Stockums Geschäftsführer Yassine Najih hat einen Spieler mit besonders dicker Krankenakte im Kader. © David Döring
Fußball: Kreisliga A

Unsägliche Krankenakte: Dieser Stockumer Fußballer kommt trotzdem immer zurück

Sprunggelenksbruch, Operationen am Magen, Rippen- und Schienbeinbrüche: Was für mehr als eine Mannschaft reicht, vereint ein Stockumer Spieler allein in seiner Verletzungshistorie - mit gerade mal 23 Jahren.

Was sich anhört wie die Verletzungen von mindestens einer gesamten Fußballmannschaft, ist in Wirklichkeit die Krankenakte eines einzelnen Spielers: Neben einem Sprunggelenksbruch finden sich dort ein doppelter Schienbeinbruch, Operationen am Magen und Rippenbrüche wieder. Der Stockumer Fußballer, der gerade mal 23 Jahre alt ist, kommt trotzdem immer wieder – und ist seit einiger Zeit endlich mal schmerzfrei.

„Das war ein absolutes Scheißgefühl“, bringt es Tim Flüß auf den Punkt. Der Stockumer erinnert sich an den Moment seiner letzten schweren Verletzung: Ein doppelter Schienbeinbruch vor über einem Jahr. Damals legte er ein kurzes Intermezzo bei der zweiten Mannschaft des SSV Hamm in der Kreisliga C ein – weil er nach Rippenbrüchen etwas kürzer treten wollte und vom SV Stockum zu seinem Jugendverein wechselte.

Eine grausame Ironie des Schicksals, dass er sich dann gleich im ersten Spiel erneut derartig schlimm verletzte und wieder lange ausfiel.

Tim Flüß - mittlerweile wieder für den SV Stockum unterwegs - lässt sich nicht unterkriegen.
Tim Flüß – mittlerweile wieder für den SV Stockum unterwegs – lässt sich nicht unterkriegen. © David Döring © David Döring

Mehrfach stand auch das Karriere-Ende für Flüß zur Debatte. Zunächst machten die Ärzte ihm nach seinem Schienbeinbruch wenig Hoffnung. „Der Arzt kam nachts in mein Zimmer und sagte, dass er nachsehen wolle, ob er mein Bein denn überhaupt wieder gerade hinbekommen habe“, erzählt Flüß.

Weder die Ärzte noch er selbst glaubten zu dem Zeitpunkt, dass der 23-Jährige nochmal Fußball spielen würde. Nach Operationen am Magen in der Kindheit und einem Bruch des Sprunggelenks in der Jugend war Flüß‘ Krankenakte also um einen Eintrag erweitert.

Und doch stand Flüß in der aktuell unterbrochenen Spielzeit in allen Partien für den SV Stockum auf dem Platz. Denn nach der Operation am Schienbein erkundigte sich Yassine Najih, Geschäftsführer des SV, bei seinem ehemaligen Spieler. „Er hat mich mental wieder aufgebaut, mir seine Hilfe angeboten“, erinnert sich Flüß, der zu dem Zeitpunkt ja noch bei Hamm unter Vertrag stand, zurück.

„Dass ich mich bei ihm gemeldet habe, war für mich selbstverständlich“, berichtet Najih, „wir hatten auch nach seinem Wechsel immer wieder Kontakt. Tim war erstmal überrascht, als ich ihm gesagt habe, dass er das wieder hinkriegt“.

Flüß hat Spaß am Fußball

Aus der Überraschung wurde bei Flüß aber schnell Zuversicht. Und weil Najih den gesamten Prozess der Rekonvaleszenz über mit ihm im Austausch war, reifte der Gedanke, es nochmal bei Stockum zu versuchen.

„Von seiner Qualität her waren wir sehr gut beraten, ihn zu uns zurückzuholen. Aber auch als Typ ist Tim super, solche Spieler will man unbedingt in der Mannschaft haben“, sagt Najih. Auch Flüß ist froh, seit dem Sommer wieder für Stockum zu spielen: „Ich fühle mich extrem wohl hier, mit der Mannschaft macht es einfach Spaß.“

Spaß ist ein gutes Stichwort, denn den hat der 23-Jährige am Fußball nie verloren. Kein Wunder also, dass ihm die aktuelle Pause weh tut: „Ich hoffe jeden Tag, dass die Corona-Zahlen runtergehen und das Training wieder in den Bereich des Möglichen rückt.“ Das beschreibt den Charakter Flüß‘ genau richtig, wie Najih findet: „Der Junge hat eine super Grundeinstellung, ist immer positiv. Da muss man ihn manchmal sogar bremsen.“

Noch bremst die Pandemie Tim Flüß aus. Um sich fit zu halten, geht er laufen – ein vollwertiger Ersatz ist das aber nicht. Eine erneute Operation steht dem 23-Jährigen ohnehin noch bevor: „Ich habe noch Metallstränge und Schrauben im Bein, die rausmüssen.“

Wenn er diesen Eingriff hinter sich gebracht hat, kann Flüß wieder Vollgas geben – und mit seiner Art auch andere motivieren. „Er begeistert und beeindruckt mich. Den wollen wir bei uns nicht missen, weil er uns alle mitreißen kann“, sagt Najih abschließend.

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Seit 2019 als freier Mitarbeiter für Lensing Media im Einsatz. Hat ein Faible für sämtliche Ballsportarten und interessiert sich für die Menschen, die den Sport betreiben - von der Champions League bis zur Kreisliga.
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