Zerstörte Turmspitze als Denkmal für die Rettung der Unnaer Stadtkirche

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Sie war der Stein des Anstoßes: Nach dem Bruch einer Eckspitze am Turm und der anschließenden Schadensaufnahme wurde klar, wie schlimm es um Unnas Stadtkirche steht. Jetzt kehren die Trümmer zurück.

Unna

, 11.02.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

In „vier-komma-x“ Teilen ist die gebrochene Eckspitze vom Turm der Stadtkirche nach Unna zurückgekehrt. Von den vier Einzelteilen, aus denen die Fiale einst gefertigt worden war, waren noch einige Ausformungen abgeplatzt, als das Bauteil im Januar 2018 von der Turmbalustrade stürzte, um ins Dach einzuschlagen beziehungsweise auf den Kirchplatz zu prallen.

An diesem Dienstag nun luden die Steinmetze diese Trümmerteile – vier große und etliche kleinere – wieder mit dem Kranarm vom Lastwagen ab. Die geborstene Spitze war zum Stammsitz der Steinsanierungs- und Denkmalpflegefirma Crailsheim in Satteldorf in Baden-Württemberg gebracht worden, um sie penibel zu vermessen.

Geborstene Fiale wird bei Turmsanierung durch Nachbau ersetzt

Zu retten ist dieses steinerne Zierelement der Kirche nicht mehr. An seiner Stelle soll während der Sanierung eine Rekonstruktion eingebaut werden. „Selbst wenn man das, was wir hier vor uns sehen, noch aufgearbeitet hätte, wäre nicht auszuschließen gewesen, ob vielleicht noch Haarrisse darin sind“, erklärte Dietrich Schneider, Sprecher des Evangelischen Kirchenkreises, warum diese Spitze nicht wieder im Original eingebaut wird.

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Zu groß war die Wucht, als Sturm Friederike die Steinspitze von der nord-westlichen Ecke des Kirchturms brach und in die Tiefe schleuderte. Ein Teil dieser Spitze schlug seinerzeit durch das Dach der Kirche, trieb dann einen Spalt in eine Gewölbedecke, in dem der Keil stecken blieb. Ein Abpraller vom Dach riss einen Teil der Mauer im Norden des Kirchplatzes nieder, bevor er auf dem Boden landete.

Zerstörte Turmspitze als Denkmal für die Rettung der Unnaer Stadtkirche

Die Reste der Fiale, die im Januar 2018 im Turm der Stadtkirche gestürzt war. Nach der Vermessung für eine Rekonstruktion hat sie für die eigentliche Sanierung der Kirche keine Bedeutung mehr. Die Gemeinde will sie aber für eine Dokumentation des Sturmereignisses und der großen Rettungsaktion für die Stadtkirche verwenden. © Marcel Drawe

Nach dem Aufmaß für die Rekonstruktion dieser Fiale werden deren Trümmer für die eigentliche Sanierung der Stadtkirche gar nicht mehr benötigt. Sie sollen aber erhalten und erlebbar gemacht werden, erklärt Kirchenkreissprecher Dietrich Schneider. „Sie zeigen anschaulich, was bei dem Sturm vor zwei Jahren passiert ist. Unsere Idee ist, sie ganz bewusst für eine Dokumentation dieses Ereignisses einzusetzen.“

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Wie dies konkret geschehen wird, sei noch nicht entschieden, und gute Ideen dazu seien immer willkommen, so Schneider. „Es gibt ja keine Eile damit“, erklärte er, während die Steinmetze die zurückgelieferten Trümmer erst einmal auf Holzpaletten an der Außenmauer der Kirche absetzten. Ob die Trümmer auf dem Kirchplatz in Szene gesetzt werden oder im Innern der Evangelischen Stadtkirche, wie dies genau aussehen könnte – all das sind Fragen der Zukunft.

Zerstörte Turmspitze als Denkmal für die Rettung der Unnaer Stadtkirche

Bis entschieden ist, wie die Trümmerstücke der Fiale in Szene gesetzt werden, lagern sie einfach neben der Außenmauer. Eile ist nicht geboten. © Marcel Drawe

Gegenwärtig geht es an der Stadtkirche erst einmal um die Sanierung des Gotteshauses. Unnas ältestes Gebäude muss eine noch umfangreichere Überarbeitung erfahren, als unmittelbar nach dem Sturmereignis abzusehen war. Denn die Bestandsaufnahme nach dem Bruch der Fiale zeigte noch weitere Gebäudeschäden, die nicht unmittelbar von dem Sturm verursacht worden waren, sondern Folge von Jahrzehnten in der Witterung und mitunter auch konstruktionstechnischen Schwächen und handwerklichen Fehlern der Vergangenheit waren.

An der süd-westlichen Ecke, die stärker als die anderen Wind und Regen ausgesetzt ist, gibt es bedenkliche Schäden am Mauerwerk. Auch die Eindeckung der Turmspitze muss erneuert werden. Die Kupferplatten waren nach heutigen Maßstäben aus zu dünnem Material und zu schwach befestigt, teilweise lose und deformiert. Mindestens bis ins nächste Jahr hinein werden die Arbeiten laufen. Dabei wirft ihre Finanzierung noch Fragen auf.

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