Tauben-Anschlag in Unna vielleicht nur die Spitze des Eisbergs

dzTierschutz

Dass eine Autofahrerin ihren Wagen absichtlich in einen Taubenschwarm lenkt, löst beim Tierschutzverein in Unna Bestürzung aus, aber keine Überraschung. Der Verein erlebt immer mehr vergleichbare Fälle.

Unna

, 29.05.2020, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Fall der absichtlich überfahrenen Taube von der Hertingerstraße ist für Ursula Horn so etwas wie die Spitze des Eisbergs: In einem erschreckenden Sinne herausragend, aber letztlich nur Teil eines sehr viel größeren Problems. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Unna spricht von einem regelrechten Hass auf bestimmte Vogelarten, der aktuell stark zuzunehmen scheine.

„Es hat mich nicht überrascht, mit welcher Grausamkeit Menschen gerade in unserer Stadt gegen diese Lebewesen vorgehen“, reagierte Horn nun auf den Bericht über das Attentat auf den Taubenschwarm.

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„In unserem Verein bemühen wir uns seit langem auch um verletzte Vögel, aber in den letzten Wochen ist uns eine solche Anzahl von verletzten und/oder misshandelten Elstern, Krähen und besonders Tauben gemeldet worden, dass wir kaum noch Pflege- und Aufzuchtquartiere ausfindig machen können. Die Verletzungen der meisten Vögel, die den Hass der Menschen zu spüren bekommen haben, sind so schwer, dass unsere Tierärzte sie nur noch von ihrem Leiden erlösen können.“

Hass gegen Tiere – und gegen Tierschützer

Ursula Horn spricht unter anderem von gebrochenen Flügeln, abgeschnittenen Füßchen und zerstörten Nestern. Neben direkten Gewaltakten gegen Tiere sieht sie aber auch weiterhin das von der Stadt erlassene Fütterungsverbot für Stadttauben in Unna als falsche Strategie, die zu mehr Leid unter den Vögeln führe.

Ebenfalls erschreckend sei, dass jene, die sich für das Wohl der Tiere einsetzen, mitunter selbst Anfeindungen ausgesetzt sehen. So berichtet Horn etwa von einer Frau aus der Innenstadt, die von ihrem Nachbarn bedroht wird, weil sie auf ihrer Fensterbank ein Taubenpärchen füttert.

In dem Fall von Montagabend, auf den Horn mit ihrer Mitteilung Bezug nimmt, haben aber auch Passanten zum Ausdruck gebracht, dass sie den brutalen Umgang mit Tauben durchaus nicht dulden wollen. Als eine Frau mit einem Kleinwagen absichtlich eine Taube überfahren hat, um dann auszusteigen und ihr beim Sterben zuzusehen, riefen mehrere Zeugen die Polizei an, um die Ermittler mit Autokennzeichen und Personenbeschreibung auszustatten.

Die Polizei wird als nächstes den Halter des Fahrzeuges anhören, wer zu dem Tatzeitpunkt am Montagabend das Auto gesteuert hat. Wirbeltiere zu quälen oder grundlos zu töten ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, der sogar mit einer Haftstrafe geahndet werden kann.

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