Wohnung in Unna als Drogenbunker genutzt

dzGerichtsverhandlung

Ein 32-jähriger Mann hatte die falschen Freunde. Seine Wohnung nutzten sie als Drogenbunker. Der Unnaer tauchte unter – mit gravierenden Folgen für ihn selbst.

von Sylvia Mönnig

Unna

, 13.08.2018, 16:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seine neuen Freunde entwickelten sich für einen Unnaer zum Albtraum. Seine Wohnung wurde als Drogen-Bunker genutzt. Drohungen inklusive. Der 32-Jährige verlor alles – auch seine Wohnung und die Freiheit. Nun stand er vor Gericht.

Erst waren die drei Männer, die er 2015 kennenlernte, nur neue Bekannte. Dann jedoch hatte sie die Idee, dass der Unnaer in seiner Wohnung Marihuana lagern könnte. Das würde dann von ihm aus portioniert, verpackt und an die Verkäufer weitergereicht. Letztere sollten auch das Geld dort abgeben. Darüber hinaus sollten der 32-Jährige und sein guter Freund, der damals bei ihm wohnte, ebenfalls für das Trio verkaufen.

Droh-Szenario aufgebaut

Der Lohn: kleine Mengen für den eigenen Bedarf. Was erst wie ein verlockendes Angebot klang, wurde für den Unnaer und seinen Freund zur Falle. Die Hintermänner bauten Druck auf, forderten plötzlich Geld für den Stoff, der als Lohn gedacht war und warfen ihnen vor, Drogengelder der Verkäufer unterschlagen zu haben. Das Ganze wurde zum einzigen Droh-Szenario und gipfelte darin, dass der Freund des 32-Jährigen brutal zusammengeschlagen wurde.

Bewährung „vergessen“

Das war der Moment für die beiden Freunde, ihre Zelte in Unna abzubrechen. Sie tauchten unter, ließen alles zurück. Zuvor wandte sich der Unnaer noch an die Polizei, machte umfassende Angaben und schonte sich dabei auch selbst nicht. Allerdings vergaß er, als er danach von der Bildfläche verschwand, dass er unter laufender Bewährung stand und sich regelmäßig melden musste. Die Konsequenz: Seine Bewährung wurde widerrufen und bis Anfang 2019 muss er nun die Strafe absitzen, die ihm unter normalen Umständen erspart geblieben wäre.

Jetzt befasste sich das Amtsgericht mit dem ungewöhnlichen Fall und der 32-Jährige räumte erneut ein, in drei Fällen jeweils 100 Gramm Marihuana in seiner früheren Wohnung gelagert zu haben und an weiteren Handlungen in dem Kontext beteiligt gewesen zu sein. Ausführlich berichtete er von der Situation, seiner Panik und der anschließenden Flucht. „Es tut mir leid, was passiert ist. Aber ich kann es nicht rückgängig machen.“

Richterin honoriert die Aufklärungshilfe

Die Vertreterin der Anklage und die Richterin glaubten ihm seine Version der Ereignisse, honorierten die Aufklärungshilfe und werteten seine Beteiligung als Drogenhandel in einem minderschweren Fall. Das Verfahren endete mit neun Monaten Haft, die allerdings mit Blick auf die gesamte Situation zur Bewährung ausgesetzt wurden.

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