Ein neuer Laden? Innenstadtnahe Wohnungen? Es ist keine Entweder-Oder-Frage mehr, wenn in Unnas Fußgängerzone neu gebaut wird. Die neuen Geschäftsgebäude sind oft auch reizvolle Unterkünfte.

Unna

, 17.07.2019, 12:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das alte Kaufhaus Arthur Heinze war eine Geschäftsimmobilie durch und durch, das hat Unna in den vergangenen Monaten eindrucksvoll vor Augen geführt bekommen. Der Abriss des zuletzt von Deichmann genutzten Gebäudes war eher eine Demontage.

Stück für Stück wurde das in drei Phasen errichtete Bauwerk vor den Augen der Fußgänger in der Innenstadt seziert. Das Vordach des Weltbild-Ladens gegenüber wurde zur Tribüne für Schaulustige, die dort oft lange verweilten, um das Schauspiel zu verfolgen.

Das Haus schien regelrecht verwachsen mit den Nachbargebäuden. Erwähnenswerte Fenster gab es nur auf der Fassadenseite an der Bahnhofstraße. Für den, der auch im Obergeschoss Schuhe kaufen wollte, mag es einerlei gewesen sein. Als Wohnraum wäre das Haus nach heutigen Maßstäben eine Problemimmobilie.

Neubau nach Plänen von Michael Deterding

Kurz nach dem Abschluss der Abbrucharbeiten legt der Architekt seine Pläne für den Nachfolgebau vor. Gestalterisch wird das Haus ein typischer Deterding, vergleichbar etwa mit dem Objekt, das der Unnaer Baumeister neben dem Kinokomplex am Durchgang von der Massener zur Gürtelstraße vorgelegt hat. Das Nutzungskonzept dahinter hat Michael Deterding natürlich zusammen mit dem Investor entwickelt. Es vereint zwei Trends, die zumindest in Innenstädten im Widerspruch stehen können.

Jetzt lesen

Ein Ladenlokal wird an der Adresse auch nach dem Neubau zu finden sein. Allerdings plant Deterding dafür nur das Erdgeschoss ein. Die nutzbare Fläche wird gegenüber früheren Zeiten in etwa halbiert. Es wäre ein typisches Ladenlokal für einen Textilhändler, und in diese Richtung weist offenbar auch die Interessentenlage. Die oberen Geschosse – in Unnas Fußgängerzone oft mit Büros oder Praxen besetzt – werden als Wohnraum hergerichtet.

Die Bauherren greifen damit einen Trend zum Wohnen in der Innenstadt auf. Gerade ältere Menschen zog es zuletzt zurück in die Zentren, wo sie kurze Wege vorfinden, um neben dem Pflegeaufwand für ein Eigenheim auch auf ein Auto verzichten zu können. Reine Wohnkomplexe, wie sie zuletzt etwa an der Eulenstraße entstanden sind, waren oft schon vor Baubeginn komplett verkauft.

Einkaufen und Wohnen sind in Unnas Innenstadt gute Nachbarn

Stück für Stück war das frühere Deichmann-Gebäude zerlegt worden. Die Arbeiten erlaubten einen interessanten Einblick in die Entstehungsgeschichte der Immobilie über drei Bauphasen hinweg. © Sebastian Smulka

Barrierefrei wohnen mit Platz an der Sonne

Einige der Elemente dort überträgt Deterding nun auch an die wichtigste Einkaufsstraße der Innenstadt. Barrierefreiheit ist heute ein Muss. Ebenso wünschen sich Menschen auch in einer Wohnung noch einen ansprechenden „Freisitz“. Obwohl das neue Gebäude etwas niedriger als der Vorgänger ausfällt, schafft es der Architekt, Terrassen und Dachgärten für die künftigen Bewohner runterzubringen.

Deterding sieht in der Verbindung von Handel und Innenstadtwohnen eine fruchtbare Symbiose. Viele Menschen schätzen inzwischen wieder die praktischen Vorteile einer Stadtwohnung. Andersherum gewinne eine Stadt an Attraktivität, wenn dort auch Menschen wohnen, die die Läden nutzen und für soziale Kontrolle sorgen.

Wiederbelebung nach sieben Jahren Leerstand

Aus Sicht des Handels ist der Neubau allemal willkommen. Seit 2012 stand das Vorgängergebäude leer. Deichmann war mit seiner Unnaer Filiale an den Alten Markt gezogen, musste dem früheren Eigentümer des Geschäftsgebäudes an der Bahnhofstraße aber noch lange Miete zahlen. Erst das Ende des Mietvertrages brachte Bewegung in die Sache – zunächst durch den Verkauf an den heutigen Investor und dann eben auch durch Abriss und Überplanung.

Handelsexperten hatten dies lange ersehnt: Ein Leerstand an so zentraler Stelle in der Fußgängerzone war der Attraktivität der Einkaufsmeile nicht dienlich. Nun aber wächst die Hoffnung auf einen großen Schritt nach vorne. Bereits das Müller-Kaufhaus hat einen Anbieter mit großer Zugkraft an die Bahnhofstraße gebracht und die Fußgängerfrequenz dort gestärkt.

Bauantrag für die Mühle Bremme

Ähnliches wird nun auch für den nördlichen Abschnitt der Innenstadt außerhalb der Kern-Fußgängerzone erwartet: Dass sich im Textilhaus Sinn so schnell ein Nachfolger für P&C gefunden hat, ist von Kaufleuten als Zeichen der Unnaer Standortqualität aufgefasst worden. In noch größeren Dimensionen liegen die Pläne für ein Einkaufszentrum auf dem Grundstück der Mühle Bremme. Für dieses Projekt liegt im Rathaus inzwischen der Bauantrag vor.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger 365-Euro-Ticket

Bus und Bahn für einen Euro am Tag: Billig allein reicht nicht für die Verkehrswende

Meistgelesen