Unschöne Hochhäuser, betonierte Flächen und eine Einkaufspassage, die den zweifelhaften Charme der 1970er versprüht: Dieses Bild von Königsborns Südosten soll schon bald der Vergangenheit angehören.

Königsborn

, 20.06.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich passt er heute schon nicht mehr: Den Begriff „Problemviertel“ zu verwenden, um Königsborns Südosten zu beschreiben, trifft es spätestens seit dem Abriss des „Grauen Riesen“ nicht mehr.

Wie Königsborn Südost das Image als „Problemviertel“ loswerden will

Moderne Wohnungen statt „grauer Riesen“: Das Neubauprojekt in Königsborn-Südost schreitet zügig voran. © Marcel Drawe

Das unschöne Hochhaus galt vielen als Sinnbild des Stadtviertels, in dem viele Sozialhilfeleistungsempfänger leben. Der Abbruch des Gebäudes an der Potsdamer Straße signalisierte einen Aufbruch: In den dort wachsenden Neubauten entstehen moderne, durch sozialen Wohnungsbau geförderte Wohnungen, grüne Freiraumflächen und Gemeinschaftsbereiche inklusive.

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Der „Masterplan“ für das „Quartier Königsborn Südost“ genannte Viertel geht allerdings noch viel weiter. Ein weiteres Sinnbild für Stillstand soll nun ebenfalls ein frisches Gesicht bekommen. Die Ladenpassage an der Berliner Allee wird in Kürze modernisiert. Das kündigte Alfred Körbel im Sozialausschuss an. Der Diplom-Ingenieur arbeitet für das Büro „plan lokal“, das die Entwicklung im Quartier städtebaulich betreut. „Die Ladenpassage ist ein sehr wichtiger Ort für die Menschen im Quartier, allerdings ist sie momentan eher versteckt und sieht noch immer so aus wie in den 1970er-Jahren“, sagt Körbel.

Wie Königsborn Südost das Image als „Problemviertel“ loswerden will

Schlecker ist bereits seit einigen Jahren aus der Einkaufspassage an der Berliner Allee ausgezogen - doch das Schild hängt noch immer im ehemaligen Ladenlokal. © Marcel Drawe

Nun habe die Eigentümerfamilie des Gebäudes, in dem sich die Einkaufspassage befindet, einen entsprechenden Antrag gestellt, um die Passage vor allem luftiger und heller zu gestalten. „Wir hoffen dabei auf Städtebaufördermittel“, so Körbel. Im Zuge der Modernisierung soll dann auch das alte Schlecker-Schild verschwinden, das dort noch immer hängt - obwohl der Drogist dort bereits vor einigen Jahren seine Türen schloss.

Wie Königsborn Südost das Image als „Problemviertel“ loswerden will

Der Maxi-Markt in der Einkaufspassage an der Berliner Allee wird seine Fläche um knapp 300 Quadratmeter erweitern. © Marcel Drawe

Der benachbarte „Maxi-Markt“ in der Einkaufspassage will seine Ladenfläche um die Fläche des ehemaligen Schleckermarktes erweitern. Der Markt hat auch typische Waren aus den Länderküchen der großen Unnaer Migrantengruppen in seinem Sortiment und gilt damit auch über Königsborn hinaus als Adresse für alle, die entsprechende Produkte suchen. Derzeit hat das Ladenlokal 480 Quadratmeter Verkaufsfläche; durch die Fläche des früheren Schleckermarktes kommen 280 Quadratmeter hinzu.

Wie Königsborn Südost das Image als „Problemviertel“ loswerden will

Das Gemeindezentrum „Brücke“ wird zum Stadtteilzentrum Nord ausgebaut. Erster Schritt dabei: die Barrierefreiheit herstellen. © Marcel Drawe

Noch größere Umbauarbeiten stehen im Gemeindezentrum „Brücke“ an. Die Stadt hat Anfang April das Gebäude von der evangelischen Gemeinde im Rahmen eines Erbpachtvertrages erworben und wird es nun zum „Stadtteilzentrum Nord“ aus- und umbauen. „Oberste Priorität hat dabei die Barrierefreiheit“, sagte Alfred Körbel im Sozialausschuss, „bisher ist das Gebäude nämlich überhaupt nicht barrierefrei.“

„Brücke“-Gebäude wird auch energetisch saniert

Auch energetisch wird die „Brücke“ saniert - und soll anschließend für alle Bürger nutzbar sein, ausdrücklich auch weiterhin für die evangelische Gemeinde. „Die Themenschwerpunkte, die wir als Quartiersentwickler in der Brücke sehen, sind vor allem Fragen der sozialen Sicherung, des bürgerschaftlichen Engagements, eine Elternschule und vor allem ein Höchstmaß an Mehrfachnutzung des Gebäudes, damit alle Bewohner des Quartiers von dieser Anlaufstelle profitieren können“, erklärt Körbel.

„Das ist ein Riesenthema, dass wir dort dafür sorgen, dass diese Situation verbessert wird.“
Alfred Körbel von „plan lokal“ über fehlende Fahrradabstellanlagen im Quartier

Während im vergangenen Jahr das Thema der richtigen Müllentsorgung ganz oben auf der Agenda im Quartier stand, wollen die Quartiersentwickler jetzt die Fahrräder in den Fokus rücken. „Es fahren ganz viele Menschen im Quartier mit dem Fahrrad, aber es fehlt an Fahrradabstellanlagen“, erklärt Körbel. So müssten die meisten Bewohner ihre Räder stets in die Keller tragen, um sie sicher abstellen zu können. „Das ist ein Riesenthema, dass wir dort dafür sorgen, dass diese Situation verbessert wird.“

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Hier sind dann auch die Wohnungsbau-Unternehmen wieder gefragt. Nach einer längeren Phase, in der der Initiativkreis der im Quartier vertretenen Wohnungsbau-Unternehmen und der Quartiersmanager nicht mehr tagte, hat es nun wieder ein Treffen gegeben. „Wir brauchen die Unternehmen für die Entwicklung des Quartiers, das steht außer Frage“, betont Körbel, „allein bei den Planungen für den Quartiersweg sind sie wichtig, denn was nützt dieser Weg, wenn er vor der Haustür endet?“

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