Arbeits- und Ausbildungsplätze soll das neue Industrie- und Gewerbegebiet in Werne schaffen. Aber wie gut hat so etwas in der Vergangenheit eigentlich funktioniert? © picture alliance / dpa
Wirtschaft

Industrie- und Gewerbegebiet: Was bedeutet das für die Finanzen und Jobs in Werne?

Das geplante Industrie- und Gewerbegebiet in Werne soll vor allem Arbeitsplätze schaffen. Wie groß könnten die Effekte wirklich sein - und welche Anforderungen stellt die Stadt an die Firmen?

Das geplante Industrie- und Gewerbegebiet nördlich der Nordlippestraße in Werne soll die Lippestadt attraktiver machen – zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Stadt hofft, durch den „Kooperationsstandort Nordlippestraße Nord“ unter anderem bestehende Arbeitsplätze zu erhalten und zusätzliche zu schaffen. In Werne bereits vorhandene Betriebe sollen durch die neuen Flächen expandieren können. Zudem sollen sich neue Unternehmen ansiedeln.

Die Nachfrage seitens der Firmen ist laut Angaben der Wirtschaftsförderung nämlich groß. Man habe im vergangenen Jahr mehr als 40 „seriöse Anfragen“ zurückweisen müssen, hieß es zuletzt. Der Grund: Es standen lediglich noch zwei Flächen zur Verfügung. Und die waren bereits reserviert.

Gewerbefläche nimmt zu – Steuerannahmen in Werne aber auch

Insgesamt gibt es in Werne aktuell 289 Hektar Gewerbefläche. Das entspricht laut Verwaltung etwas weniger als 5 Prozent der versiegelten Fläche in der Lippestadt. Allerdings, so hatte es Bürgermeister Lothar Christ kürzlich in einer Pressemitteilung erklärt, machten eben diese 5 Prozent Gewerbefläche rund 70 Prozent des städtischen Haushalts aus.

Mehr Gewerbesteuer, mehr Arbeitsplätze – damit liegen zwei wesentliche Pluspunkte eines neuen Industrie- und Gewerbegebiets auf dem Tisch. Um zu zeigen, dass es besagte wirtschaftliche Effekte tatsächlich gibt, hatte die Stadt im Zuge der Vorstellung der aktuellen Planungen die Entwicklung von Gewerbeflächen, Arbeitsplätzen und Gewerbesteuer in den vergangenen Jahren in Werne genauer unter die Lupe genommen.

Das Ergebnis: Seit 2012 hat die Stadt 42,2 Hektar Gewerbefläche in Werne vermarktet – davon allein 22 Hektar an Amazon, das an seinem Standort in Werne rund 2.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Im Jahr 2010 weist die Statistik für Werne 7645 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus. Zwei Jahre später sind es bereits 10.312 Personen. Nachdem die statistische Kurve im folgenden Jahr vorübergehend nach unten zeigt, führt ihr Weg anschließend wieder nach oben. Im Jahr 2020 sind 11.185 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsstandort Werne erfasst.

Die Arbeitslosenquote hat sich im Jahresmittelwert seit 2010 ebenfalls positiv entwickelt. Lag sie 2010 noch bei 7,5 Prozent, so waren es 2019 lediglich noch 4,7 Prozent. Der Anstieg auf 5,3 Prozent im Jahr 2020 dürfte auch pandemiebedingt sein.

Deutlich gestiegen sind in den vergangenen 10 Jahren hingegen die Gewerbesteuereinnahmen. Spülte dieser Posten im Jahr 2011 noch rund 11 Millionen Euro in die Stadtkasse, knackte man bereits 2017 die 25-Millionen-Marke – und bewegte sich 2020 gar auf 30 Millionen zu.

Betriebe müssen mindestens 30 Arbeitsplätze pro Hektar bieten

Aber wie schwer wiegt all dies nun bei der Entscheidung für ein neues Industrie- und Gewerbegebiet – und bei der Auswahl der Unternehmen, die sich dort in Zukunft ansiedeln? Wernes Bürgermeister Lothar Christ und Teile der Politik hatten jüngst immer wieder betont, es solle keine „rauchenden Schornsteine“ geben. Genauso wenig wie große Logistikbetriebe, die zwar viel Fläche für sich beanspruchen, aber nur wenige Arbeitsplätze schaffen.

Wir haben bei Bürgermeister Lotar Christ nachgefragt, wie viel Gewicht dieser Faktor tatsächlich hat – und welche Zahlen man sich diesbezüglich vorstellt. Die Antwort: „Ein Verkauf an Betriebe, die deutlich weniger als 30 Arbeitsplätze pro Hektar mit sich bringen, kommt grundsätzlich nicht in Betracht“. Je deutlicher ein Betrieb über die Marke von 30 Arbeitsplätzen pro Hektar komme, umso interessanter sei dessen Ansiedlung für die Stadt. Zum Vergleich: Im Falle von Amazon kommen auf einen Hektar 80 Arbeitsplätze.

Ausbildungsplätze als Kriterium zählen für die Stadt doppelt

Im April 2021 war bekannt geworden, dass auf dem ehemaligen Ikea-Gelände im Wahrbrink das weltweit größte Lager der Firma Wilo entstehen soll. In diesem Fall habe die Stadt Werne allerdings „weder an Wilo noch an den jetzigen Eigentümer Garbe eine Fläche verkauft und deshalb auch keinen Einfluss auf die entstehenden Arbeitsplätze. Der Verkauf ist hier von privat an privat erfolgt“, heißt es weiter.

Allerdings sei nicht nur die Zahl der Arbeitsplätze ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl von Unternehmen, sondern auch die Hochwertigkeit der Arbeitsplätze und die Anzahl an Ausbildungsplätzen. „Diese sind der Stadt Werne besonders wichtig und zählen daher doppelt“, so Wernes Bürgermeister, der mit Blick auf die Entwicklung der Beschäftigungszahlen in der Lippestadt festhält: „Ohne neue Entwicklungspotenziale ist keine Sicherung des guten Bestands an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Werne möglich.“

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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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Felix Püschner

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