Wie ein Witwer in Geldnot darum kämpfen muss, sein Grundstück zu verkaufen

dzGrundstücksverkauf

Einem Rentner in Königsborn wächst sein Besitz buchstäblich über den Kopf. Er will ein Stück Land verkaufen, kann es aber nicht. Was ihn aufhält, ist Bürokratie, und das offenbar unnötig.

Unna

, 18.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Werner B. (Name von der Redaktion geändert) besitzt ein knapp 800 Quadratmeter großes Grundstück. Bis vor vier Jahren sah es so aus, als könnten er und seine Frau ihre Immobilie gut abbezahlen. Doch dann starb B.s Ehefrau. Längst ist deutlich, dass der Witwer selbst keine Kraft mehr hat, alles „in Schuss zu halten“. Vor allem seine finanzielle Lage macht ihm zunehmend Sorgen. Gemäß der Vereinbarung mit den Vorbesitzern des Hauses muss er noch bis 2023 jeden Monat 700 Euro abbezahlen. Die Rente seiner Frau fehlt aber. Da B. wie jeder andere auch Grundbesitzabgaben und weitere Belastungen durch seinen Besitz hat, reicht seine eigene Rente nicht mehr aus. „Ich kann mir nichts mehr leisten“, sagt B. 50 Jahre habe er gearbeitet. Heute wünscht er sich eigentlich nur einen Lebensabend ohne Sorgen, ab und zu mal Angeln gehen. Doch er weiß nicht weiter.

Käufer wäre da, Baurecht nicht

Dabei hätte er sogar eine Lösung. Sein Häuschen nimmt nur etwa ein Drittel seines Grundstücks ein. Rund 500 Quadratmeter könnte er verkaufen. Auf diesem Eckgrundstück müsste ein neuer Inhaber nur aufräumen, um dann bauen zu können. „Ich hätte auch einen Käufer“, berichtet B. Doch bisher machte ihm die Stadt Unna einen Strich durch die Rechnung. Ein Bebauungsplan, der vor rund 50 Jahren aufgestellt worden war, regelt, was wie und wo gebaut werden darf in der Königsborner Siedlung. Laut diesem Plan wäre ein weiteres Gebäude auf B.s Grundstück unzulässig. Die Stadtverwaltung bestätigte ihm das in einem Schreiben von Januar 2018. Würde B. seinen Plan verfolgen, so würde dies in der Siedlung zu einer „neuen Baustruktur“ und zu einer „baulichen Dichte führen, die der bisherigen Struktur entgegensteht und städtebaulich störend ist“, heißt es in dem Brief. Eine Änderung des Bebauungsplans könne nicht in Aussicht gestellt weden.

Ein Freund B.s, etwas geübter im Umgang mit Behörden und ihren Schriftstücken, rief seinerzeit im Rathaus an. Aus dem Gespräch nahm er die Botschaft mit, dass B. seinen Plan möglicherweise doch umsetzen könnte. Eine Änderung des Bebauungsplans wäre nötig, aber nicht unmöglich. Der zuständige Beamte aber ging zwischenzeitlich in Pension. Von einem anderen in derselben Behörde erhielt B. im April dieses Jahres wiederum ein sehr ernüchterndes Schreiben: Eine Änderung des Bebauungsplans könne nicht in Aussicht gestellt werden.

Bebauung in der Nachbarschaft

Er sei inzwischen verzweifelt, sagte B. im Gespräch mit unserer Redaktion. Und er fragt, wieso andere dürfen, was ihm verweigert wird. Tatsächlich gibt es in derselben Siedlung Grundstücke, die mit jeweils einem zweiten Haus bebaut wurden. Diese Gebäude stehen außerhalb der Bebauungsgrenzen, die der Bebauunsplan vorsieht. Sie wurden einst genehmigt, das hätte aber offensichtlich gar nicht geschehen dürfen. Diese älteren Fälle könnten im Einzelnen nicht mehr kurzfristig nachvollzogen werden, erklärte Stadtsprecher Oliver Böer. Und Werner B. stellte er nun doch eine Lösung in Aussicht. Vom Grundsatz her erscheine es möglich, dass B. sein Grundstück teilt und die Bauleitplanung angepasst würde, damit die freie Fläche bebaut wird. Es müsse die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans beantragt werden, so Böer. Der Antragsteller müsse allerdings die Architektenkosten tragen, sie lägen im unteren fünfstelligen Bereich.

Dass B. sich darüber mit seinem Käufer einig wird, gilt nun als kleines Problem. Er hofft, dass jetzt doch alles klappt. „Könnte ich das verkaufen, wäre ich wenigstens Plus-Minus-Null.“

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