Die Fabrik an der Bonenstraße zur Mitte der 1960er Jahre. Das Alte Steinhaus (rechts, Mitte) war in das Firmengelände integriert. © Archiv
Berühmte Werner

Hinter dem Namen eines Platzes steht eine ganze Familie

Der Moormann-Platz mit der markanten Skulptur in der Mitte ist vielen Wernern ein Begriff. Die meisten wissen auch, dass es mal eine Fabrik Moormann gab. Heute heißt die Uniferm.

Es gab eine Zeit, da stand mitten in der Werner Innenstadt eine Fabrik – und das Alte Steinhaus, das heute die Stadtbücherei beherbergt, wurde als deren Bürogebäude benutzt. Heute sind die Spuren der einstigen Spirituosen- und Hefefabrik nahezu gänzlich verschwunden. Aber der Platz in der Werner Innenstadt trägt den Namen der Firma – bzw. der Menschen dahinter – bis heute: der Moormann-Platz.

Der Moormann-Platz mit Brunnen und Skulptur: Das Bronze-Ensemble stiftete die Familie Moormann. Es stellt einen Lebensbaum dar, der Schöpfung und Erde symbolisieren soll.
Der Moormann-Platz mit Brunnen und Skulptur: Das Bronze-Ensemble stiftete die Familie Moormann. Es stellt einen Lebensbaum dar, der Schöpfung und Erde symbolisieren soll. © Sylva Witzig (A) © Sylva Witzig (A)

Eine Familien-Dynastie

Inzwischen ist es eine ganze Dynastie von Moormanns, die sich rühmen könnte, dass ein Platz nach ihr benannt ist. Derjenige, der den Grundstein dafür legte, war Bernhard Moormann, der im Jahr 1697 in Mettingen geboren wurde. Die Familie war im Tecklenburger Land seit Jahrhunderten angesiedelt, doch im Alter von 28 Jahren zog es Bernhard Moormann nach Werne. In der damals 1200 Seelen zählenden Stadt leistete er den Bürgereid und heiratete die Witwe eines Stadtherren. Die brachte ein in der Bonenstraße gelegenes Haus mit Hof und Landwirtschaft in die Ehe mit ein. Doch sie starb – und Bernhard heiratete erneut: Anna Gertrud Struckmann, die ihm sieben Kinder gebar.

Ratsherr, Bürgermeister und Firmeninhaber

Moormann wurde Ratsherr – und gründete kurz darauf eine Brennerei für Kornweinbrand und eine Brauerei mit Gastwirtschaft und späterem Weinhandel. Das Geschäft florierte. Als Bernhard Moormann, der auch etliche Jahre Wernes Bürgermeister war, starb, übernahm sein Sohn Johann Bernhard 1762 das Geschäft und 1805 Enkel Rudolf Heinrich Moormann.

Über Jahrzehnte größter Betrieb und Arbeitgeber

Die napoleonischen Kriege überstand das Familienunternehmen und wuchs danach zum größten und bedeutendsten Unternehmen der Stadt. Erst, als die Zeche und im Zuge der Industrialisierung weitere Betriebe gegründet wurden, verlor Moormann sein Alleinstellungsmerkmal, großer Arbeitgeber zu sein, doch der Stellenwert blieb. Moormann war und blieb ein Begriff in Werne.

1899 wurde der Betrieb erweitert, eine zweite Brennerei mit gewerblichem Charakter kam hinzu, neue Fabrikräume entstanden. Bis zu sechs Stockwerke hinauf ragte die Moormannsche Fabrik im Herzen von Werne – dort, wo heute der Moormann-Platz ist.

Unternehmensgeschichte in Bildern. Aus einer Kornbrennerei und kleinen Brauerei wurde einer von Deutschlands bedeutendsten Back-Hefe-Herstellern.
Unternehmensgeschichte in Bildern. Aus einer Kornbrennerei und kleinen Brauerei wurde einer von Deutschlands bedeutendsten Back-Hefe-Herstellern. © Jan Hüttemann (A) © Jan Hüttemann (A)

Inzwischen war ein Urururenkel Bernhard Moormanns mit selben Namen geboren worden – und der führte 1907 ein Lufthefeverfahren ein. So wurden die Moormanns zu einem der bedeutendsten Hefeproduzenten Deutschlands. Das sind sie bis heute. Doch Ende der 70er Jahre wurde die Fabrik aus der Stadt ausgelagert und zeitgleich durch einen Zusammenschluss mit anderen Fermenterspezialisten am Markt die Union Uniferm gegründet. Bis heute ist jedoch ein Moormann in der Geschäftsführung des Branchenriesen geblieben, dessen Keimzelle am dem Platz liegt, der den Namen der Familie trägt.

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