Wie Erwachsene in Unna das Fahrradfahren lernen

dzUngewöhnliche Fahrschule

Radfahren erlernt man oft im Kindesalter. Was aber, wenn nicht? Dann haben Erwachsene bei einer Radfahrschule die Möglichkeit, das Radeln zu trainieren. Ein Einblick in eine Übungsstunde.

Unna

, 23.09.2019, 11:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vorsichtig löst Susanne Nölte die Füße vom Boden. Die Hände umklammern den Lenker ihres Fahrrades fest. Dann setzt sie beide Füße wieder auf. Die Hürde, sich einfach bergab rollen zu lassen, ist noch zu groß. Das Gleichgewicht zu halten fällt ihr schwer. Nölte lernt gerade das Fahrradfahren. Mit 61 Jahren.

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So wie sie nehmen noch zehn weitere Erwachsene an der Radfahrschule des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) des Kreises Unna teil. Alle haben sie gemeinsam, dass sie sich unsicher auf dem Fahrrad fühlen, ihre Kenntnisse verbessern wollen oder eben das Radfahren von Grund auf erlernen müssen. Davon gibt einige Erwachsene, weiß Gabi Jöhnk, ausgebildete Radfahrlehrerin: „Es ist wie mit dem Schwimmen. Wenn man es nie gelernt hat, dann kann man es auch im Alter nicht.“

„Mein Mann fährt viel Rad und unternimmt auch weitere Touren auf Fernradwegen. Ich bin immer die Doofe, die am Ziel herumsteht oder mit dem Auto hinterherfährt.“
Susanne Nölte

Blutige Anfängerin

So wie Susanne Nölte. Die blutige Anfängerin hat sich nach einem gescheiterten Versuch in der Kindheit nie wieder aufs Rad getraut. Ganz losgelassen hat sie der Wunsch, Fahrrad fahren zu können, allerdings nie: „Mein Mann fährt viel Rad und unternimmt auch weitere Touren auf Fernradwegen. Ich bin immer die Doofe, die am Ziel herumsteht oder mit dem Auto hinterherfährt“, sagt Nölte. Das soll sich jetzt ändern.

In zwölf Doppelstunden können die Teilnehmer der Radfahrschule das Radfahren von Grund auf erlernen. Gleichgewicht finden und halten, Anfahren und Anhalten üben sowie das sichere Verhalten im Straßenverkehr gehören dazu.

Wie Erwachsene in Unna das Fahrradfahren lernen

Ohne Pedale: Zunächst wird das Fahrrad wie ein Laufrad benutzt. © Udo Hennes

Dafür stehen spezielle Schulungsräder zur Verfügung: Diese haben einfach verstellbare Sättel und Lenker, einen tiefen Einstieg und – besonders wichtig – abnehmbare Pedale. Letztere sind zu Beginn nämlich überflüssig, erklärt Gabi Jöhnk: „Die Teilnehmer benutzen das Fahrrad zunächst wie ein Laufrad, um ein Gefühl dafür zu bekommen.“

Informationen

Alles zum Kurs

  • Die Radfahrschulung des ADFC findet zum dritten Mal im Kreis Unna statt. Weitere Kurse sollen folgen.
  • Die Radfahrtraining kostet 120 Euro (für ADFC-Mitglieder 100 Euro) und findet zwei Mal wöchentlich statt
  • Der Kurs beginnt mit einer Einführungseinheit, dann folgen 10 Einheiten Fahrradtraining und eine Einheit Verkehrsunterricht
  • Interessierte finden Informationen unter www.radfahrschule.adfc-unna.de oder per Telefon unter 02303/63375

Erst, wenn sie sich bergab rollen lassen können, ohne die Füße aufzusetzen, gebe es die Pedale. „Und dann wird das Rundtreten gelernt.“ Stützräder kommen nicht zum Einsatz: „Diese suggerieren nur eine falsche Sicherheit“, sagt Jöhnk. „Heutzutage benutzt man sie nicht mehr.“

„Angst zu stürzen ist groß“

Doch das eigenständige Losfahren kostet Überwindung, weiß auch Teilnehmerin Marion Kappschulte: „Am Anfang ist die Angst zu stürzen oft groß, die Sicherheit fehlt.“ Folglich halten sich die Anfänger meist verkrampft am Lenker fest, treten zurück, und versuchen, mit den Füßen zu bremsen. „Das kann im echten Straßenverkehr lebensgefährlich sein“, erklärt Jöhnk.

Deswegen wird auf dem Gelände des Verkehrsbildungszentrum "Move" geübt. Hier gibt es keinen Verkehr: Die Teilnehmer können ungestört und risikoarm das Radfahren erlernen, einen Parcour durchfahren und das Abbiegen üben.

Theoretisches Wissen kommt nicht zu kurz

Auch Unterstellmöglichkeiten für die Räder und ein Schulungsraum zur theoretischen Wissensvermittlung sind vorhanden, denn auch diese kommt nicht zu kurz: Die Teilnehmer erlernen die Bedeutung der Verkehrsschilder, das Verhalten bei einem Unfall und auch, wie ein platter Reifen geflickt wird.

Nach 12 Stunden à 90 Minuten soll das nötige Wissen vermittelt sein und das Fahrradfahren sitzen. Aber wenn es nicht jedem auf Anhieb gelingt, sei das auch kein Problem: „Wer länger braucht, darf gerne wiederkommen", sagt Jöhnk.

Wie Erwachsene in Unna das Fahrradfahren lernen

Auch das Umfahren von Hindernissen will geübt sein: Marion Kappschulte hat Spaß an der Herausforderung. © Udo Hennes

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