„Wie in einem Selbstbedienungsladen“: Ex-Umarex-Mitarbeiter legt umfassendes Geständnis ab

dzProzess um illegalen Waffenhandel

Am Landgericht wurde der Prozess gegen illegale Waffenhändler fortgesetzt, von denen einer in Unna eine illegale Waffenwerkstatt betrieben haben soll. Das Verfahren gegen ihn wurde jedoch vorerst abgebrochen.

Fröndenberg

, 25.10.2019, 14:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit über einstündiger Verspätung begann am Freitagmorgen der zweite Verhandlungstag im Prozess um illegalen Waffenhandel. Vor dem Landgericht Arnsberg müssen sich insgesamt sechs Angeklagte wegen gewerbsmäßigen Diebstahls und zahlreicher Verstöße gegen das Waffenrecht verantworten. Einer von ihnen soll eine Waffenwerkstatt und florierenden Handel in Unna betrieben haben.

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Und eben dieser Mann – ein 54-jähriger, gebürtiger Brite mit Wohnsitz in Dortmund – war denn auch Anlass für die Verzögerung. Das Gericht hatte eine amtsärztliche Untersuchung des Angeklagten angeordnet, nachdem es am ersten Verhandlungstag in der Vorwoche zu einem Zwischenfall gekommen war. Die Verhandlung musste abgebrochen werden, weil der 54-Jährige in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Mutmaßlicher Betreiber der Waffenwerkstatt verhandlungsunfähig

Wie Richter Daniel Langesberg nun erläuterte, hatte er unmittelbar vor Verhandlungsbeginn einen Schlaganfall erlitten. „Es ist nicht davon auszugehen, dass der Angeklagte an den unmittelbar nachfolgenden Terminen genesen ist“, so der Richter, der sich auf eine durch den Amtsarzt bescheinigte Verhandlungsunfähigkeit berief. Dieser Angeklagte wird sich deshalb in einem gesonderten Verfahren dem Vorwurf stellen müssen, in Unna eine Waffenwerkstatt betrieben und mit Waffen gehandelt zu haben.

Umarex-Mitarbeiter legt umfassendes Geständnis ab

Im Mittelpunkt des zweiten Verhandlungstages stand indes der 47-jährige Mitarbeiter des Waffenherstellers Umarex, der Einzelteile aus dem Werk in Arnsberg geschmuggelt und zuhause zu funktionstüchtigen Waffen zusammengebaut haben soll. Er zeigte sich in der rund dreistündigen Befragung umfassend geständig, räumte sogar über den Tatvorwurf hinaus ein, insgesamt 90 Waffen des Modells Walther P22 sowie 16 PK380-Pistolen und eine Walther CCP Zuhause zusammengebaut und an einen 27-jährigen Mann aus Menden verkauft zu haben. In einer polizeilichen Vernehmung hatte er von weniger gesprochen, entsprechend intensiv hakten die beteiligten Anwälte und Richter am Freitag nach; der Angeklagte konnte oder wollte sich jedoch nicht genau festlegen.

„Wie in einem Selbstbedienungsladen“

Wie auch immer. Für jede einzelne Waffe hat er nach eigener Aussage bis zu 30 Einzelteile aus dem Werk geschleust, in dem er arbeitete. Teilweise in einer Brotdose, teilweise in seinem Portemonnaie. Sicherheitsvorkehrungen habe es zunächst keine gegeben, in seiner Nachtschicht habe er sich frei bewegen und unbeobachtet zugreifen können. „Das ist also zugegangen wie in einem Selbstbedienungsladen“, stellte denn auch der Anwalt eines Mitangeklagten fest. Offenbar konnte er die Einzelteile auch aus dem Werk bringen, nachdem 2017 Sicherheitsschleusen eingeführt worden waren.

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Aufgeflogen ist er im März dieses Jahres, als das Sicherheitspersonal der Firma Umarex einen Waffenlauf in seinem Rucksack fand und die Polizei in der Folge das Haus des 47-Jährigen durchsuchte. Diesen Lauf aber, darauf bestand der Angeklagte in seiner Vernehmung vor dem Richtertisch, müsse ihm jemand in den Rucksack gesteckt haben. Er selbst habe in diesem Jahr nichts mehr entwendet. „Das ist mir alles zu heiß geworden“, so der Mann, der zunächst mit einer Waffe für den Eigenbedarf angefangen hatte – sich dann jedoch mit dem Weiterverkauf einen höheren Lebensstandard ermöglichen wollte. Für 250 bis 500 Euro will er die Pistolen weiterverkauft haben.

Der Prozess wird am Mittwoch, 13. November, fortgesetzt.
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