In der Nacht zum 11. März 2021, brannte im Dachgeschoss eines Hauses am Beethovenring in Unna ein Zimmer. Nun läuft der Prozess gegen den mutmaßlichen Brandstifter. © Michael Neumann
Beethovenring

Zeugen erinnern sich an dramatische Szenen in der Unnaer Brandnacht

Der nächtliche Brand am Beethovenring hat im März für Entsetzen bei den schlafenden Hausbewohnern gesorgt. Vor Gericht erinnerten sich einige am Donnerstag an dramatische Szenen.

Ein 40-jähriger Bewohner soll am 11. März in seinem Zimmer Benzin verschüttet und anschließend angezündet haben. Der Mann gilt als psychisch schwer krank und daher nicht schuldfähig. In dem Prozess vor dem Dortmunder Schwurgericht geht es daher allein um die Frage, ob er unbefristet in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik untergebracht werden muss.

Einrichtung für Wohnungslose

Dass der Beschuldigte schon lange vor der Tat ein auffälliges Verhalten an den Tag legte, bestätigten am Donnerstag mehrere Zeugen. Der Leiter der Einrichtung für ehemalige Obdachlose, in der auch der 40-Jährige ein Zimmer bewohnte, sagte: „Ich glaube, dass er rund vier Wochen vor dem Feuer seine Medikamente abgesetzt hat. Er wurde nämlich immer aggressiver und anstrengender.“

Der Sozialarbeiter kennt den Beschuldigten schon seit Jahren. Normalerweise würde er keine psychisch kranken Bewohner aufnehmen, sagte er den Richtern. Im Fall dieses Mannes habe er Ende 2020 jedoch eine Ausnahme gemacht.

„Eigentlich ist er ganz umgänglich“, sagte der Zeuge. „Er zieht sich gerne zurück und nimmt auch nicht so oft an Gemeinschaftsabenden teil.“ Nachdem er offensichtlich die Medikamente abgesetzt hatte, habe sich dieses Verhalten im Grunde noch einmal verstärkt.

Lauter Knall vor dem Fenster

Für den Einrichtungsleiter kam das nächtliche Feuer dennoch „aus heiterem Himmel“. Und auch die übrigen Bewohner wurden eigenen Angaben zufolge völlig überrascht. „Ich bin durch einen lauten Knall vor meinem Fenster geweckt worden“, erinnerte sich einer von ihnen am Donnerstag.

Nach wenigen Sekunden habe er dann gehört, wie draußen jemand schrie: „Es brennt, es brennt!“ Da habe er dann schnell zugesehen, sein Zimmer zu verlassen. „Direkt über meinem Zimmer ist die Küche. Ich dachte, dass da vielleicht ein Topf mit Fett brennt oder so“, sagte der Zeuge.

Rauchmelder funktionierten nicht

Sämtliche Bewohner des Hauses konnten rechtzeitig gerettet werden. Vor allem der Zeuge hatte seinen Anteil daran. An Hilfe durch Rauchwarnmelder war in dieser Nacht nämlich offenbar nicht zu denken.

„Die wurden damals bei uns regelmäßig ausgebaut“, gab der Einrichtungsleiter zu. „Wenn die Bewohner ihre Shisha rauchen oder auch mal kiffen wollten, hätten sie sonst immer riskiert, dass der Alarm losgeht.“

Nach dem Brand soll im Zuge der Renovierung auch die Anlage ersetzt worden sein.

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