Leere Flaschen, Kippen, Papier, Zigarettenschachteln liegen herum, es stinkt nach Urin. © Jörg Heckenkamp
Angst-Raum in Werne

In Werne ist ein neuer Angst-Raum entstanden – mitten in der Stadt

Bisher gab es in Werne nur einen Angst-Raum, der bei vielen beklemmende Gefühle auslöst: die Tiefgarage am Roggenmarkt. Jetzt ist ein weiterer Bedrohungs-Ort hinzugekommen.

Die verzweigte, unübersichtliche Tiefgarage am Roggenmarkt ist Wernes einziger echter Angst-Raum. Hier ist es vielen etwas unheimlich, vor allem in der dunklen Jahreszeit, oder wenn Jugendliche lautstark das Terrain für sich reklamieren. Doch seit einiger Zeit gibt es einen weiteren Ort, der Beklemmungen auslöst. Der findet sich mitten in der historischen Innenstadt.

Bei diesem neuen Angst-Raum, der sich in den vergangenen Wochen entwickelt hat, handelt es sich um die sogenannte Kroes-Passage als Übergang vom Marktplatz zur Bonenstraße. Zwei Umstände sind für den Abstieg dieser Durchgangs-Möglichkeit verantwortlich.

Grafitti sorgen ebenfalls für einen ungepflegten Eindruck.
Grafitti sorgen ebenfalls für einen ungepflegten Eindruck. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Der erste Umstand ist die Aufgabe des Herrenmoden-Geschäftes Schmersträter. Das ist nach einem großen Wasserschaden durch Rohrbruch Anfang des Jahres 2021 im Frühjahr an den jetzigen Standort am Markt gezogen. Seitdem steht das Ladenlokal leer. Niemand kümmert sich mehr richtig um das Umfeld. Die aktuell laufenden Bauarbeiten verstärken noch das negative Bild.

Zweiter Umstand: Der Rückzug von Wirt Marcus Kocha aus Wernes Traditionskneipe Fränzer‘s am anderen Ende der Passage. Die Kneipe hat kaum noch geöffnet. Üblicherweise haben die Betreiber von Geschäften oder Gastronomien in eigenem Interesse ein Auge auf die Umgebung ihrer Einrichtungen und nehmen auch schon mal selbst den Besen in die Hand. Doch das entfällt nun durch die Leerstände.

Neuer Angst-Raum in der Werner Innenstadt: die alte Kroes-Passage.
Neuer Angst-Raum in der Werner Innenstadt: die alte Kroes-Passage. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Niemand kümmert sich. Und so sieht die Passage denn auch aus. Überall Zigarettenkippen, leere Schachteln und weggeworfenes Papier. Auf der Treppe innerhalb der Passage stehen an diesem Tag drei Pappschachteln eines Imbissbetriebs. Am Fuß der Treppe eine leere Flasche und zusammengeknüllte Alu-Folie. Offensichtlich Überreste von abendlichen Gelagen.

An der einen Wand prangt ein Graffito, das übergesprüht ist – auch nicht gerade eine Visitenkarten für den Durchgang. Hinzu kommt, dass der ein oder andere Zeitgenosse in der verwinkelten Passage keine Hemmungen hat, seine Notdurft zu verrichten. Entsprechend stinkt es nach Urin.

Die Bauarbeiten im ehemaligen Mode-Geschäft verstärken den ungepflegten Eindruck.
Die Bauarbeiten im ehemaligen Mode-Geschäft verstärken den ungepflegten Eindruck. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Das alles führt dazu, dass mittlerweile erste Passanten, vor allem abends, den Durchgang meiden und lieber einen Umweg in Kauf nehmen und außen herum gehen. Die Aussichten? Ungewiss. Denn sowohl für Fränzer‘s als auch für das ehemalige Herrenmoden-Geschäft sind neue Pächter unseres Wissens nicht in Sicht.

Warum Kroes-Passage?

  • Der Name leitet sich von dem ehemaligen Herrenmoden-Geschäft Kroes ab, das früher zum heute noch existierenden Damenmoden-Geschäft Kroes gehörte.
  • Der ehemalige Mitarbeiter Christof Schmersträter hatte das Herrenmoden-Geschäft übernommen und in Herrenmoden Schmersträter umgetauft.
  • Der Name Kroes-Passage ist vielen älteren Wernern noch ein Begriff.
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Jörg Heckenkamp

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