Ein Albtraum: Ein Einbrecher kramt im Nachttisch eines Werners herum, während dieser schläft - und plötzlich wach wird. © Montage Klose
Kriminalität

61-jähriger Werner: „Plötzlich stand der Einbrecher nachts an meinem Bett“

Bei Wohnungseinbrüchen leiden Geschädigte in manchen Fällen lange unter den psychischen Folgen. Dietmar K. aus Werne plagen keine Albträume - obwohl der Einbrecher direkt neben ihm im Schlafzimmer stand.

Die Geschichte, die Dietmar K. aus Werne erzählt, klingt fast so, als sei sie von einem Kriminalromanautor geschrieben worden. „Ich bin aufgewacht, weil ich ein Rascheln im Zimmer hörte. Als ich dann das Licht eingeschaltet habe, sah ich plötzlich, wie ein Fremder in der Schublade meines Nachttischs herumkramt“, sagt der 61-Jährige, dessen Namen wir geändert haben, da er unerkannt bleiben möchte. Diese mehr als unheimliche Begegnung ist inzwischen knapp fünf Jahre her.

Es geschieht in der Nacht von Sonntag auf Montag. K. ist ein bisschen früher als sonst zu Bett gegangen. Ihn plagen Zahnschmerzen. Seine Frau hat es sich aus Rücksichtnahme im Gästezimmer bequem gemacht. Sie will ihren Mann nicht beim Einschlafen stören. Der Plan geht auf. Dietmar K. findet den Weg ins Reich der Träume. Von den Zahnschmerzen abgesehen bereitet ihm zu diesem Zeitpunkt nichts große Sorgen. In ihrem Haus fühlen sich K. und seine Frau sicher.

Wohnung des Werner Ehepaars war eigentlich gut gesichert

Das Ehepaar wohnt schon lange in Werne, nicht weit entfernt vom Stadtwald. Dass jemand Ungebetenes sich Zutritt zur Wohnung verschafft, ist bislang noch nicht vorgekommen. Wie auch? Man hat schließlich vorgesorgt. Die Kellerfenster sind vergittert, die Terrassentür ist mit einer Aluminiumstange gesichert. Auch die Fenster entsprechen gewissen Standards, die für den Einbruchschutz relevant sind.

Wie also sollte jemand unbemerkt hier reingelangen? Zudem ist das Paar ja gerade auch nicht auf Reisen, sondern daheim. Niemand wäre so leichtsinnig, unter diesen Umständen in die Wohnung einzubrechen. Und dennoch geschieht genau das.

„Ich habe ihn angebrüllt: Ey, was soll das hier!?“

Dietmar K.

Gegen 2.30 Uhr hört Dietmar K., dass jemand im Schlafzimmer offensichtlich die Schränke öffnet. Er vermutet, dass es sich um seine Frau handelt. Vielleicht hat sie ja irgendetwas vergessen und will es sich nun holen. Im Zimmer ist es zwar stockdunkel – aber sie kennt sich ja hier aus. Kein Grund zur Beunruhigung. Kein Grund, sich umzudrehen und für einen kontrollierenden Blick das Licht einzuschalten und die Augen zu öffnen.

Der 61-Jährige ist gerade dabei, wieder einzunicken, da spürt er, wie jemand direkt neben ihm die Schublade des Nachttischs öffnet und hineingreift. K. schreckt auf, packt dem Unbekannten auf die Schulter, schaltet das Licht ein und brüllt ihn an: „Was soll das hier!?“ Sofort steht K. unter Adrenalin. Für den Unbekannten, der daraufhin die Flucht ergreift, gilt das wahrscheinlich auch.

„Ich habe ihn nur von hinten gesehen. Er trug einen grauen Kapuzenpulli und ist sofort raus. Ich bin hinterher, aber nur bis zur Haustür. Dann war er weg“, erinnert sich der 61-Jährige. Alles sei einfach zu schnell passiert. Er habe instinktiv gehandelt, statt rational: „Der Typ hätte ja eine Waffe bei sich haben können. Aber an so etwas denkt man in so einer Situation nicht.“

K. eilt daraufhin ins Gästezimmer. Seine Frau ist von dem Lärm zwar aufgewacht, hat die Szene aber nicht mit eigenen Augen gesehen. K. erklärt ihr, was soeben passiert ist. „Sie war natürlich emotional fertig. Aber ich habe mich recht schnell wieder beruhigt. Ich denke, das lag daran, dass ich sofort erkannt habe, wie der Kerl in die Wohnung gelangt ist.“

Handy, Portemonnaie und Uhren gestohlen

Als K. an der Haustür steht, sieht er, dass der Schlüssel von außen steckt. Doch da haben seine Frau und er ihn zuvor definitiv nicht stecken lassen. Am Briefschlitz, der sich im Seitenteil der Haustür befindet, sind Kratzer zu erkennen, die vorher nicht da waren. Der Einbrecher muss sich mit irgendeiner Art von Werkzeug den innen steckenden Haustürschlüssel durch den Schlitz nach draußen gezogen haben.

Auf seinem Beutezug hat der Einbrecher Handys, Portemonnaie und Armbanduhren mitgehen lassen. Vor allem der Verlust einer ganz besonderen Armbanduhr schmerzt K. immer noch: „Mein Vater hatte sie mir zu meinem 50. Geburtstag geschenkt. Das war ein Erinnerungsstück.“ Die Geldbörse taucht schon zwei Tage später wieder auf. Irgendjemand hat sie zuvor in den Briefkasten der Stadtverwaltung geschmissen.

„Der Typ hat das eiskalt durchgezogen.“

DIETMAR K.

Die Art und Weise, auf die der Einbrecher in die Wohnung gelangt ist, bereitet dem Ehepaar K. später sogar Probleme mit der Versicherung. „Es galt offiziell nicht als Einbruch sondern als Raub. Das hing damit zusammen, dass es keine offensichtlichen Einbruchsspuren wie etwa ein eingeschlagenes Fenster oder eine aufgebrochene Tür gab.“ Aus Kulanz habe die Versicherung dann allerdings doch gezahlt – rund 450 Euro für den Verlust von Uhren und Handy.

Noch in der Nacht des Einbruchs ruft K. die Kripo. „Die sind natürlich sofort gekommen. Eine Beamtin meinte dann auch zu mir, dass solche Fälle nur sehr selten vorkommen. Eigentlich vergewissern sich Einbrecher ja, dass niemand im Haus ist – und falls doch, dann lassen die von ihrem Vorhaben ab. Der Typ hat es aber eiskalt durchgezogen“, sagt K.. Am Tatort werden Spuren gesichert, die letztlich jedoch nicht zur Ergreifung des Täters führen werden.

Die Polizei bietet dem Ehepaar zudem in zweifacher Hinsicht Hilfe an: Psychologische und einen Sicherheits-Check im Haus, um herauszufinden, wo man in Sachen Einbruchschutz noch etwas verbessern kann. Das Ergebnis: Man findet ein oder zwei kleine Stellen. Mehr jedoch nicht. Die Wohnung ist bereits gut gerüstet. „Man kann sich ja auch nicht einmauern und die eigene Wohnung zum Hochsicherheitstrakt machen“, sagt K.

Inzwischen gibt es an dem Haus nur noch einen Außenbriefkasten. Das Ehepaar fühlt sich trotz des Vorfalls sicher in seiner Wohnung: „Wir haben zum Glück auch keine psychischen Probleme oder Albträume.“ Vergessen wird Dietmar K. den Moment allerdings wohl nie. Der Moment, in dem er die Augen aufschlug und den Einbrecher direkt vor sich sah.

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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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Felix Püschner

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