Bei der Eröffnung des Schnelltestzentrums in der Eissporthalle zeigte sich das Personal des privatwirtschaftlichen Betreibers freundlich und hilfsbereit. Nun allerdings hat ein Unnaer dort eine Erfahrung gemacht, die den Willen zur Hilfe vermissen ließ. © Udo Hennes (Archiv)
Coronavirus

Zwei Tage zu früh, kein Booster: Ruf nach mehr Augenmaß im Impfzentrum

Beim Impfen und Testen muss Deutschland mehr schaffen, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. Doch es liegt nicht nur am Bürger, wie einige Erlebnisberichte zeigen. Viele klagen über zu starre Regeln.

Abgekämpft vom einen Kilometer langen Fußmarsch – der nächste Parkplatz war so weit weg – liegt sich ein Ehepaar, wohl über 80, weinend in den Armen. Angst vor den steigenden Infektionszahlen hatte die beiden Senioren zum Impfzentrum getrieben, um sich eine Booster-Impfung geben zu lassen. Doch nun waren die beiden abgewiesen worden.

Begründung: Die Sechs-Monats-Frist nach ihrer zweiten Impfung lief erst in neun Tagen ab. Die Karenzzeit, die fürs Boostern gewährt wird, liegt bei sieben Tagen.

Zwei Tage zu früh: keine Impfung. Das ist eine von drei Zurückweisungen, die ein Leser unserer Zeitung nun aus einem Zeitfenster von nur 15 Minuten berichtet. Er selbst war gleich vier Wochen zu früh dran, insgesamt seien innerhalb der Viertelstunde fünf Impfwillige unverrichtet von dannen gezogen. Ihn persönlich ärgert, dass man ihm nicht einmal ein Gespräch mit dem Impfarzt gewährt hätte.

Fälle wie dieser werden unserer Redaktion derzeit fast täglich zugetragen. Enttäuschte Bürger schildern ihr Unverständnis über starre Regeln im Impfzentrum. Die Kritik richtet sich weniger gegen die Mitarbeiter dort, die sich immerhin auf geltende Erlasse berufen können, sondern gegen die Vorgaben selbst. Denn: Mit den Aufrufen, sich boostern zu lassen, und mit Expertenauffassungen, dass dies auch nach vier Monaten schon sinnvoll sein könne, habe das tagesgenaue Festhalten an den Fristen wenig zu tun.

Kein Termin, kein Schnelltest

Doch diese Starre erleben Unnaer Bürger nicht allein im Impfzentrum. Auch bei einem Besuch am Testzentrum in der Eishalle ist ein Leser unserer Zeitung nun abgewiesen worden. Mit seiner Frau zusammen wollte er kurzfristig und daher ohne Termin einen anerkannten Schnelltest mit Beleg bekommen. Er und seine Gattin seien zu diesem Zeitpunkt die einzigen Testwilligen gewesen, die sich dort einfanden. Drei augenscheinlich unbeschäftigte Mitarbeiter warteten dort, wiesen die beiden aber ab – und dazu auf einen Aushang hin, dass es die Tests nur mit Termin gebe.

Die theoretische Möglichkeit, vor Ort noch einen „Soforttermin“ zu buchen, wie es bei vielen Apotheken in der Innenstadt möglich ist, erwies sich als nicht machbar: Ein internetfähiges Smartphone besitzt der Senior nicht, und die Herren im Testcenter wollten auch nicht helfen. Auch hier reagiert der Bürger, der sich im Kampf gegen Corona auf eines der vorhandenen Angebote stützen wollte, mit Kopfschütteln: Etwas mehr Flexibilität und ein echter Wille, den Menschen tatsächlich zu helfen, wäre der Sache durchaus dienlich.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka

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