Filmfestivals für Nachwuchstalente gibt es viele. Doch kaum eines, das schon so junge Filmemacher in den Blick nimmt: Unna hat sich mit dem Christian-Tasche-Filmpreis ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen.

Unna

, 13.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Wer den „Förderpreis Neues Deutsches Kino“ erhält, dem dürfte man zutrauen, die Zukunft des deutschen Kinos zu gestalten. Max Gleschinski hat diesen Preis 2018 gewonnen. Mit seinem Film „Kahlschlag“ überzeugte er unter anderem die Schauspielerin Karoline Schuch als Jurymitglied der 52. Internationalen Hofer Filmtage. Ein Jahr zuvor überzeugte er bereits bei einem anderen Festival Publikum und Jury - in Unna.

Wie Unna mit dem Christian-Tasche-Filmpreis jungen Filmemachern ein Forum bietet

Na, wer hat gewonnen? Felix Eller (Mitte) ist seit 2015 der künstlerische Leiter des Filmfestivals in Unna. © Daniel Dornhöfer

„Ich bin durch meine Teilnahme an dem Festival bestärkt worden, dass das, was ich mache, tatsächlich funktioniert.“
Felix Maxim Eller, Unnaer Regisseur

Der 1993 geborene Max Gleschinski ist nur ein Beispiel dafür, welche Talente sich beim Christian-Tasche-Filmpreis in Unna bewerben, dort an sich wachsen und möglicherweise durch das erste richtige Film-Festival ihrer jungen Karriere zu dem finden, was in ihnen steckt: das Potenzial, richtig gutes Kino zu machen.

Ein weiterer, der als Beispiel dafür dienen könnte, es selbst aber niemals sagen würde, ist heute der künstlerische Leiter eben dieses Jugendfilmfestivals: Felix Maxim Eller hat insgesamt dreimal an dem Festival teilgenommen und ist überzeugt, dass es für ihn ein Türöffner war.

Auf einen Blick

Der Christian-Tasche-Filmpreis 2019

  • Das Unnaer Jugendfilmfestival bietet jungen Filmemachern im Alter von 16 bis 26 Jahren aus dem gesamten Bundesgebiet die Möglichkeit, sich und ihr Werk einer kompetenten Jury sowie einem breiten Publikum zu präsentieren.
  • Erstmalig findet das Festival in diesem Jahr nicht unter der Woche, sondern am Wochenende statt. Eröffnet wird das Festival am Freitag, 22. November, mit geladenen Gästen in der Schwankhalle im ZIB.
  • Die Präsentation der ausgewählten zehn Filmbeiträge findet am Samstag, 23. November statt. Karten hierfür wird es ab Oktober im Vorverkauf geben.
  • Der Preis wird in zwei Kategorien vergeben; „Nachwuchs“ und „Fortgeschrittene“. Bewerbungen sind bis zum 1. Oktober möglich. Die Internetseite des Filmpreises wird gerade überarbeitet und geht voraussichtlich im Mai wieder online.

„Das ist etwas total Besonderes, wenn du deinen Film plötzlich nicht mehr nur der Familie und Freunden zeigst, sondern ihn auf der großen Kinoleinwand vor einem großen Publikum und einer Fachjury präsentieren kannst“, erinnert sich der 26-jährige Regisseur an seine erste Teilnahme. „Ich bin dadurch bestärkt worden, dass das, was ich mache, tatsächlich funktioniert. Den Punkt hatte ich bis dahin nicht erreicht“, meint er.

2017 gab es über 800 Bewerbungen aus dem ganzen Bundesgebiet

Und genau wegen dieser Erkenntnis hält Eller es für entscheidend, dass das Unnaer Jugendfilmfestival sich eben schon an junge Filmemacher ab 16 Jahren richtet. „Es gibt viele Nachwuchs-Filmfestivals, aber ganz ehrlich, der Nachwuchs dort ist eigentlich schon zu alt“, findet Eller, „das sind Leute Mitte 20, die längst Film studieren. Wer wirklich Spaß am Filmemachen hat, fängt aber schon viel früher an.“ Und genau diesen jungen Talenten soll der Christian-Tasche-Preis eine Chance bieten - gleich in mehrfacher Hinsicht.

