Wegen Corona: Zurbrüggen muss Restaurant geschlossen halten aber auch Personal einstellen

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Das Möbelhaus Zurbrüggen ist von Corona in diesem Jahr mehrfach betroffen. Aktuell muss das Restaurant wieder geschlossen bleiben. Personal abbauen muss der Möbelriese aber nicht - im Gegenteil.

Unna

, 13.11.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Auswirkungen der Coronakrise 2020 auf das Einrichtungshaus Zurbrüggen sind vielfältig. Das Unternehmen ist nicht nur im Einzelhandel aktiv, sondern auch in der Gastronomie. Und nicht alles, was die Pandemie in diesem Jahr bewirkt hat, ist negativ.

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Eines vorweg: Es gibt im Zurbrüggen-Restaurant derzeit weder Cordon bleu noch Kaffee und Kuchen. Werbeprospekte auf dem aktuellen Stand zu halten, ist in diesen Tagen eine große Herausforderung. Diese Druckwerke haben einige Wochen Vorlauf, und so wirbt Zurbrüggen derzeit ungewollt mit den Angeboten in seinen Restaurants, obwohl diese natürlich wie alle gastronomischen Betriebe derzeit keine Gäste begrüßen dürfen. Die gedruckte Werbung für die Gastronomie im Möbelhaus entstand, als die aktuellen Umstände noch nicht vorherzusehen waren: Jetzt herrscht Lockdown, und die Behörden unterscheiden nicht zwischen einem Restaurant in der Unnaer Fußgängerzone und einem im großen Einrichtungshaus an der Feldstraße.

Betrieb im Restaurant war wieder gut angelaufen

Dabei sei der Betrieb in den Restaurants sogar wieder einigermaßen gut angelaufen, berichtet Christian Zurbrüggen, gemeinsam mit seinem Bruder Geschäftsführer des Unternehmens. Im Zuge der ersten Corona-Welle im Frühjahr musste die Gastronomie schließen. Als sie dann wieder öffnen durfte, sei die Nachfrage zunächst verhalten gewesen. Nach den Sommerferien aber hätten viele dann wohl die Scheu abgelegt und in den Restaurants recht gute Umsätze ermöglicht, berichtet Zurbrüggen. Die Kunden hätten das strikte Hygienekonzept gut angenommen.

Einrichtungshaus-Geschäftsführer Christian Zurbrüggen lobt die Disziplin seiner Mitarbeiter - wertvoll für die Bewältigung der Corona-Pandemie.

Einrichtungshaus-Geschäftsführer Christian Zurbrüggen lobt die Disziplin seiner Mitarbeiter - wertvoll für die Bewältigung der Corona-Pandemie. © Zurbrüggen

Mitarbeiter in Kurzarbeit oder in anderen Abteilungen

„Von daher ist es schade, dass jetzt die zweite Welle da ist.“ Alle Gastronomiebetriebe müssen im November aufgrund des „Lockdown light“ geschlossen bleiben, dürfen allenfalls Speisen außer Haus verkaufen. „Darüber kann man politisch vielleicht diskutieren. Aber man muss es hinnehmen“, sagt Zurbrüggen.

Praktisch bedeutet der Lockdown, dass Mitarbeiter, die bisher Gäste bekocht oder bedient haben, in Kurzarbeit geschickt werden. Allerdings nicht alle: Etwa die Hälfte der Gastronomie-Angestellten könnten an anderen Stellen im Unternehmen eingesetzt werden.

Corona lässt die Menschen wieder ihre Wohnung entdecken

„Wir sind froh, dass der Einzelhandel vom zweiten Lockdown nicht betroffen ist.“ Das Geschäft mit Möbeln, Dekorations_-und Einrichtungsgegenständen läuft gar nicht schlecht. Für viele Menschen seien „Wohnung und Haus in den Vordergrund gerückt wie noch nie“, so Zurbrüggen. So konnten aufgrund der Pandemie viele in diesem Jahr nicht in den Urlaub fahren, und viele haben dadurch ihr Zuhause neu entdeckt, sich hier und da Neues gegönnt. So habe man nach dem ersten Lockdown gute Umsätze gemacht und vieles wieder aufholen können, berichtet der Geschäftsführer.

Viel Aufwand im Hintergrund

Der Betrieb sei aber auch mit erheblichen Anstrengungen verbunden gewesen an Stellen, die der Kunde gar nicht sieht. Büros wurden auseinander gezogen, Mitarbeiter teils ins Homeoffice geschickt. Auch bei Zurbrüggen wurden viele Plexiglasscheiben eingebaut und man achtet intensiv darauf, dass die Menschen genug Abstand zueinander einhalten.

Ein Blick ins große Zurbrüggen-Lager in Bönen: Viel Arbeit passiert jenseits der Ausstellungs- und Verkaufsräume im Einrichtungshaus. Viele Kunden nutzen Online-Angebote.

Ein Blick ins große Zurbrüggen-Lager in Bönen: Viel Arbeit passiert jenseits der Ausstellungs- und Verkaufsräume im Einrichtungshaus. Viele Kunden nutzen Online-Angebote. © Archiv

Disziplin hält Unternehmen weitgehend gesund

„Ich muss auch unsere Mitarbeiter für ihre Disziplin loben“, sagt der Chef. Alle Beteiligten hielten sich zuverlässig an die notwendigen Regeln, offenbar auch in ihrem Privatleben. Gradmesser dafür sind Infizierte innerhalb des Unternehmens, die an einer Hand abzuzählen sind. Nur „ein bis zwei Fälle“ bei insgesamt 650 Mitarbeitern in Unna und Bönen bedeuten, dass man bisher ganz gut davon gekommen ist bei Zurbrüggen.

Kunden kommen, aber nicht wie in Vorjahren

Jetzt ist Herbst, und die Jahreszeit bringt normalerweise viele Kunden in die Einrichtungshäuser. Die Kundenfrequenz sei hoch, so Zurbrüggen, allerdings nicht auf dem Niveau der Vorjahre. In einem geräumigen Möbelhaus können Kunden einander besser aus dem Weg gehen als im Einzelhandel auf beengterem Raum. Dennoch beobachtet man auch bei Zurbrüggen, dass mancher nun bevorzugt von zuhause aus einkauft. Die Prognose aus dem Frühling, dass das Online-Geschäft in diesem Jahr die Erwartungen übertreffen würde, bewahrheitet sich. Seit dem März hätten sich die Umsatzzahlen im Onlinehandel verdoppelt, berichtet Zurbrüggen.

Zusätzliches Personal für das Online-Geschäft

Deswegen gebe es an dieser Stelle auch einen positiven Effekt auf den Arbeitsmarkt. „Wir haben Personal aufgebaut.“ Für das Packen, Sortieren und Abarbeiten der via Internet bestellten Waren beispielsweise seien zusätzliche Mitarbeiter eingestellt worden.

Christian Zurbrüggen rechnet damit, dass diese Verlagerung von der Fläche der Einrichtungshäuser ins Internet von Dauer sein wird. „Ich glaube, dass diese Entwicklung nicht nachlassen wird.“

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