Nach Klassen sortiert: An der Marga-Spiegel-Sekundarschule in Werne versorgen sich die Schüler, die nicht über digitale Plattformen ihre Aufgaben erledigen können, mit dem Arbeitsmaterial, das in der Schule ausgelegt wird. © Jörg Heckenkamp
Schulen in Werne

Arbeitsmaterial aus Kisten, überlastete Server: Teils holpriger Schulstart in Werne

Seit Montag befinden sich die Schüler in NRW im Distanzunterricht. Zum Start des Homeschooling gibt es Probleme. Auch in Werne sind Server überlastet. Es sind nicht die einzigen Hürden.

Nach den Weihnachtsferien hat die Schule in NRW am Montag (11. Januar) wieder begonnen. Bis mindestens zum Ende des Monats findet der Unterricht auf Distanz statt. Der Start in das Homeschooling beginnt allerdings holprig. Auch in Werne berichten die Schulleiter von überlasteten Servern. Das ist allerdings nicht die einzige Herausforderung.

„Noch hat es nicht geklappt mit dem Log-In. Das Rädchen dreht sich immer noch“, sagt Hubertus Steiner. Der Schulleiter der Marga-Spiegel-Sekundarschule (MSS) in Werner versucht sich während des Telefongesprächs bei der Plattform schoolfox anzumelden. Es ist ein Messenger-Dienst, den die MSS schon in der Vergangenheit im Homeschooling genutzt hat. Darüber können Lehrer und Schüler in Kontakt treten, auch Videokonferenzen sind möglich.

Auch der Server der Marga-Spiegel-Schule stark überlastet

Doch auf eine Live-Schalte verzichtet Steiner in den ersten Tagen ganz bewusst. Denn: Die App ist am Montag arg überlastet. „Das war klar, weil ja heute das Homeschooling los geht. Man muss Geduld mitbringen“, sagt Steiner, der derweil aus schoolfox geflogen ist. Dabei sei diese App, die in Österreich entwickelt wurde, hierzulande gar nicht so stark verbreitet.

Gängige Server wie iServ sind in Deutschland zum Start des Homeschooling überlastet. Auch an der MSS soll bald iServ eingesetzt werden. Doch wie mit den bestellten Endgeräten, die es laut Steiner eigentlich schon im Dezember hätte geben sollen, ist es mit der Kommunikationsplattform ähnlich. Weil es zurzeit viele Bestellungen deutschlandweit gibt, muss man sich in Geduld üben. Und pragmatische Lösungen finden.

Materialkisten für Schüler gepackt

„Wir haben wieder Materialkisten gepackt für die Schüler, die keine Endgeräte haben“, erzählt Steiner. Für eine Vielzahl an Schülern, die kein Tablet, kein W-Lan oder keinen Drucker hat, heißt es dann wieder: zur Schule fahren, Materialien abholen und die erledigten Aufgaben wieder in die Kiste legen. „Es sind vielfältige Wege, über die wir die Schüler erreichen. Die Kollegen sind da ganz kreativ“, sagt Steiner, der sich mittlerweile auf dem Server anmelden konnte.

Die Schüler in NRW lernen seit Montag (11. Januar) im Distanzunterricht.
Die Schüler in NRW lernen seit Montag (11. Januar) im Distanzunterricht. © dpa © dpa

Täglich gehört da auch die Begrüßung und der Report am Mittag via Online-Konferenz dazu. Steiner glaubt, dass dies auch mit dem derzeit überlasteten Server bald besser klappen wird. In der holprigen Anfangszeit allerdings werden er und seine Kollegen darauf achten, nicht zu Stoßzeiten den Server zu nutzen.

Erst ab Mittwoch steigen auch die Schüler der Klassen 5 bis 7 ein. Die ersten beiden Tage nach den Ferien nutzen die Verantwortlichen noch, das Homeschooling für die jüngeren Schüler vorzubereiten. Ab Mittwoch rechnet Steiner damit, dass mehr als die bisherigen zwei Schüler die Notbetreuung in Anspruch nehmen werden.

Drei Schüler in der Notbetreuung am Gymnasium

Ähnlich sieht es am St.-Christophorus-Gymnasium aus. Zurzeit sind drei Schüler in der Notbetreuung, erklärt Schulleiter Thorsten Schröer. Jeweils wöchentlich melden Eltern ihre Kinder für die Betreuung in der Schule an. Dass es dieses Mal einen längeren Vorlauf für den Distanzunterricht gab, kommt allen Beteiligten zugute.

„Unser Ziel ist es, die Aufgaben immer schon im Voraus, am Wochenende, den Schülern zur Verfügung zu stellen. So können sie auch gemeinsam mit ihren Eltern die Woche vorbereiten“, erklärt Schröer. Die Schüler sollen sich demnach möglichst nur dann einwählen, wenn sie ihre Aufgaben an die Lehrer zurückschicken müssen.

So könne eben auch vermieden werden, dass zeitgleich viele Nutzer auf dem Server arbeiten. Denn auch dieser sei im ersten Lockdown im Frühjahr bereits an die Grenzen gekommen. „Da ist der Server zusammengebrochen“, so Schröer. Dieses Mal allerdings liefe bislang alles reibungslos. Allerdings nutzt das St.-Christophorus-Gymnasium auch den Server des Schulträgers des Bistums Münster. Lediglich knapp 35 bischöfliche Schulen sind an dem Online-Netzwerk des Bistums angeschlossen.

„Das ist alles schon sehr komfortabel“, sagt Schröer. Die Lehrer können sich dabei austauschen und sehen, welche Aufgaben insgesamt an die Schüler gestellt werden. Der Distanzunterricht gilt nun auch als Leistungsbewertung. Wer seine Note verbessern will, kann dies mit Referaten oder Präsentationen online machen. In der Schule selbst werden nur noch Nachschreibtermine für Klausuren in der Q1 und Q2 stattfinden. Wie die Zeugnisnoten dann aber digital übermittelt werden und wie benotete Klausuren wieder an die Schüler gegeben werden, sind derzeit die pragmatischen Fragen, die man sich am Gymnasium stellt.

Auch am Anne-Frank-Gymnasium (AFG) kommen im Januar nur wenige Schüler zu Nachschreibterminen in die Schule. Der Start ins Homeschooling ist hier ohne Probleme gestartet, erklärt Schulleiter Marcel Damberg. Man setzt auf mehrere Tools wie Zoom oder Microsoft Teams, um mit den Schülern zu kommunizieren.

„Wir hatten keine Server-Probleme, weil wir auch nicht auf unseren Server in der Schule setzen. Alle Lehrer und Schüler nutzen ja nur die eigenen Server zuhause“, so Damberg. Man habe sich bei dem neuen Server, der bereits bestellt aber noch nicht geliefert wurde, bewusst gegen iServ entschieden. Diese Technik sei unpraktisch im Umgang mit den personalisierten iPads der AFG-Schüler.

Im Homeschooling arbeiten die Schüler nun mit Wochenplänen, die bereits am Sonntag zuvor veröffentlicht werden. Für den Distanzunterricht an sich gilt: „Wir wollen keinen Videokonferenz-Marathon machen. Es soll kein Schüler sechs bis acht Stunden vor der Kiste sitzen“, sagt Damberg, der am Montag selbst auch seinen PC zwischenzeitlich bewusst ausgeschaltet hat, als die Schüler Stillarbeitsphasen hatten.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek
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