Wirtschaft lernen am Ticket-Schwarzmarkt

dzVHS Unna

Die Bankenkrise war der Auslöser, die Themen werden wohl nie ausgehen: In der so VHS-Reihe „Ökonomie für jedermann“ gibt es nun Kurs Nummer 20 – und bald einen Dozentenwechsel.

Unna

, 04.11.2018, 16:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als nach der Pleite der Bank „Lehman Brothers“ ein Beben durch die Weltwirtschaft ging, erwachte bei vielen Laien ein neues Interesse daran, wie Wirtschaft überhaupt funktioniert. Gemeinsam mit dem studierten Volkswirt Armin Schumacher wagte die VHS seinerzeit ein Experiment, um die Wissenslücken zu füllen. „Ökonomie für jedermann“ sollte wirtschaftliche Zusammenhänge erstmals nicht nur im Rahmen der Berufsvorbereitung vermitteln und vom Umfang her weit über einen Vortragsabend hinausgehen. Es entwickelte sich eine Reihe, die inzwischen sogar eine kleine Fangemeinde hat. Mancher Kursteilnehmer bucht nicht nur eines der Seminare, sondern macht nach der ersten Teilnahme begeistert weiter. So habe sich inzwischen eine Diskussionskultur auf hohem Niveau entwickelt, und die Teilnehmerschaft decke ein breites Spektrum ab, so Schumacher. Es reiche „vom Kapitalismuskritiker der reinsten Schule bis zum Wirtschafsflügel der CDU“. Und alle hätten gelernt, sachlich miteinander zu diskutieren. Ein „Richtig oder Falsch“ gebe es in ökonomischen Fragen ohnehin selten. Aber wer im Kurs eine bestimmte Meinung vertritt, der müsse sie auch belegen. „Wir halten den Verdummungsfaktor so gering wie möglich“, freut sich Schumacher. So lernten die Teilnehmer, in wirtschaftlichen Fragen nicht auf Sprüche reinzufallen.

Als Dozent setzt der ehemalige Lehrer auf einen populärwissenschaftlichen Ansatz und auf Aha-Erlebnisse. Wie beispielsweise Angebot und Nachfrage und die Kursbildung an der Börse funktionieren, erkundeten er und seine „Schüler“, indem sie den Ticket-Schwarzmarkt am Dortmunder Stadion simulierten. Wichtig sei auch das Entlarven von Vokabeln, mit denen gelogen werde, so Schumacher. Beste Beispiele seien beschönigende Begriffe wie das „Freisetzen“ von Arbeitnehmern oder die „Kostenanpassung“. Wichtig sei es außerdem immer, den Kursraum zu verlassen oder Fachkompetenz hinein zu holen, etwa in Person von Bankvorständen, Bundestagspolitikern oder dem Stadtkämmerer.

Am 8. November beginnt nun Kurs Nummer 20, die Mindest-Teilnehmerzahl zu erreichen, war wieder kein Problem. Und es kündigt sich ein personeller Wechsel an. Mit Rainer Gehl wird nach und nach aus einem begeisterten Teilnehmer der Leiter des Ganzen. Kurserfinder Schumacher möchte mit 75 Jahren kürzer treten. Der pensionierte Geschichts- und Politiklehrer Gehl (67) wird sein Nachfolger. Geplant ist ein schrittweiser Einstieg. Kurs 21 wollen alter und neuer Dozent noch gemeinsam leiten. Und ab Nummer 22 könnte Armin Schumacher dann schon auf der Schülerbank Platz nehmen. Der neue Dozent freut sich bereits auf den vielseitigen Gesprächskreis. „Dieses Angebot entspricht dem klassischen Verständnis der VHS: kritische Bürger entwickeln“, so Gehl.

Detailinformationen zum neuen Kurs gibt es auf der Internetseite der VHS. Klicken Sie hier.
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