Wieso Vorsorge für Hans-Dieter Kubiak mehr als ein guter Vorsatz ist

dzLebensretter

Dass Hans-Dieter Kubiak den bevorstehenden Jahreswechsel ganz entspannt feiern kann, ist alles andere als selbstverständlich. Ein großes Bauchaortenaneurysma hat sein Leben bedroht, ohne dass er das spürte.

Unna

, 28.12.2018, 15:49 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist ein typischer Tag im September 2018. Knapp über 30 Grad erreichen die Temperaturen an diesem Dienstag in Holzwickede. Hans-Dieter Kubiak hat wieder einmal schlecht geschlafen, wie so oft in den vergangenen Monaten. Schuld daran waren aber nicht etwa die auch nachts noch hohen Temperaturen, sondern ein Harndrang, der Kubiak immer wieder zu nächtlichen Toilettengängen zwingt. Kubiak empfindet das als lästig. Schmerzen hat er nicht, dennoch will er seinen Hausarzt aufsuchen. Dr. Jürgen Westermann soll ihm ein Rezept für ein Medikament gegen den Harndrang geben. Damit sollte die Sache erledigt sein, glaubt Kubiak.

Doch der 72-Jährige hat die Rechnung ohne seinen Arzt gemacht. Der schreibt nicht einfach ein Medikament auf, sondern untersucht seinen Patienten ganz genau. Dabei macht er auch ein Ultraschall – und eine erschreckende Entdeckung. Ein riesiges Bauchaortenanoeurysma ist zu sehen, eine unnatürliche Aufweitung der Bauchschlagader. Der Internist weiß: Das kann lebensbedrohend sein. Wenn ein Aneurysma reißt, kommen Operationen meist zu spät.

Überweisung an das EK

„Mein Hausarzt hat Klartext mit mir gesprochen“, berichtet Kubiak rückblickend. Der Mediziner überwies ihn ins Krankenhaus. Und er machte keinen Hehl daraus, dass der Holzwickeder im Evangelischen Krankenhaus (EK) Unna gut aufgehoben wäre. Das EK ist zwar ein kleineres Haus, die Gefäßmedizin ist mit 30 Betten im Vergleich zu anderen Kliniken relativ groß. Chefarzt ist seit dem 1. April Dr. Erik Lorenz Franzen. Er trat die Nachfolge von Dr. Johannes Wilde an, trat damit in große Fußstapfen. Franzen arbeitete davor an der renommierten Charité in Berlin, in Unna fühlt er sich aber ausgesprochen wohl.

Bauchaortenaneurysma

Eine lautlose Gefahr

Ein Bauchaortenaneurysma ist eine Ausbuchtung der Bauchschlagader. Sie wird in der Regel langsam größer. Dadurch wird zugleich die Gefäßwand immer dünner und die Gefahr eines Risses steigt. Wer ein Aneurysma hat, bemerkt das normalerweise nicht, da es keine Schmerzen verursacht. Entdeckt werden kann es bei einer Ultraschalluntersuchung, die bei Menschen über 65 Jahre sinnvoll ist.

Franzen war es auch, der das Aneurysma in Kubiaks Bauch entfernte. Mehrere Stunden dauerte die Operation, bei der ihm der leitende Oberarzt Dr. Andreas Donath assistierte. „Eine solche Operation ist selten. Meist sind Aneurysmen deutlich kleiner“, sagt Franzen. Der Mediziner schätzt, dass im EK jährlich etwa 50 Aneurysma-Operationen durchgeführt werden. Genau weiß er es nicht, Zahlen sind für ihn eher zweitrangig. Der Mensch steht im Vordergrund – und an den Menschen Hans-Dieter Kubiak wird er sich noch lange erinnern können.

Implantat eingesetzt

Bei einer Bauchaneurysma-Operation wird der betroffene Teil der Schlagader durch ein Implantat ersetzt. Weil bei Kubiak auch mehrere Beckenarterien betroffen waren, mussten auch die operiert werden. Kubiaks Becken wird jetzt nur noch einseitig mit Blut versorgt. Das ist übliche Praxis. Nach der Operation und den anschließenden Reha-Maßnahmen in einer Klinik in Bad Waldliesborn kann Kubiak sein Leben ohne besondere Einschränkungen leben.

Und das weiß er zu schätzen. „Eigentlich wollte ich an dem Tag, als ich zum Hausarzt ging, mit meiner Lebensgefährtin noch eine Scheune im Sauerland umräumen. Allein diese Belastung hätte schon zum Reißen des Aneurysmas führen können“, weiß der 72-Jährige heute. Er rät jetzt allen zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Eine Ultraschallaufnahme hätte die Ausbuchtung der Schlagader schon viel früher entdeckt werden können. „Das Problem ist, dass ein solches Aneurysma überhaupt keine Schmerzen verursacht“, weiß Dr. Franzen. Und ohne Leidensdruck sei die Motivation, zum Arzt zu gehen, eben geringer.

Erfolg hat viele Väter

Der Arzt weiß aber auch, dass der Behandlungserfolg in der Regel viele Väter hat. „Ich muss allen danken – dem Hausarzt von Herrn Kubiak, unserem Pflegepersonal im OP und auf der Station und auch der Rehaklinik, mit der wir ja selbst keinen Kontakt haben“, sagt Franzen. Und er fügt hinzu: „So gut kann das laufen, wenn alle Räder perfekt ineinandergreifen.“

Wieso Vorsorge für Hans-Dieter Kubiak mehr als ein guter Vorsatz ist

Dr. Erik Lorenz Franzen, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am EK Unna, zeigt ein Implantat, wie es bei Hans-Dieter Kubiak eingesetzt wurde. © Marcel Drawe

Grundsätzlich kann ein Bauchaortenaneurysma jeden treffen. Es kann entstehen, wenn die Elastizität der Gefäßwand nachlässt. Ursachen dafür können der normale Alterungsprozess, hoher Blutdruck oder auch Stoffwechselstörungen sein. Zwei weitere Faktoren kann jeder Mensch allerdings selbst aktiv beeinflussen. Zu wenig Bewegung und Rauchen erhöhen das Risiko für ein Bauchaortenaneurysma.

Hans-Dieter Kubiak hat das Rauchen aufgegeben. „Seit der Operation habe ich keine Zigarette mehr geraucht“, berichtet er. Er bezeichnet das als ein neues Stück Lebensqualität. Dem Mann, der ihn aus dem EK nach Hause gefahren hat und den er im Krankenhaus kennengelernt hatte, hat Kubiak seine übrigen Zigaretten geschenkt. „Nur eine habe ich für alle Fälle behalten.“ Die aber hat der 72-Jährige nie gebraucht – und das, obwohl er zuvor mehr als 50 Jahre lang Raucher war.

Mehr als ein guter Vorsatz

Mit dem Rauchen aufzuhören, ist wohl einer der beliebtesten Vorsätze, wenn ein neues Jahr beginnt. Ein anderer kann sein, mehr Vorsorgeuntersuchungen machen zu lassen. Und diesbezüglich sollte es kein Vorsatz bleiben. Das kann Leben retten.

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