Maya Marie Olk (l.) und Leandra Kampmann arbeiten als Servicekräfte im Stadthotel im Kolpinghaus. © Felix Püschner
Wirtschaft in Werne

Gastronomie nach dem Lockdown: Kommt jetzt die Rückkehr der Minijobber?

Pandemiebedingt mussten Werner Gastronomen ihre Betriebe mehrfach schließen – und in manchen Fällen Personal entlassen. Sind mit der Wiedereröffnung auch die Minijobber zurückgekehrt?

Leandra Kampmann (17) und Maya Marie Olk (18) arbeiten seit einigen Monaten als Minijobber im Stadthotel im Kolpinghaus. Zweimal pro Woche bewirten sie Gäste im Biergarten. „Irgendwie müssen wir unsere Freizeit ja bezahlen. Vor allem in den Ferien war das wichtig“, sagt Kampmann mit einem Lächeln. Wenn das Wetter mal nicht mitspielt und der Biergarten geschlossen bleibt, tut das den beiden Servicekräften gleich doppelt weh. Denn es hat unmittelbare Folgen für ihr Portemonnaie.

Für Kampmann, die aktuell das Gymnasium St. Christophorus besucht und später hauptberuflich als Produktionsleiterin in der Filmbranche arbeiten will, war es gar nicht so einfach, einen Aushilfsjob zu bekommen: „Ich habe seit Anfang des Jahres bestimmt 15 Bewerbungen für 450-Euro-Jobs geschrieben. Es kamen immer nur Absagen. Das lag aber wohl auch daran, dass ich noch nicht 18 bin.“

Beworben hatte sie sich unter anderem bei Supermärkten und als Haushaltshilfe. In den meisten Fällen bekam sie noch nicht einmal eine Rückmeldung von den Unternehmen. Der Job im Stadthotel kam da gerade recht. Mit Maya Marie Olk hat sie nun sogar eine vergleichsweise „erfahrene“ Kollegin an ihrer Seite. Olk, die gerade eine Ausbildung zur Sozialassistentin macht, hat nämlich bereits vor zwei Jahren im Stadthotel gearbeitet. „Das ist hier schon sehr familiär. Ich fühle mich hier wohl. Und Regale einzuräumen oder an der Supermarktkasse zu sitzen, wär‘ auch nichts für mich“, sagt die 18-Jährige.

„In der Gastronomie fehlt an allen Ecken und Enden Personal“

Andreas Nozar

Dass es an manchen Abenden mal etwas später wird, bis der Dienst endet, stört die beiden kaum. So lange die Kunden nett sind, sei das kein Problem. Zudem spiegeln sich die „Überstunden“ ja auch im Trinkgeld wider. Das hat also ebenfalls Folgen für das Portemonnaie – allerdings durchaus wünschenswerte.

Stadthotel-Inhaber Horst Nußbaum ist froh, die beiden Minijobberinnen zu haben. Zumal es gar nicht so einfach gewesen sei, Aushilfen zu finden, als der Betrieb nach dem zweiten Lockdown wieder öffnete. Denn viele hätten sich beruflich neu orientiert. Teils galt das sogar für das fest angestellte Personal. Auch Nußbaum selbst sattelte in Lockdownzeiten vorübergehend um, verkaufte Tannenbäume und betreute Senioren. Irgendwie musste man sich ja über Wasser halten, wenn schon die staatlichen Hilfen nicht ausreichten, um sich den Lebensunterhalt zu finanzieren.

Auch Kontakt zum Jobcenter bringt keinen Erfolg

Personalnot gibt es aber auch in anderen Werner Gastronomiebetrieben. „Es ist gerade sehr schwierig, Personal zu finden. Das geht nicht nur uns so“, sagt beispielsweise Salvatore Pisanelli, Inhaber des Mediterraneo. Derzeit arbeiten hier zwei Aushilfskräfte, die allerdings beide schon vor der Pandemie mit im Boot waren. Eine dritte Kraft kommt wohl bald hinzu.

Dennoch: Sobald mal eine von ihnen ausfällt, wird es knifflig. Pisanelli hätte vor allem für diese Fälle gerne noch weitere Optionen. Der Kontakt zum Jobcenter sei aber bislang nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Die Kandidaten, die infrage kämen, melden sich schlichtweg nicht beim ihm. Vor der Pandemie sei das anders gewesen.

„Viele haben sich neu orientiert. Das merken alle Gastronomen.“

Horst Nußbaum

Andreas Nozar, Inhaber des Stilvoll im Rathaus, hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Mit der Situation, wie sie jetzt ist, habe man nicht gerechnet. „Es fehlt in der Gastronomie gerade an jeder Ecke Personal – angefangen beim Fachpersonal wie Köchen über gelernte Servicekräfte bis hin zu Aushilfen. Da ist nix mehr zu bekommen“, sagt Nozar. Er habe sogar noch Glück. Denn von den acht Aushilfen, die er momentan beschäftigt, haben sieben schon vor dem vergangenen Lockdown im Stilvoll gearbeitet. Über mehr helfende Hände würde sich Nozar trotzdem freuen.

Dafür, dass sich viele Minijobber während der Pandemie umorientiert haben, hat allerdings auch er Verständnis: „Für die gab es ja kein Kurzarbeitergeld. Und wenn man Student ist, dann muss man zusehen, wie man seine Wohnung bezahlt. Dann ist man auf die 450 Euro schon angewiesen.“

Dass Nozar nicht so viel Personal zur Verfügung hat, wie er eigentlich bräuchte, zeigt sich auch in den Öffnungszeiten. Anders als vor der Pandemie ist nun auch dienstags Ruhetag. Zumindest wenn das Wetter schlecht ist. Ein Mitgrund ist neben dem Personalmangel jedoch auch der fehlende Umsatz.

Die Innengastronomie kann schließlich wegen der geltenden Abstandsregeln immer noch nicht wieder voll belegt werden: „Außerdem haben wir keine Planungssicherheit. Vor allem langfristig. Wer weiß schon, ob Sim-Jü und Weihnachtsfeiern stattfinden können. Aber so geht es vielen Gastronomen.“

Statistik zeigt: Keine Branche traf es so hart wie das Gastgewerbe

Ein Blick in die Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt, dass es sich hierbei nicht bloß um eine „gefühlte“ Realität handelt. Zwar gibt es die Werner Zahlen zu geringfügig Beschäftigten (Aushilfen/Minijobber) noch nicht für das Jahr 2021. Doch ein Pandemieeffekt lässt sich allemal herauslesen. Ein Beispiel: Im Dezember 2019 gab es in der Lippestadt insgesamt noch 2.738 geringfügig Beschäftigte. Im Juni 2020 waren es schon nur noch 2.588. Diese Zahl blieb bis Dezember 2020 mit 2.575 fast unverändert.

Auffallend ist: Insbesondere im Gastgewerbe gab es einen regelrechten Einbruch der Zahlen. Den 425 Beschäftigten im Dezember 2019 stehen 312 im Dezember 2020 gegenüber. Das entspricht einem Minus von 26,6 Prozent. Keine andere Branche hatte in diesem Zeitraum so starke Verluste zu verzeichnen. Und es scheint fast so, als müssten sich die Gastronomen noch eine ganze Weile gedulden, bis sie wirklich da ist – die Rückkehr der Minijobber.

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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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Felix Püschner

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