Obwohl ein Mann aus Werne (89) impfberechtigt ist, muss er weiter auf einen Termin warten. Sein Schwiegersohn ärgert sich, dass die Stadt Werne derweil Impfungen verlost hat. © dpa (Symbolbild)
Impfungen in Werne

Bettlägerig, 89 und nicht geimpft: „Über die Verlosung in Werne habe ich mich tierisch geärgert“

Pflegebedürftig, 89 Jahre alt und noch nicht geimpft: Ein Werner kritisiert, dass sein Schwiegervater weiter auf seine Impfung wartet. Dass stattdessen übrig gebliebene Impfdosen verlost werden, ärgert ihn maßlos.

Immer mehr Menschen in NRW können sich für eine Impfung anmelden. Ein impfberechtigter Mann aus Werne wartet hingegen weiter auf einen Termin. Dabei ist er 89 Jahre alt, pflegebedürftig und bettlägerig. Dass sein Schwiegervater mit Pflegegrad 4 noch immer ohne Impfung ist, regt den 53-Jährigen, der seinen Namen oder ein Bild nicht veröffentlicht haben möchte, maßlos auf.

Als er dann aber auch noch erfahren hat, dass die Stadt Werne übrig gebliebene Impfdosen in der Bevölkerung verlost, hat er sich „tierisch darüber aufgeregt. Da werden Menschen in Vergessenheit geraten, die sich nicht selbst helfen können. Stattdessen wird mit dem Zeug nur so rumgeschmissen.“

Senior müsste mit Krankenwagen zum Impfzentrum

Während er mit seiner Schwiegermutter (86), ebenso pflegebedürftig aber noch mobil, für die erste und zweite Dosis bereits im Impfzentrum war, ist das für den Schwiegervater nicht möglich. Denn er ist nicht transportfähig. „Er müsste mit einem Krankenwagen ins Impfzentrum gebracht werden“, erklärt der Schwiegersohn.

Bei bettlägerigen Personen mit Pflegegrad 4 oder 5 sind mittlerweile aber auch Impfungen zuhause möglich. Da allerdings sind die Hausärzte dafür zuständig, sich mit den Betroffenen in Verbindung zu setzen. „Ich mache unserem Hausarzt gar keinen Vorwurf. Mein Schwiegervater ist ja nicht der einzige, der geimpft werden muss. Der Arzt hat ja auch nur eine kleine Anzahl an Impfdosen zur Verfügung“, sagt der Werner.

Ärger über Impf-Verlosung in Werne

Dass die Stadt Werne derweil allerdings eine übrig gebliebene Zahl an Impfdosen mithilfe einer Verlosung vergibt, kann er überhaupt nicht nachvollziehen. Er hätte sich gewünscht, dass alle diese Dosen über die Hausärzte an die Personen verimpft werden, die Vorerkrankungen haben.

„Stattdessen verbimmeln wir das, obwohl es Leute gibt, die früher mit einer Impfung dran gewesen wären. Wie da vorgegangen wird, ist ein No-Go. Dass man mit so einer wichtigen Angelegenheit ein Spiel macht, geht für mich gar nicht“, kritisiert der 53-Jährige, der erst im Nachhinein von der Verlosungsaktion erfahren hatte.

Die Stadt Werne hatte Anfang April den Zugriff auf 310 Impfstoff-Dosen mit dem Vakzin Astrazeneca vom Kreis Unna erhalten. Für diese übrig gebliebenen Impfdosen konnten sich Bürgerinnen und Bürger bewerben. Das Angebot dieser Verlosung richtete sich nach der Entscheidung der Ständigen Impfkommission allerdings ausschließlich an 60- bis 79-Jährige. Im ersten Schritt wurden 118 Impfdosen an die Werner über 60 Jahren mit Vorerkrankung vergeben, die bei einer vorherigen Impfaktion nicht zum Zuge gekommen waren.

Zuvor gab es bereits eine spontane Impfaktion in Werne, als ein Kontingent von 204 Impfstoff-Dosen des Vakzins Biontech/Pfizer vom Kreis Unna zur Verfügung gestellt wurde. Hier wurde mit den Hausärzten eine Priorisierungsliste erstellt, mit denen erst Patienten mit Vorerkrankungen ernannt wurden.

Pflegende Angehörige warten ebenso auf Impftermin

Der Schwiegervater des 53-Jährigen war nicht dabei. Auch er selbst muss wie seine Frau noch auf eine Impfung warten. Das Ehepaar ist mittlerweile selbst impfberechtigt, weil sie pflegende Angehörige sind. Sie kümmern sich um die Schwiegereltern bzw. Eltern, die mit im eigenen Haus wohnen.

Sie selbst werden ebenfalls über den Hausarzt geimpft, sobald es für den 89-jährigen Schwiegervater möglich ist. Lange müssen sie wohl nicht mehr warten. „Der Arzt hat gesagt, dass wir ganz oben auf seiner Liste stehen“, sagt der Schwiegersohn.

Bis dahin ist die Familie, in der die Kinder auch noch zur Schule oder Kita gehen, weiter wachsam. „Wir haben einige Risikofaktoren im Haus. Wir sind sehr vorsichtig. Wir haben immer Angst, dass wir Opa anstecken“, sagt der 53-Jährige, der selbst viel Kundenkontakt hat, weil er im Einzelhandel tätig ist.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek
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