Keine Ehre, sondern Mahnung: Zusatzschilder für belastete Straßennamen hängen

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Wie in vielen anderen Städten gibt es auch in Unna Straßen, deren Namen auf historisch belastete Personen oder Orte zurückgehen. In Unna informieren jetzt Zusatzschilder über Hintergründe.

Unna

, 13.12.2019, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Überall in Deutschland gibt es Straßen und Plätze, die nach Personen oder Orten benannt sind, die als belastet eingestuft werden müssen. Wie die Städte und Gemeinden damit umgehen, ist unterschiedlich. Zum Teil werden Straßen umbenannt, in vielen Fällen verweisen aber auch Zusatzschilder auf die Hintergründe.

Für zusätzliche Schilder hat sich auch Unna entschieden. Drei Straßen dürfen also ihren Namen daher behalten. Betroffen sind die Sedanstraße, die Wagenfeldstraße und die Lerschstraße. Am Freitag brachten Mitarbeiter der beauftragten Firma die Zusatzschilder an.

Bei dieser Gelegenheit betonte Unnas Beigeordnete Kerstin Heidler, dass die Namensgebung für die Straßen keine Ehrung der Personen oder historischen Ereignisse sein soll: „Das ist jetzt eine Mahnung.“ Darauf weisen auch die Texte zu den drei Namensgebern hin:

  • Sedanstraße: „Schlacht bei Sedan, 1.-2.9.1870 Stadt in Nordostfrankreich [gesprochen sədɑ̃]. Die siegreiche Schlacht führte zur Gründung des Deutschen Reiches und beförderte ein Überheblichkeitsdenken gegenüber Frankreich. Zur mahnenden Erinnerung an tausende getöteter Soldaten unterschiedlicher Nationen.“
  • Lerschstraße: „Heinrich Lersch, *12.9.1889 in Mönchengladbach +18.6.1936 in Remagen. Bekannter Arbeiterdichter, verherrlichte das Sterben im Ersten Weltkrieg. Feierte Hitler als messianischen Hoffnungsträger und schwor ihm öffentlich treueste Gefolgschaft, Mitglied der NSDAP. Zur mahnenden Erinnerung.“
  • Wagenfeldstraße: „Karl Wagenfeld, *5.4.1869 in Lüdinghausen +19.12.1939 in Münster. Bedeutender plattdeutscher Schriftsteller mit völkisch-nationalistischem Weltbild, Mitbegründer des Westfälischen Heimatbundes. Propagandist des Nationalsozialismus, Mitglied der NSDAP. Zur mahnenden Erinnerung.“

Erarbeitet wurden die Texte von Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, die dies in einer Projektarbeit mit Unnas früherem Stadtarchivar Thomas Wardenga und später mit dessen Nachfolger Dr. Frank Ahland taten.

Keine Ehre, sondern Mahnung: Zusatzschilder für belastete Straßennamen hängen

Kulturbereichsleiterin Sigrun Krauß (l.) und die Beigeordnete Kerstin Heidler zeigen die Schilder für die Lerschstraße und die Wagenfeldstraße. © Stadt Unna

„Ich finde es wichtig, dass Menschen erfahren, wer die Namensgeber sind“, erklärte Kerstin Heidler. Kulturbereichsleiterin Sigrun Krauß freut sich besonders, dass Schülerinnen und Schüler die Texte erarbeitet haben: „Das ist wertvolle historische Bildung.“

Zu übersehen sind die neuen Zusatzschilder nicht, sind sie doch deutlich größer als die Schilder mit den eigentlichen Straßennamen. Das praktizieren andere Städte – etwa Werne – durchaus anders. Dort sind die Schilder und die Schrift darauf deutlich kleiner.

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