So (un)pünktlich sind die Eisenbahnlinien rund um Unna

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Keines Staus, kein Kohlendioxid, keine Parkplatzsuche und nicht mal Ärgern über andere Verkehrsteilnehmer: In der Theorie ist Bahnfahren ein vernünftiger Beitrag zur Verkehrswende. Die Praxis – hat Tücken.

Unna

, 18.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Etwa 25 Minuten Verspätung sagt die Fahrgastinformation am Bahnsteig voraus. Am Ende mögen es dann wohl 27 sein – bei einem Zug, der eigentlich im 30-Minuten-Takt fahren sollte. „Das ist doch eigentlich schon ein Zugausfall“, meint ein Herr mittleren Alters, der gerade Feierabend hat und eigentlich nur nach Hause will. „Wenn das nicht besser wird, kann ich auch wieder mit dem Auto fahren. Das war‘s dann mit der Umweltfreundlichkeit.“

Die RB 59 ist für Fahrgäste immer wieder eine Geduldsprobe. Das weiß jeder, der von Unna aus mit dem Zug nach Dortmund oder über die Hellwegdörfer nach Werl oder Soest fahren will. Gerade zu Stoßzeiten unter der Woche ist man gut beraten, mindestens einen Zug Verspätung einzukalkulieren. Dabei ist die Hellweg-Bahn noch nicht einmal die unzuverlässigste unter den Zugverbindungen ab Unna.

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Der umweltschonende Aspekt des Bahnfahrens rückt die Zuverlässigkeit des Schienenverkehrs verstärkt in den Blickpunkt. Der Bürgerverein „Wir für Unna“ erfragt sie nun für Unnas vielleicht wichtigste Bahnlinie RB 59 im Rathaus. Dabei sind die Daten öffentlich verfügbar, nachzulesen im Qualitätsbericht des Zweckverbandes NWL. Um es kurz zusammenzufassen: Es ist ein Bild mit Licht und Schatten. Wobei letztere sogar künstlich aufgehellt sind.

„Pünktlich wie die Eisenbahn“ ist ein Zug noch mit 3:59 Minuten Verspätung

Eine Zugverspätung im Sinne der Statistiken nämlich beginnt erst dann, wenn ein Zug an einem definierten Kontrollpunkt mit mindestens vier Minuten Verspätung einfährt. Würden alle Züge in NRW mit exakt 3:59 Minuten Verspätung in den Bahnhof kommen, läge die Punktlichkeitsquote bei 100 Prozent. Einschließlich dieses Puffers leisten zumindest einige der in Unna verkehrenden Bahnen durchaus beachtliche Zuverlässigkeit.

Die pünktlichste Linie ab Bahnhof Unna ist die Hönnetal-Bahn nach Menden. Sie steht mit einer „Pünktlichkeit“ von 96,9 Prozent im Qualitätsbericht des NWL und ist dabei sogar die drittbeste Linie im Verbund. Die Hellweg-Bahn RB 59 kommt in 91,2 Prozent der Fälle „pünktlich“. Der RE13 nach Hamm oder Venlo erreicht nur noch 86,7 Prozent der relativen Pünktlichkeit, liegt dabei aber immer noch unter einem verbundweiten Durchschnitt von 84,4 Prozent, den der NWL selbst beklagt. Am Ende der Tabelle geht es aber immer noch schlechter: Der RE7, der Unna auf der weiten Reise von Rheine nach Krefeld passiert, ist in dreiviertel aller Fälle annähernd pünktlich. Da hilft auch der Vier-Minuten-Puffer nichts.

Die Züge sind nicht nur unzuverlässig, sondern oft auch etwas schäbig

Klagen über die Bahn sind auf den Bahnsteigen in Unna aber nicht nur der Pünktlichkeit geschuldet. Manchmal kommen die Züge ja auch gar nicht. Das geschah im im Betrachtungszeitraum 2018 fast doppelt so oft wie im Vorjahr, beklagt der NWL in seinem Bericht, nämlich bei 4,62 Prozent aller vorgesehenen Fahrten. Gemessen daran fuhren die Züge nach und ab Unna tatsächlich verlässlicher.

Tun sie es mal nicht, ist guter Rat teuer – und an den Bahnhöfen in Unna nur schwer zu bekommen. Selbst am Hauptbahnhof im Norden der Innenstadt gibt es keinen dauerhaften Ansprechpartner, beklagt „Wir für Unna“ in einem Brief an den Bürgermeister. Mit dem NWL-Qualitätsbericht in der Hand ist zu ergänzen: In den Zügen sieht es manchmal nicht besser aus. Nur auf zwei von drei Fahrten geht ein Zugbegleiter durch die Abteile.

So (un)pünktlich sind die Eisenbahnlinien rund um Unna

Menschliche Ansprechpartner sind selbst am Hauptbahnhof in Unna eine Ausnahme. Fahrgastinformationen gibt es über den Monitor. © Sebastian Smulka

Die Not mit der Notdurft

Vielleicht hat es damit zu tun, dass manch ein menschliches Problem, das auch am Arbeitsplatz bewältigt sein will, in den Zügen nicht immer zu verrichten ist. Denn der NWL schickt auch „Profitester“ auf Touren, um den Zustand der Züge zu inspizieren. Gewisse Reinlichkeitsmängel finden sie fast überall. In jedem siebten bis achten Zug war überdies die Toilette kaputt.

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