„Wohnungsmarkt für Frauen in Notlagen ist in Unna verheerend“

dzNetzwerk behinderte Frauen

Wird für behinderte oder chronisch kranke Frauen in Unna genug getan? Ein Netzwerk aus Münster ging dieser Frage jetzt nach und hat Ideen entwickelt – zum Beispiel eine „mitlaufende Beleuchtung“.

Unna

, 26.11.2019, 13:14 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Sicher, stark und selbstbestimmt“ lautet der Titel eines Projekts, das sich in der vergangenen Woche Unna als Ort für seine Untersuchungen ausgesucht hat. Zentrale Frage: Wie ergeht es behinderten und chronisch kranken Frauen und Mädchen in Wohnheimen und Werkstätten sowie in ihrer Stadt?

„Wir überlegen, wie diese Frauen und Mädchen mehr am Stadtleben teilnehmen können“, erklärt Projektreferentin Elena Doudis vom Netzwerkbüro Frauen und Mädchen mit Behinderung/chronischer Erkrankung NRW.

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»Wir überlegen, wie diese Frauen und Mädchen mehr am Stadtleben teilnehmen können.«
Elena Doudis, Projektreferentin Netzwerkbüro

Gefragt waren bei dem Regionalen Vernetzungstag die ausschließlich weiblichen Gäste als Expertinnen in eigener Sache. In der Lindenbrauerei trugen unter anderem auch die Frauenbeauftragte der Hellweg-Werkstätten, die Inklusionsbeauftragte des Kreises Unna sowie die Gleichstellungsstelle der Stadt zum Ideenaustausch bei.

Am Ende des Tages mit Vorträgen und Workshops wurden zahlreiche Kritikpunkte ebenso wie Lob und Anregungen zusammengetragen:

  • Mobilität: Trotz des sehr guten Angebots der VKU, eigenständig mit dem „normalen“ Bus zur Werkstatt fahren zu können, sei für manche Frau der Weg zur nächsten Bushaltestelle zu anstrengend, andere können sich schlecht orientieren oder haben Angst vor Busfahrern oder davor, an der Haltestelle oder im Bus „komisch“ angesprochen zu werden. Für Frauen aus Werkstätten für behinderte Menschen ist selbst ein Sozialticket unerschwinglich. Innovative Angebote wie Busfahrtrainings, Taxi-Busse oder Fahrdienste kämen bei einem Teil der Frauen noch nicht an.
  • Stadtgemeinschaft: Der Wunsch nach selbstverständlicher Begegnung im Alltag war hoch. Öffentliche, günstige oder kostenlose Begegnungsmöglichkeiten im Zentrum – vom Café bis zum Fitness- oder Nagelstudio wurden gewünscht. Auch gesonderte Treffmöglichkeiten nur für Frauen (mit und ohne Beeinträchtigung) waren Thema. Zugleich sollen bestehende Angebote, wie zum Beispiel die Familienzentren, weiter „geöffnet“ und bekannt gemacht werden.
    „Wohnungsmarkt für Frauen in Notlagen ist in Unna verheerend“

    Was braucht Unna? Bei der Regionalen Vernetzungstagung Frauen mit Behinderung in der Lindenbrauerei drückten die Teilnehmerinnen ihre Ideen und Wünsche kreativ aus. © Marcel Drawe

    Info

    Einsatz für Belange von Frauen mit Handicap

    • Netzwerk und Netzwerkbüro Frauen und Mädchen mit Behinderung/chronischer Erkrankung NRW setzen sich für die Belange gehandicapter Frauen ein.
    • Das Büro wird vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert und ist in Trägerschaft der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe NRW.
    • Ausführliche Informationen über Projekte und Ziele des Netzwerks sind im Internet abrufbar unter www.netzwerk-nrw.de.
  • Inklusives Wohnen: Alle Arbeitsgruppen betonten die Notwendigkeit, günstigen, zentralen Wohnraum zu schaffen. Gerade für Frauen in schwierigen Lebenssituationen sei der aktuelle Wohnungsmarkt in Unna verheerend, sagt Dr. Monika Rosenbaum, Leiterin des Netzwerkbüros. Die AGs entwickelten verschiedene Ideen für inklusive Wohnprojekte. Wichtig sei auch dass das Zusammenleben verschiedener Menschen im Quartier – ungeachtet ihres Gesundheitszustandes oder ihrer Herkunft.
  • Angsträume: Viele Frauen mit Beeinträchtigung haben Hemmungen, sich in den Wintermonaten abends allein in der Stadt, im Viertel zu bewegen. Das liegt teils an der Angst vor Unfällen, andererseits an der Angst vor möglichen Übergriffen. Gut beleuchtete Gehwege ließen sich zum Beispiel auch sensorgesteuert als „mitlaufende Beleuchtung“ gestalten. Diese Ausleuchtung funktioniert wie bei üblichen Bewegungsmeldern.
  • Ärzte: Elenea Doudis zeigte sich enttäuscht darüber, dass trotz Einladung keine Ärzte zu dem Vernetzungstag erschienen waren. Gern habe man Gynäkologen oder Geburtshelfer ebenfalls nach ihren Erfahrungen und Vorschlägen befragt. Man beobachte ohnehin, dass Ärzte häufig „Berührungsängste“ vor behinderten Frauen hätten und es vorzögen, Gespräche mit der Assistenz der Frauen zu führen.
    „Wohnungsmarkt für Frauen in Notlagen ist in Unna verheerend“

    Auch musikalisch begleitet wurde das Regionale Vernetzungstreffen in der Lindenbrauerei. © Marcel Drawe

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