Nachdem er wochenlang in Griechenland feststeckte, ist Juri Kollhoff (27) wieder zurück in Deutschland. Als Flugpate hat der Werner sechs Hunde und eine Katze mitgenommen, die über eine Tierschutzorganisation gerettet wurden. © Juri Kollhoff
Auslandsaufenthalt in Corona-Krise

Juri Kollhoff (27) aus Griechenland zurück – mit sechs Hunden und einer Katze

Nachdem er lange in Griechenland feststeckte, ist Juri Kollhoff (27) zurück in Werne. Mit im Gepäck: sechs statt drei Hunde und eine Katze. So abenteuerlich sein Trip war, war auch seine Rückreise.

Er hat es geschafft. So gerade eben. Noch auf den letzten Drücker. Juri Kollhoff ist wieder zurück in Deutschland. Der 27-Jährige aus Werne steckte wochenlang in Griechenland fest. Nun kehrte er am Freitag (20. November) wieder zurück. Mit im Gepäck hatte er sieben Tiere.

Und fast wäre er wieder länger unfreiwillig in Griechenland geblieben. Denn Juri Kollhoff hat seinen Flieger noch gerade eben erwischt. Er berichtet über eine Rückreise, die genauso abenteuerlich war wie sein gesamter Trip in Griechenland. „Es war alles sehr anstrengend und stressig. Am Ende hat dann doch alles geklappt. Aber mein Flug ging um 8.35 Uhr und um 8.33 Uhr war ich am Gate“, erzählt der Werner.

24-stündige Tortur durch Griechenland

Wie nervenaufreibend seine Rückreise war, kann man bereits mit Blick auf seine letzten Minuten in Griechenland erahnen. Da hatte Juri Kollhoff, der sein Sportstudium abgeschlossen und lange beim Werner SC Volleyball gespielt hat, bereits eine 24-stündige Tortur hinter sich. Von Thessaloniki machte sich der 27-Jährige am Donnerstag (19. November) auf den Weg nach Athen.

Die Katze hat Juri Kollhoff gleich der Familie, die er während seines Urlaubs kennengelernt hatte, überreicht.
Die Katze hat Juri Kollhoff gleich der Familie, die er während seines Urlaubs kennengelernt hatte, überreicht. © Juri Kollhoff © Juri Kollhoff

Von der Hauptstadt aus sollte sein Rückflug gehen, nachdem in Thessaloniki alle Passagierflüge seit Beginn des strengen Lockdowns Anfang November gestrichen wurden. Mit einem Mietwagen machte er sich auf die rund sechsstündige Reise. Mit im Gepäck hatte der Werner da sechs Hunde und eine Katze.

Sechs statt drei Hund mit im Gepäck

Für die Tierschutzorganisation „Zufluchtsort für in Not geratene Tiere Griechenland“ hatte Juri Kollhoff die sieben Vierbeiner aufgenommen, um sie nach Deutschland zu bringen. Eigentlich sollten es zunächst drei Hunde und eine Katze sein. Doch weil Juri Kollhoff eine Vollmacht der Tierschutzorganisation, die durch Spenden finanziert wird, bekommen hatte, durfte er drei weitere Hunde als Flugpate mit nach Deutschland nehmen.

Weil der Flieger aber in den frühen Morgenstunden ging, musste Juri Kollhoff mit den Tieren noch irgendwo übernachten. „Zur Not schlafen wir im Auto“, sagte Juri Kollhoff schon Tage zuvor. Er selbst hatte auf seiner abenteuerlichen Reise auch einige Nächte im Mietauto verbracht – trotz teilweise Minus-Graden.

Strahlende Gesichter: Juri Kollhoff hat die Katze selbst an die neuen Besitzer überreicht. Hier konnte er noch eine Nacht bleiben, ehe es für den 27-Jährigen am Samstag zurück nach Werne ging.
Strahlende Gesichter: Juri Kollhoff hat die Katze selbst an die neuen Besitzer überreicht. Hier konnte er noch eine Nacht bleiben, ehe es für den 27-Jährigen am Samstag zurück nach Werne ging. © Juri Kollhoff © Juri Kollhoff

In der letzten Nacht in Griechenland fand er jedoch wieder einmal eine private Übernachtungsmöglichkeit per Couchsurfing. Die Katze nahm er mit in die Wohnung, die Hunde blieben im Auto. „Die Hunde mit in die Wohnung im 14. Stock zu nehmen, hätte sie nur gestresst. Sie waren schon von der Fahrt richtig K.o.“, erzählt Juri Kollhoff. Und da hatten sie noch die rund 30-minütige Fahrt zum Flughafen vor sich.

