Sebastian Schmidt ist gerne kreativ – und er ist heimatverbunden. Beides zusammen hat zur Gründung von „Luinere Designs“ geführt. In seinem Keller lässt der 31-Jährige Lokalpatriotismus sichtbar werden.

Lünern

, 29.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Ein Arbeitsplatz im Keller? Das scheint angesichts der aktuellen Temperaturen verlockend. Sebastian Schmidts Kleingewerbe nimmt einen Raum im Keller ein. Hier entstehen individuell bedruckte T-Shirts und Pullover. Und da schwindet die Illusion vom kühlen Arbeitsplatz dann schnell: „Die Presse ist wie ein großes Bügeleisen. Sie wird ungefähr 150 Grad warm“, erklärt der 31-Jährige.

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T-Shirts und Pullover bedrucken – das klingt nach den 90er-Jahren, als Copy-Shops Konjunktur hatten und sich Eltern die Fotos ihrer Kinder auf T-Shirts drucken ließen oder die ersten Abiturienten anfingen, ihre Namen auf einen Pullover zu quetschen. Das, was Sebastian Schmidt in seinem Keller macht, ist also eigentlich nicht neu – aber besonders. Denn Schmidts Kleingewerbe heißt „Luinere Designs“ – und der Name ist Programm.

Die Silhouette muss möglichst markant sein

Als „Luiniere“ oder „Liunere“ soll Lünern im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt worden sein. Und Sebastian Schmidt ist Lüneraner – durch und durch. Die Textilien, die er mit der Presse in seinem Keller bedruckt, zieren die Silhouette seines Heimatdorfes. Die evangelische Kirche, die Kapelle, der Bahnhof, der Maibaum und das Feuerwehrhaus sind zu erkennen. „Wichtig ist, dass man markante Formen nimmt, denn die sind gut zu erkennen und vor allem auch leichter zu schneiden“, erklärt Sebastian Schmidt.

Wieso Lünern eine eigene Modelinie hat

Bis zu 150 Grad heiß wird die Presse, mit der Sebastian Schmidt T-Shirts und Pullover mit individuellen Schriftzügen bedruckt. Da hilft auch der an sich kühle Arbeitsplatz im Keller nicht mehr wirklich. © Udo Hennes

Dass er in seinem Keller mal die Silhouette von Lünern aus Folie schneiden und auf Pullover und T-Shirts drucken würde, hätte sich der IT-Fachmann wohl vor ein paar Jahren noch nicht träumen lassen. „Das war vor vier oder fünf Jahren mal so eine Schnapsidee mit einem Kumpel zusammen, dass es doch eigentlich Pullover mit einem Lünern-Schriftzug geben müsste“, erzählt Schmidt. Als Vorbild hatten die beiden die amerikanischen College-Pullover vor Augen.

Die SPD und der SuS Lünern gehören zu seinen Kunden

Als Sebastian Schmidt seinem Kumpel dann so einen Pullover zum Geburtstag schenkte, ging es plötzlich ganz schnell. „Das sprach sich zügig rum. Plötzlich stand ich auf dem Kartoffelfest mit einem Stand und nahm Bestellungen für Pullover entgegen.“ Seine Parteikollegen von der SPD fragten an, ob er ihnen nicht T-Shirts für den Firmenlauf drucken könne und der SuS Lünern wollte seine Aufstiegs-T-Shirts von ihm bedrucken lassen.

„Ich finde es schön, wenn man einen Bezug zu der Kleidung hat, die man trägt.“
Sebastian Schmidt

„Nach 50 T-Shirt-Anfragen habe ich dann ein Kleingewerbe angemeldet“, erzählt Schmidt. Den Webshop zu seiner kleinen Produktion hat er sich selbst gebaut – ein Klacks für jemanden, der im „echten Leben“ IT-Fachmann ist. Ungefähr 200 Pullover mit Lünerns Silhouette hat er mittlerweile verkauft, schätzt er.

„Ich finde es schön, wenn man einen Bezug zu der Kleidung hat, die man trägt. Wenn ich Menschen sehe, die T-Shirts tragen, auf denen Miami Beach oder New York steht, frage ich mich immer: Waren sie schon da? Warum tragen sie gerade dieses Shirt?“

„Lünern“-Shirts tragen fast ausschließlich nur Lüneraner

Wer T-Shirts von „Luinere Designs“ trägt, ist in aller Regel Lüneraner. Aber: „Es gab auch schon mal Anfragen aus Hemmerde“, verrät Schmidt. Und tatsächlich ist der patriotische Lüneraner Sebastian Schmidt sogar bereit, „ortsfremde“ T-Shirts zu bedrucken. „Ich habe schon mal eins für Königsborn gemacht. Da habe ich unter anderem den Friedrichsborn als Motiv genommen.“

Wieso Lünern eine eigene Modelinie hat

Auch Gläser verziert Sebastian Schmidt mittlerweile mit dem Logo Lünerns oder Unnas. © Anna Gemünd

Für ein T-Shirt, das nur einfarbig bedruckt wird und bei dem das aufzudruckende Motiv nicht zu kleinteilig ist, braucht der 31-Jährige ungefähr fünf Minuten. „Das schwierigste ist meistens tatsächlich das Entgittern des Motivs, also das Abziehen der Folienteile, die nicht aufgedruckt werden sollen.“ Für diese Feinarbeit nutzt er übrigens die Werkzeuge eines Zahnarztes: „Ein Zahnsteinentferner ist dafür richtig gut.“

Sind die Motive aufwendiger oder kommt mehr als eine Farbe ins Spiel, dauert die Produktion auch durchaus mal eine Viertelstunde. 25 Euro nimmt Sebastian Schmidt für einen bedruckten Pullover, 15 Euro für ein T-Shirt. Mittlerweile hat er auch nicht-textile Produkte in sein Portfolio aufgenommen: Auch Gläser mit dem Lünern-Motiv gibt es. „Das geht mit Ätzpaste und einem Aufkleber. Allerdings funktioniert das am besten bei Gläsern, die nicht bauchig sind.“

Es wird vermutlich also nur noch eine Frage der Zeit sein, bis der Schützenverein anfragt und seine Biergläser vorbeibringt . . .

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