Zweiter Versuch für die erste Solaranlage auf freiem Feld in Unna

dzSonnenstrom für 150 Haushalte

Ein Acker in der Hemmerder Bauerschaft Vinning soll künftig Strom statt Gemüse hervorbringen. Einem neuen Antrag für einen Solarpark steht die Stadt Unna aufgeschlossen gegenüber.

Hemmerde

, 18.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Bau weiterer Windkraftanlagen ist in Unna kaum möglich. Die Sonne gilt als einzige Quelle von Öko-Energie im Stadtgebiet, deren Nutzung noch weiter ausgebaut werden kann. Bisher wurden und werden Photovoltaikanlagen (PV) auf Gebäudedächern installiert, auf Freiflächen in Unna noch nicht. Das könnte sich bald ändern. Als vor einigen Wochen die Anfrage eines Investors bekannt wurde, der ein Feld nördlich der B1 bei Mühlhausen für Photovoltaik nutzbar machen wollte, begegneten die Verantwortlichen dem Ansinnen mit großer Skepsis.

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Da ein von vielen geschätzter Ausblick in die freie Landschaft mit den glänzenden Solarzellen zugebaut worden wäre, sahen selbst die Bündnisgrünen das Projekt kritisch. Der städtische Baudirektor riet davon ab, die Überplanung des Feldes zuzulassen. Das Projekt an der Stelle ist damit praktisch gestorben.

Nun liegt die zweite Anfrage dieser Art auf dem Tisch, und die Sache sieht etwas anders aus. Der Plan: Auf einem Ackerstreifen in der Bauerschaft Vinning soll ein 1,8 Hektar großer Solarpark errichtet werden.

Zweiter Versuch für die erste Solaranlage auf freiem Feld in Unna

Die Karte zeigt die Fläche neben der A44 (rot markiert), die für den Bau einer mittelgroßen Photovoltaikanlage nutzbar gemacht werden soll.

Anders als die Fläche in Mühlhausen wäre diese praktisch unsichtbar. Ein dichter Gehölzstreifen trennt das Feld von der A44, sodass es selbst von der Autobahn aus nicht zu sehen wäre.

Das Konzept des Unternehmens, das die Anlage planen würde, könnte außerdem einen weiteren Kritikpunkt außer Kraft setzen. So warf der CDU-Fraktionsvorsitzende Rudolf Fröhlich die Frage auf, ob es sinnvoll sei, „wertvolle Ackerflächen“ für solche Photovoltaikanlagen zu opfern. Björn Merkord (Bündnisgrüne) ist ähnlich besorgt. Acker- und Freiflächen seien knapp. Aber er sieht Chancen. Eventuell könne der Acker unter Solarzellen ja noch genutzt werden. Er kenne Beispiele aus Süddeutschland, bei denen das funktioniere, berichtete Merkord im Stadtentwicklungsausschuss.

Über das Projekt

Erste Photovoltaikanlage auf einer Freifläche

Rund 1,8 Hektar groß ist die Fläche, die im Rahmen des privaten Projekts für Photovoltaik nutzbar gemacht werden soll. Sie liegt südlich von Hemmerde, in Vinning direkt an der A44. Die geplante Photovoltaikanlage hätte eine installierte Leistung von 750 kWp. Das wäre fast so viel wie die Gesamtleistung der 16 Anlagen, die die Stadtwerke Unna auf öffentlichen Gebäuden installiert haben. Die Planer des neuen Projekts rechnen vor, dass mit der Anlage rund 150 Haushalte versorgt werden könnten.

Der Stadtrat kann ein Photovoltaikprojekt auf einer Freifläche ermöglichen oder verhindern, da er festlegt, wie eine Fläche genutzt werden darf. Das Feld, das nun in Vinning infrage kommt, steht im Flächennutzungsplan bisher als Fläche für die Landwirtschaft. Es müsste offiziell umgewidmet werden, wenn darauf Solarzellen gebaut werden sollen. Und diese Änderung kann nur der Stadtrat beschließen. Es erscheint derzeit durchaus möglich, dass er es tun könnte.

Im Stadtentwicklungsausschuss verständigte man sich mit der Stadtverwaltung darauf, dass der Vorhabenträger sein Projekt in einer der nächsten Sitzungen vorstellen soll.

Wiese ohne Schafe

Landwirtschaftlich nutzbar wäre diese Fläche tatsächlich nicht mehr. Uwe von Hofen, Leiter des Planungsamts, erklärte, das Feld sei nach einer Bebauung mit PV-Anlagen maximal noch als extensives Grünland nutzbar. Einer weiteren Anfrage der Grünen musste er eine Absage erteilen: Ob denn vielleicht Schaffe zwischen den Solarpanelen würden grasen können? Von Hofen berichtete von seinen Erfahrungen aus früheren Planungstätigkeiten: „Schafe schubbern sich gern den Rücken. Das können die Solaranlagen nicht haben.“ Einen ökologischen Wert hätte extensives Grünland aber durchaus: Dieter Röttger von der Firma Entegro, der diese Anlage plant, berichtet von bedrohten Vogelarten, die zwischen Solarpanelen dieser Art am Boden nisten. „Wiesenpieper und Feldlerche siedeln sich in solchen Solarparks an.“ Gerade bodenbrütende Vögel haben es ansonsten inzwischen sehr schwer in der Kulturlandschaft: Die mechanische Bearbeitung bewirtschafteter Felder in kurzer Folge und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln führen dazu, dass bestimmte Arten sich nicht mehr ausreichend fortpflanzen können. Wächst nur Gras, passiert das alles nicht.

Zweiter Versuch für die erste Solaranlage auf freiem Feld in Unna

Die Feldlerche ist „Vogel des Jahres 2019“. Der Nabu weist mit diesem Titel auf Vogelarten hin, die bedroht sind. Weitere Informationen gibt es im Internet. © Manfred Delpho

Ein zweiter ökologischer Vorteil liegt laut Röttger in der vergleichsweise leichten Bauweise. Die Pfosten der Solarmodule würden lediglich in den Erdboden gerammt, es müsste dafür keine Fläche versiegelt werden. Sollte das irgendwann nötig sein, könnte die Anlage wieder abgebaut werden; zurück bliebe ein grünes Feld wie vorher, keine Brache. Wirtschaftlich interessant sei ein Projekt wie dieses unter anderem aufgrund eines spürbaren Preisverfalls bei Solartechnik, sagt Photovoltaikunternehmer Röttger.

Über Entegro

Solarstrom mit Knowhow aus Fröndenberg

Die Firma Entegro mit Sitz in Fröndenberg gibt es seit 2007. Sie plant und baut Photovoltaikanlagen auf privaten Hausdächern, landwirtschaftlichen oder industriellen Gebäuden und Freiflächen. Geschäftsführer sind die zwei Brüder Dieter und Thomas Röttger. Zu den Referenzen gehört ein Solarpark auf der ehemaligen Deponie Grevel. Daran ist auch die Energiegenossenschaft unter dem Dach der Stadtwerke Unna beteiligt. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Unternehmens.

Ein Baustein der Wirtschaftlichkeit ist eine Förderung nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Und diese gebe es unter anderem für Projekte neben Eisenbahn- oder Autobahntrassen wie in diesem Fall. Vom Solarfeld in der Vinninger Einöde müsste der Strom allerdings auch weitertransportiert werden. Darüber haben sich die Planer schon Gedanken gemacht. Es gebe bereits eine Anfrage bei den Stadtwerken, ob eine in der Nähe verlaufende Stromleitung genutzt werden könnte, berichtet Dieter Röttger.

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