Das ehemalige Schlunz-Haus an der Steinstraße 1 in Werne gehört nun einem neuen Eigentümer. Die beiden bisherigen Investoren haben sich bewusst verabschiedet. © Andrea Wellerdiek
Ehemaliges Schlunz-Haus

Geduld geplatzt: Eigentümer verkaufen einstiges Schlunz-Haus in Werne wieder

Hotel, Gastronomie, Wohnungen: Die Pläne der Investoren des einstigen Schlunz-Hauses in der Steinstraße in Werne wurden immer konkreter. Doch nun haben sie die Immobilie wieder verkauft - an einen Werner Geschäftsmann.

Eigentlich sollten bereits im Frühjahr die Arbeiten an dem denkmalgeschützten Haus in der Steinstraße 1 beginnen. Doch das Bild, das sich seit Jahren an dem prägnanten Haus mitten in der Fußgängerzone in Werne zeigt, hat sich nicht ändert. Zumindest nicht wesentlich. Zu Sim-Jü konnte man einen Blick in die Räume der einstigen Metzgerei Schlunz werfen. Dort, wo früher Fleisch über die Theke ging, wurden Cocktails über den bis heute bestehenden Tresen gereicht. Nach der Kirmes allerdings wurde es wieder dunkel im Schlunz-Haus.

Hinter den Kulissen hat sich in den vergangenen Wochen jedoch einiges getan. Vor etwa sechs Wochen habe es einen Eigentümer-Wechsel gegeben. Das erklärt Ulf Klaverkamp, der das Haus gemeinsam mit Frank Hölscher 2016 erworben und nun wieder veräußert hat. Nun hat ein Werner Geschäftsmann die Immobilie gekauft, wie diese Redaktion aus mehreren Quellen erfahren hat.

Dachstuhl im Schlunz-Haus in Werne muss erhalten bleiben

Der Käufer selbst möchte sich derzeit noch nicht zu einem Kauf oder künftigen Plänen um das Haus äußern. Auch wenn die Anfrage noch unbeantwortet blieb, gab es bereits Gespräche mit der zuständigen Denkmalpflege der Stadt Werne. „Wir werden nun über die Rahmenbedingungen sprechen“, sagt Abteilungsleiterin Petra Göbel. Die wichtigste Voraussetzung: Der denkmalwürdige Dachstuhl aus dem Jahr 1527 muss erhalten bleiben.

Zu Sim-Jü gab es in der einstigen Metzgerei Cocktails.
Zu Sim-Jü gab es in der einstigen Metzgerei Cocktails. © Andrea Wellerdiek © Andrea Wellerdiek

Welche Pläne der Eigentümer mit der Immobilie generell verfolgt, konnte auch Göbel nicht beantworten. Die ersten Gespräche stimmten die Denkmalpflegerin aber positiv. „Ich habe ein gutes Gefühl. Die Gespräche waren sehr unproblematisch“, sagt Göbel und denkt dabei womöglich an die denkmalgeschützte und verfallene Immobilie an der Südmauer 27. Dort tut der Eigentümer seit Jahren nur das Nötigste, um die historische Fassade vor noch mehr Schäden zu schützen.

Auch das einstige Schlunz-Haus an der Steinstraße 1 ist stark sanierungsbedürftig, wie die Eigentümer immer wieder betont hatten und ein exklusiver Einblick in das Haus 2018 verdeutlichte. Deshalb wollten Ulf Klaverkamp und Frank Hölscher das Haus am liebsten abreißen. Denn: Das Gebäude zu entkernen und zu sanieren, würde laut den Investoren genauso viel kosten wie ein Neubau.

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Blick in das ehemalige Schlunz-Haus

Eigentlich wollte das Duo zudem die Fläche des Gebäudes verkleinern, um einen größeren Innenhof zu schaffen. Eine Gastronomie oder ein Hotel hätten sich die beiden vorstellen können. Doch nachdem sie ihre Pläne zu dem Abriss des Hauses konkretisiert hatten, wurde die Denkmalschutzbehörde hellhörig. Nach der darauffolgenden Begehung eines Gutachters stellte sich heraus, dass sich zehn alte Stützbalken aus dem Jahr 1527 in der ersten Etage befinden. Daraufhin stellte der Experte das Haus unter Denkmalschutz.

Erst Kompromiss, dann Rückzug

Nach langem Hin und Her mit der Denkmalpflege der Stadt Werne und der Unteren Denkmalbehörde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe hatte man sich im November 2019 mit den Investoren auf einen Kompromiss geeinigt. „Damit können wir leben“, sagte Klaverkamp seinerzeit dazu. „Das, was marode ist, wird saniert. Und das, was erhaltenswert ist, wird später wieder aufgebaut. Das wollten wir auch so.“

Ulf Klaverkamp schaut sich im Juni 2018 einen der historischen Balken im Obergeschoss des Schlunz-Hauses an.
Ulf Klaverkamp schaut sich im Juni 2018 einen der historischen Balken im Obergeschoss des Schlunz-Hauses an. © Andrea Wellerdiek © Andrea Wellerdiek

Man wollte daraufhin den Dachstuhl abtragen, ihn bei einem Zimmermann zwischenlagern und das Gebäude zurückbauen. Statt Hotel oder Gastronomie sollten vier Wohnungen in dem Haus entstehen.

Doch nun, zwei Jahre später, haben sich die Investoren komplett von dem Projekt verabschiedet. „Es hat einfach alles zu lange gedauert mit der Denkmalschutzbehörde. Und dann kam Corona. Wir hatten einfach keine Lust mehr“, erklärt Ulf Klaverkamp.

Was nun aus dem Haus an 1a-Lage in der Werner Innenstadt wird, ist ungewiss. Klar ist nur, dass der denkmalgeschützte Dachstuhl erhalten bleiben muss. Zudem muss das Erdgeschoss als Gewerbefläche genutzt werden.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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