Die wirtschaftliche Situation des früheren Aluwerk-Chefs Thomas Wiese betrifft auch eines seiner privaten Investments. Das Reitsportzentrum Massener Heide steht zum Verkauf.

Unna

, 27.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein Makler aus Unna hat die Suche nach einem Käufer für das Reitsportzentrum in der Massener Heide übernommen. Der Kaufpreis sei Verhandlungssache. Wahlweise könne man entweder nur die Anlage erwerben oder gleich die Reitsport GmbH, die derzeit Eigentümerin und auch Betreibergesellschaft des Pferdestützpunkts ist. Heutiger Eigentümer der Reitsport GmbH: Thomas Wiese und seine Holding, die Wiese Familien GmbH.

Die Suche nach einem Käufer dürfte selbst für die erfahrene Maklergesellschaft eine besondere Herausforderung sein. 39 Millionen Euro seien beim Ausbau zum heutigen Reitsportzentrums investiert worden. Das mag zumindest Hinweise auf die Größenordnungen geben, um die es in diesem Geschäft geht. Ein Erwerber müsste entsprechend finanzstark sein und natürlich auch über ein Konzept dafür verfügen, seiner Investition eine Rendite abzugewinnen.

Reitsportzentrum hat wirtschaftlich enttäuscht

Dies scheint in der Vergangenheit durchaus ein Problem gewesen zu sein. Zumindest bis 2016 – aus diesem Jahr stammt die jüngste veröffentlichte Bilanz – waren das Reitsportzentrum und damit auch die Reitsport GmbH ein Zuschussbetrieb. Wiese und seine Familien-Gesellschaft haben Millionen in das Projekt gesteckt, um eine Insolvenz abzuwenden. „Die derzeit erwirtschafteten eigenen Mittel reichen nicht aus, um die Ausgaben des laufenden Geschäftsbetriebes sowie die notwendigen Investitionen zu finanzieren. Insofern sind wir zwingend auf die Fortführung dieser Finanzierung angewiesen“, heißt es im Lagebericht zum Jahresabschluss 2016. Unterzeichnet ist er von Irene und Thomas Wiese, die nicht nur Gesellschafter, sondern auch Geschäftsführer der GmbH sind. Die Bilanz in dem Jahresbericht weist einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von rund 1,7 Millionen Euro aus. Zugleich hätten die Gesellschafter aber für das Jahr weitere 2,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Tochter der Wiese Familien GmbH

Hauptgesellschafterin der Reitsport GmbH ist mit 93,3 Prozent die Wiese Familien GmbH, einen kleineren Anteil hält Thomas Wiese als Einzelperson. An dieser Stelle wird der Zusammenhang mit dem Aluwerk deutlich: Außer der Reitsport GmbH besitzt Wieses Holding auch die Firma W.B. Metallverarbeitung. Sie war bis Ende 2018 als Personaldienstleisterin die Arbeitgeberin von jedem dritten Arbeiter im Aluwerk. Wiese verdiente zwischenzeitlich dreifach am Aluwerk: Als Vorstandsvorsitzender, als Mehrheitsaktionär und als Mitgesellschafter einer Firma, die dem Werk den Einsatz von Leiharbeitern in Rechnung stellte.

Für letzteres soll der Vorstandschef Wiese seiner Firma W.B. zuletzt Vorauszahlungen in einer Höhe geleistet haben, die den chinesichen Käufer des Werkes stutzig gemacht haben. Als das Werk nach Wieses Abberufung die weiteren Zahlungen einstellte und erst einmal ein Abarbeiten der Vorleistung verlangte, kam es zu Engpässen: In einer Betriebsversammlung kündigte W.B. den Beschäftigten an, die Löhne zumindest nicht pünktlich zahlen zu können. Folge war ein Protestmarsch, bei dem Aluwerker zum privaten Anwesen der Wieses gingen, um ihre Forderungen anzumelden. Das Aluwerk verlangt derweil auf gerichtlichem Wege eine Rückerstattung in Höhe von 3,5 Millionen Euro – für zu viel geleistete Vorauszahlungen und drei Supersportwagen, für die Thomas Wiese auf Werkskosten Leasingverträge abgeschlossen haben soll.

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Ob die Verkaufsbemühungen für das Reitsportzentrum in einem ursächlichen Zusammenhang stehen mit dem Bruch zwischen Thomas Wiese und dem Aluwerk, ist nicht bekannt. Ungeachtet etwaiger Probleme bei den Gesellschaftern schien das Zentrum aber auch im operativen Geschäft Probleme zu haben.

Die roten Zahlen in der zuletzt veröffentlichen Bilanz spiegeln wider, dass die Erwartungen der Geschäftsführung zumindest bis dahin nicht aufgegangen sind. Konkret benennt der jüngste Bericht aus dem Zentrum dazu „eine derzeit ungünstige Kosten- und Personalstruktur, den mangelnden Bekanntheitsgrad sowie die nicht ausreichenden Auslastungszahlen im Gastronomie- und Hotelleriebereich“. Auch die Zahl der durchgeführten Veranstaltungen sei hinter den Erwartungen geblieben.

Eine etwaige Gefährdung des Betriebs könnte den Reitsport in der Region merklich treffen. 156 Pferde finden in den Stallungen des Reitsportzentrums Platz. Zumindest deren Auslastung bezeichnete der jüngste Lagebericht als „zufriedenstellend“.

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