Gedenkstein erinnert an 100 Jahre Strom-Tradition in Werne-Stockum

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Menschen stehen an einem Gedenkstein.
Bei der offiziellen Eröffnung des Gedenksteins zum Gersteinwerk: (v. l.) Hubert Finkenest, Bernd Sickmann, Dr. Ralf Heitmüller, Theo Stork, Kraftwerksleiter Dr. Aiko Vogelsang, Meinolf Aubke, Gerd Schweins, Willy Körner und Luci Gans. © Michael Hüttemann
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Mit der Inbetriebnahme des Gersteinwerkes 1917 begann die flächendeckende

Elektrifizierung Westfalens. Wegen des rasant wachsenden Energiebedarfs wurde das Gersteinwerk – nach dem Landrat a. D. Karl Gerstein benannt – bis zum Beginn des 2. Weltkriegs umfassend erweitert. Zwischen den 1950er und 1980er Jahren erfolgten vier weitere Ausbaustufen.

1955 war das Gersteinwerk das größte Steinkohlekraftwerk der öffentlichen Versorgung in der Bundesrepublik. 1974 war es das leistungsstärkste Erdgaskraftwerk Europas. Auch die letzte Ausbaustufe von 1984 – hier wurde der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl u.a. vom Direktor Theodor Göstenkors begrüßt – setzte im Bereich der Steinkohleverstromung neue technische Maßstäbe hinsichtlich des Wirkungsgrades und bei der Reduktion der Umweltauswirkungen.

Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl eröffnete 1984 den Steinkohleblock des © Archiv Philipp Watson

In den früheren Jahren wurde unter den Belegschaftsmitgliedem überwiegend „Münsterläinder Platt“ gesprochen und man ging, liebevoll genannt, auf „Usse Wiärk“ (unser Werk) zur Arbeit. Während der Hoch-Zeit war das Gersteinwerk für mehr als 500 Beschäftigte aus Stockum und den umliegenden Gemeinden ein sicherer Arbeitgeber.

Die rasanten Veränderungen des Energiemarktes machten auch vor dem Gersteinwerk nicht Halt. Beispielsweise in Form der Stilllegung des Steinkohleblockes K2 in 2019. In der sehr langen Historie des Gersteinwerks zeigten sich immer wieder Veränderungen in Form von Neubauten, Erweiterungen, Modernisierungen und Stilllegungen von Anlagenteilen

um nur einige Beispiele zu nennen.

Gersteinwerk steht als Reserve-Kraftwerk bereit

Aktuell steht das Gersteinwerk mit zweien seiner Blöcke als Kapazitätsreserve bereit, um einen wichtigen Beitrag zur Systemstabilität im deutschen Stromnetz zu gewährleisten. Mehrere Gasturbinen werden weiterhin im regulären Strommarkt

eingesetzt. Ein Batteriespeicher ist im Bau und kurz vor der Inbetriebnahme. Der Standort entwickelt sich also wie in der Vergangenheit auch jetzt kontinuierlich weiter.

Blick auf das Gersteinwerk.
Der Steinkohleblock des Gersteinwerkes steht in der Kapazitätsreserve, die Erdgasverstromung läuft aktuell noch. © Justine Winkler (A)

Im September 2017 fand zum Anlass der 100-jährigen Stromerzeugung mit allen aktiven Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Mitgliedern des Pensionärsvereins eine Feierstunde in lockerer Atmosphäre in „Usse Wiärk“ statt.

Um die große Bedeutung des Gersteinwerks nicht zu vergessen und die lange Geschichte des Traditionsstandortes zu würdigen, wurde auf Anregung des Pensionärsvereins ein Erinnerungsstein am Findling neben der Panhoff-Stiftung aufgestellt. Coronabedingt erfolgte die Übergabe jedoch erst jetzt.

Der Findling wurde bei Erdarbeiten zum Bau der Erdgasblöcke Anfang der 1970er Jahre freigelegt. Zunächst hatte er seinen Platz auf dem Kraftwerksgelände neben dem Pförtnergebäude. Anlässlich der Feierlichkeiten zur 1150-jährigen Ersterwähnung des Dorfes Stockum im Jahre 2008 wurde dieser Findling dann seitens RWE dem Heimatverein Stockum überlassen und auf städtischem Grund im alten Dorf Stockum aufgestellt.