Das Coronavirus wird uns noch weiter begleiten. Aber es zeitigt auch positive Resultate. © Jörg Heckenkamp
Meinung

7 Gründe, warum das Coronavirus gut für uns ist

Das Coronavirus bestimmt seit zehn Monaten unser Leben. Meist in negativer Form. Doch beim Blick in die Zukunft fallen auch positive Aspekte ins Auge. Ein Kommentar.

Kann man dem Coronavirus Positives zuschreiben? Einem Erreger, der unser Leben in fast allen Belangen beeinträchtigt, meist negativ. Manchmal sogar tödlich. Ja, kann man. Ohne die negativen Folgen aus dem Blick zu verlieren, lässt sich der Pandemie auch Positives abgewinnen. Vor allem beim Blick in die Zukunft.

Aber auch rückblickend lassen sich, zumindest in einer Kleinstadt wie Werne, Mut machende Auswirkungen erkennen. So zum Beispiel die Hilfe viele Ehrenamtlicher, die etwa Einkaufsdienste für Senioren oder Kranke organisiert haben. Oder die spontanen Distanz- und Freiluft-Konzerte, die etwas Farbe in einen ansonsten grauen Covid-Alltag gebracht haben. Ich finde, dass ist schon mal ein Wert an sich und macht Mut für die Zukunft.

Die Pandemie wird unser künftiges Leben weiter bestimmen. Sie wird nicht auf einmal verschwinden und nichts wird so sein wie vorher. Wir werden aber lernen, mit der Bedrohung unserer Gesundheit umzugehen. Und es wird sich Einiges zum Besseren wenden, wie ich glaube (und hoffe).

1. Unsere Arbeitswelt – können wir Artikel, Fotos, Videos, Zeitungsseiten produzieren, ohne im kreativen Gewimmel eines Großraum-Büros uns gegenseitig zu befruchten und zu helfen? Noch vor zehn Monaten hätte ich diese Frage mit einem kategorischen Nein beantwortet. Jetzt hat der Druck der Ereignisse gezeigt: Es funktioniert, auch wenn alle an unterschiedlichen Orten arbeiten.

Das Home-Office, früher als ausbeuterische Heimarbeit denunziert, wird sich aus der aktuellen Notwendigkeit in eine Chance für viele Arbeitnehmer verwandeln. Familiäre Anforderungen lassen sich oft leichter stemmen, wenn man daheim ist und die Arbeit kurz unterbrechen kann. Außerdem entfallen lange Anfahrten zum Job.

2. Gesundheit/Krankenhäuser – Es hat sich gezeigt, wie wichtig ein gut funktionierendes, flexibles Gesundheits-System in einer sich ständig wechselnden Pandemie-Lage ist. Ärzte und Krankenhäuser vor Ort sind auch wegen der psychologischen Wirkung („Mir wird am Heimatort schnell geholfen.“) wichtig. Das würde dafür sprechen, auch kleinere Häuser, wie etwa in Werne, dauerhaft zu erhalten. Außerdem müssen wir die Pflegeberufe attraktiver machen. Das fängt bei der Bezahlung an.

3. Reisen – wer nicht mindestens zwei Mal im Jahr in den Flieger gestiegen ist, galt als uninspirierter Stubenhocker. Doch durch die Reisebeschränkungen ist auf einmal der Urlaub in Deutschland, ja, sogar rund um den eigenen Heimatort attraktiv geworden. Wenn sich das fortsetzt, hat das vielfachen Nutzen: fürs Klima, für Ressourcen, für die Wertschätzung der eigenen Region. Wer dann, vielleicht einmal im Jahr, ins entfernte Ausland aufbricht, ist dann vielleicht auch bereit, der Billig-Mentalität abzuschwören und einen angemessenen Reisepreis zu bezahlen, der den Menschen und der Natur im Urlaubsland zugute kommt.

4. Politik – auf den sprunghaften Verlauf der Erkrankung musste die Politik immer wieder neu reagieren. Sie tat das meines Erachtens mit Augenmaß. Manchmal zu viel, manchmal zu wenig, im Mittel aber richtig. Das hat mein Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der demokratisch gewählten Regierung gestärkt. Die eben nicht autokratisch oder nach Gutdünken entscheidet, sondern das Wohl der Menschen an erster Stelle sieht.

5. Wahre Werte – die Einschränkungen der Corona-Pandemie haben uns auf uns selbst zurückgeworfen. In den zwei Lockdown-Phasen waren die sonst üblichen Vergnügungen (oder Ablenkungen?) wie Shoppen, Feiern, Sporten, Wegfahren, etc. nicht möglich. Den ein oder anderen hat das zum Nachdenken über sich selbst gebracht. Was ist wichtig, wer ist für mich wichtig, wie will ich leben? Eine Selbsterkenntnis, die zu einem erfüllteren Leben führen kann.

6. Schulen – ähnlich wie es uns als Redaktion zu Beginn der Pandemie ging, mag es auch in den Lehrerzimmern der Werner Schulen zugegangen sein. Schulschließungen, Distanz-Unterricht, Masken und dauerndes Lüften im Unterricht – alles böhmische Dörfer. Und doch haben die oft als schwerfällig angesehenen Bildungseinrichtungen flexibel reagiert.

Wenn auch nicht alles zu Beginn rund lief (wie auch?), hat sich unser Bildungswesen doch gut mit der Ausnahme-Situation arrangiert. Das macht Mut für die Zukunft und wirft die Frage auf, warum ein gelegentlicher Distanz-Unterricht, besonders für weit entfernt wohnende Schüler, nicht die Regel werden kann? Einen Digitalisierungsschub hat die Corona-Seuche auf jeden Fall an den Schulen ausgelöst.

7. Kreativität – Man konnte angesichts der verfahrenen Lage den Kopf in den Sand stecken. Doch viele haben genau das Gegenteil gemacht. Etwa heimische Geschäftsleute, die auf den Lockdown mit kontaktarmen Liefer- oder Abholdiensten reagierten. Oder die ihre Kunden per Smartphone virtuell durch den Laden führten, Erläuterungen zu Produkten gaben und diese dann, bei Kaufwunsch, lieferten.

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Redaktion Werne
Jeden Tag Menschen hautnah - nichts ist spannender als der Job eines Lokalredakteurs. Deshalb möchte ich nichts anderes machen - seit mehr als 35 Jahren.
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Jörg Heckenkamp
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