detail an. Als der Reporter die besonderen Pedale in Rot begutachtet, erklärt Schneider: „CNC-gefräste Alu-Pedale.“ Oder er verweist auf die „zweifarbige Einspeichung der Hinterräder“. Stimmt, sieht cool aus.

„Ich brauche keinen Führerschein.“

Die Schneider/Gassmanns designen nicht nur ihre Fahrräder in besonderer Weise, sie sind auch viel mit den Gefährten unterwegs. Zumal Sandy Schneider gar keinen Führerschein hat und aufs Rad angewiesen ist. Aber das macht er gerne: „Einen Führerschein brauche ich nicht und habe auch nicht vor, ihn zu machen.“

Stattdessen unternimmt er auch weitere Fahrten mit dem Rad. „Mit dem Beach-Cruiser war ich schon in Leverkusen, oder wir sind zusammen an die Möhne gefahren.“ Irgendwann will er mit Freundin und deren Sohnemann in den Urlaub in die Niederlande radeln. „Für mich bedeutet Fahrradfahren, abschalten. Das ist wie eine Therapie für mich“, sagt er.

Deshalb steht auch auf dem Rahmen seines Lieblings-Bikes „Only For Therapy“; nur zu Therapie-Zwecken. Damit meint er nicht nur sich: „Ich will zeigen, dass Therapie-Räder für Menschen mit Einschränkungen cool aussehen können.“

Die nächsten Umbauten an seinem Beach-Cruiser sind geplant. Er will einen alten Motorrad-Scheinwerfer umgestalten und am Baby Beast verbauen. Außerdem ist es doch ganz schön anstrengend, das 60-kg-Gefährt Anstiege hochzustrampeln. Schneiders Lösung: „Ich denke gerade darüber nach, es zu elektrifizieren.“ Dem verrückten Schrauber gehen die Ideen nicht aus.

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Jörg Heckenkamp

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