Zehn junge Filmemacher werden aus den zuletzt über 800 Bewerbungen ausgewählt und nach Unna eingeladen, im wahrsten Sinne des Wortes. „Sie müssen keine Übernachtungs- oder Verpflegungskosten bezahlen. Das sind Jugendliche, die haben meistens eh kein Geld“, sagt Eller. Dass ein Festival diese Kosten übernimmt, ist längst nicht üblich. Doch Eller hält es für enorm wichtig, dass die Filmemacher, deren Filme auf dem Festival laufen, auch vor Ort anwesend sind. „Das ist ein wichtiger Baustein, denn es geht darum, dass sie auch die Reaktionen des Publikums auf ihre Filme sehen und sich auf diese Weise mit ihren Zuschauern vernetzen können“, erklärt Eller.

Wie Unna mit dem Christian-Tasche-Filmpreis jungen Filmemachern ein Forum bietet

Eine Chance für den Nachwuchs: Junge Preisträger beim Christian-Tasche-Filmpreis 2017. © Daniel Dornhöfer

Gesprächsrunden mit den jungen Filmemachern

Im zweitgrößten Saal des Kinorama werden die zehn ausgewählten Filme hintereinander gezeigt; Genre und Länge sind dabei nicht vorgegeben. Zwischen den einzelnen Filmen gibt es kurze Gesprächsrunden mit den jeweiligen Filmemachern - und im Anschluss natürlich die Verleihung des Christian-Tasche-Filmpreises. „Gerade da ist es schön, wenn die Gewinner auch da sind. Man will sich ja mit den Leuten freuen - und bei uns kann man das.“

„Wir wollen auch dabei helfen, dass sich junge Talente vernetzen. Dazu bieten wir ihnen die ideale Gelegenheit.“
Felix Maxim Eller, Unnaer Regisseur

Aus Hamburg, München oder Leipzig schicken hoffnungsvolle Talente mittlerweile ihre Filme nach Unna. Sind sie unter den zehn Ausgewählten, dann erwartet sie in Unna ein Komplettpaket: Neben der Filmpräsentation, den Gesprächsrunden und natürlich der Preisverleihung geht es gemeinsam beispielsweise auch ins Lichtkunstzentrum. „Wir wollen auch dabei helfen, dass sich junge Talente vernetzen. Dazu bieten wir ihnen die ideale Gelegenheit“, sagt Eller. Und ganz nebenbei lernen die jungen Filmemacher Unna als eine kulturaffine, lebenswerte Stadt kennen.

Wie Unna mit dem Christian-Tasche-Filmpreis jungen Filmemachern ein Forum bietet

„Die Infrastruktur hier ist einfach super“: Dieses Bild zeigt die Eröffnung des Christian-Tasche-Filmpreises 2017 im ZIB in Unna. © Daniel Dornhöfer

Klares Bekenntnis zum Standort Unna

Dass der Christian-Tasche-Filmpreis auf diese Weise bestes Marketing für die Stadt Unna macht, davon ist Felix Eller überzeugt. „Na klar, wieso auch nicht? Wir haben hier eine super Infrastruktur für ein solches Festival: Das Kinorama und das ZIB liegen direkt gegenüber; im Grunde ist alles zu Fuß zu erreichen.“ Die Idee, dass das Filmfestival bei weiter steigenden Bewerber- und Besucherzahlen aus Unna abwandere, kommt Eller daher überhaupt nicht. „Nein, wir gehen niemals aus Unna weg.“ Stattdessen träumt der künstlerische Leiter des Festivals davon, den Preis irgendwann nicht mehr nur alle zwei Jahre, sondern jährlich auszuloben: „Ich hoffe, dass es irgendwann mal eine Sache wird, auf die die gesamte Stadt schon Wochen vorher hinfiebert.“

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