„Sie haben erst einmal alles voll gepinkelt“

Am Flughafen selbst wurde es dann noch einmal hektisch für Juri Kollhoff. Den Mietwagen, den er die ganze Zeit über in Griechenland hatte, musste er noch abgeben. Weil das aber erst ab 7 Uhr ging, brachte er in der Zeit schon die sechs Hunde und die Katze zum Check-In. Neben den drei Tierboxen und der Tasche für die Katze musste Juri Kollhoff noch sein eigenes Gepäck transportieren.

Endlich geschafft! Juri Kollhoff hat sechs vernachlässigte Hunde und eine Katze mit nach Deutschland genommen.
Endlich geschafft! Juri Kollhoff hat sechs vernachlässigte Hunde und eine Katze mit nach Deutschland genommen. © Juri Kollhoff © Juri Kollhoff

„Dass ich nur zweimal gelaufen bin, war schon ein Wunder“, sagt er im Nachhinein. Dann folgte noch Bürokratie, die Flugpate Juri Kollhoff für die sieben Tiere erledigen musste. Auch das Scannen der Tierboxen gehörte dazu. Die Hunde, drei Welpen und drei jüngere Hunde, mussten aus den Transportboxen heraus. „Das hat auch gedauert, weil sie natürlich noch nicht so erzogen sind. Und sie waren sehr ängstlich. Sie haben erst einmal alles voll gepinkelt“, erzählt Juri Kollhoff und schmunzelt.

Juri Kollhoff darf keine Minute verlieren

Nachdem er den Boden sauber gemacht hatte und alle Unterlagen der Tierschutzorganisation vorgelegt und die Tiere eingecheckt hatte, musste er sich beeilen, um selbst überhaupt noch den Flug nach Frankfurt zu erwischen. Das Mietauto wurde zum Glück extra von einer Mitarbeiterin vom Gate abgeholt. Denn keine Minute durfte Juri Kollhoff verlieren. Im Sprint ging es für ihn zum Gate, das er um 8.33 Uhr und damit zwei Minuten vor dem Abflug knapp noch erreichte.

„Als ich im Flieger war, ist die ganze Anspannung abgefallen“, sagt Juri Kollhoff, der keinen Schritt dieser Reise, die ihn aufgrund der Corona-Krise länger in Griechenland festgehalten hat, bereut hat.

Ob er in Zukunft noch einmal so viele Tiere mitnehmen wird, wird er sich aber genau überlegen, sagt er, um gleich zu ergänzen: „Aber eigentlich ist man ja auch nie so weit entfernt vom Flughafen“. Und wenn er dann an die strahlenden Augen der Familienmitglieder denkt, denen er die junge Katze aus Griechenland mitgebracht hat, relativiert er seine Aussage vielleicht schon bald wieder.

Bei der Familie konnte Juri Kollhoff auch am Freitagabend nach seiner Ankunft übernachten, ehe es am Samstag dann mit dem Zug wieder in Richtung seiner Heimat Werne ging. Die sechs geretteten Hunde, die auf der Straße gelebt und wohl umgekommen wären, werden nun in Deutschland in ein sicheres und besseres Leben vermittelt.

„Das ist eine sehr, sehr wichtige Arbeit, die die Tierschutzorganisation da leistet. Die Hunde haben da keine Lebensqualität. Bevor sie nach Deutschland kommen, werden sie geimpft, gechipt und auf Krankheiten untersucht. Das ist auch mir ganz wichtig. Sonst würde ich das auch nicht unterstützen“, sagt Juri Kollhoff nach seiner abenteuerlichen Reise, die mit einem Happy End endete, „weil alles mit den Tieren geklappt hat“. Und mit ihm.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
Zur Autorenseite
Andrea Wellerdiek

Unna am Abend

Täglich um 18 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.